Handwerk: Warum Schornsteinfeger nicht nur in Frankfurt (Oder) Glück bringen sollen

Kreisschornsteinfegermeister Andreas Krause steigt den Leuten in Frankfurt (Oder) nur noch selten aufs Dach. Er kontrolliert eher in Heizungskellern mit Laptop, Messgeräten, Sensoren und Endoskopkameras, ob der CO2-Gehalt im grünen Bereich ist. Warum er Glück bringen soll, erklärte er uns.
HandwerkskammerSchon Krauses Großvater war Schornsteinfeger. Es gibt Bilder im Familienalbum: Opa in der Zünftekluft. Dass er eines Tages beim einstigen Gesellen seines Großvaters lernen sollte, war Zufall.
„Früher konnten auch weniger gebildete Menschen das Handwerk erlernen. Etwa die Handhabung eines Kehrbesens. Aber heute bin ich mit Laptop, Messgeräten, Sensoren und Endoskopkameras unterwegs“, sagt er und richtet seine Augen auf das Display eines kleinen Gerätes: Der CO2–Gehalt ist im grünen Bereich. Hinter den Werten von Sauerstoff und Kohlenmonoxid steht eine Null.
Die modernen Anlagen von heute haben viel zur CO2–Reduzierung beigetragen. Die Gefahren austretender Gase sind weitgehend gebannt. Seitdem Techniker das Rohr für deren Abführung in das Rohr für die zur Verbrennung notwendige Luftansaugung gesteckt haben, sind die Abgase von Frischluft umspült. Bei einem Leck würde das Abgas durch die Frischluft neutralisiert.
Vor elf Jahren machte Andreas Krause seinen Meister. Wenig später bewarb er sich um einen eigenen Kehrbezirk und gewann die Ausschreibung. Und nennt sich seitdem: Bezirksschornsteinfegermeister „Unglaublich, wie sich die Heizungstechnik seitdem entwickelt hat. Wer in Physik und Chemie ein wenig aufgepasst hat, sich für Technik und Messtechnik erwärmen kann, wer praktisch etwas für die Umwelt tun will — der sollte Schornsteinfeger werden.“ Man spürt: Der 40–jährige Vater zweier Kinder liebt seinen Beruf. Weswegen er sich seit Jahren auch im Gesellenprüfungsausschuss seiner Innung engagiert.
1200 Objekte betreut er inzwischen. Viele Kunden kennt Andreas Krause persönlich. Ist er als Schornsteinfeger noch immer ein Glücksbringer? „Klar“, sagt er lachend. „Anfassen ist noch.“ Woher kommt der Brauch? „Früher waren Schornsteinfeger Wandergesellen. Gemessen an der Vielzahl der Essen gab es damals aber viel zu wenig Rauchfangkehrer. Wer einen zu fassen kriegte, der hatte Glück. Heute ist davon der Brauch des Anfassens geblieben. Und der Glaube, dass wir Glück bringen.“ Durch seine Kinder sitzt „Fridays for Future“ quasi mit am Frühstückstisch. „Was ich nicht gut finde: Je radikaler die Forderungen, desto verengter der Blick. In einem aber muss ich den Kindern recht geben. Die Wohlhabenden haben immer den höchsten CO2–Ausstoß.“