Handwerk: Zwischen Technologie und Tradition

Passgenau: Ein Tischler setzt das Glas in eine Brandschutztür ein. Nur wer eine extra Lizenz hat, darf die Türen verkaufen.
Jan-Henrik HnidaGippsy bellt jeden Kunden im Büro in der Georg-Richter-Straße freundlich an. Während der Hund von Uwe Netzker sich freut, beugt sich das Herrchen über den nächsten Auftrag. In der Werkstatt fräsen hochmoderne Maschinen Teile für Rundbogenfenster. Nebenan restaurieren Mitarbeiter alte Fensterrahmen. Traditionelles Handwerk und technische Innovation gehen hier Hand in Hand.
Anfang der 80er Jahre machte Uwe Netzker seine Ausbildung. „Dann habe ich meinen Handwerksmeister gemacht“, erzählt der gebürtige Frankfurter. Seit 1998 hat seine Werkstatt ihren Sitz in der Georg-Richter-Straße. Fing der Meister damals alleine an, waren es am Ende des Jahres bereits fünf Mitarbeiter. Auf den gut 700 Quadratmetern arbeiten nun 16 Mitarbeiter sowie drei Lehrlinge. Insbesondere mit „Jungen vom Land“ hat Netzker als Ausbilder gute Erfahrungen gemacht. „Die können zupacken und wissen die Arbeit zu schätzen.“ Allerdings könne sich jeder bewähren, der sich ins Team einbringe.
Fenster-, Türen- und Möbelbau füllen die Auftragsbücher der Tischlerei. Netzker hat kaum private Kunden. „Für das Klinikum haben wir beispielsweise Schränke und Tresen gefertigt“, sagt der Meister. Auch das Studentenwohnheim an der Oder, der neue ASB-Sitz oder das Bolfrashaus zählen zu den Vorzeige-Objekten der Tischlerei. Eine Spezialität ist der Bau von Brandschutztüren. „Wir haben eine extra Lizenz dafür“, informiert Netzker. Seit 14 Jahren besitzt er die Genehmigung.
In der Werkstatt setzt Tischler Ronny die Glasscheibe in die 70 Kilo schwere Brandschutztür und versiegelt diese. „Wir machen aber nicht mehr alles manuell“, erklärt Netzker. Zum Beispiel nimmt die CNC-Maschine den Handwerkern körperliche Arbeit ab. Eine derartige Werkzeugmaschine kann durch moderne Steuerungstechnik Werkstücke präzise und automatisch herstellen. Wie zum Beispiel Fräsarbeiten für Rundbögenfenster und Haustüren. Ebenso kommt ein 3D-Leser zum Einsatz, um Bögen exakt auszumessen. „Man muss mit der Zeit gehen“, ist der Tischler überzeugt.
Gleichzeitig restauriert sein Team aber auch abgenutzte Kastenfenster. Die Tischler brauchen dafür Fachwissen, zum Beispiel über Holzarten und ihre Beschaffenheit. „Früher waren die Hölzer harziger, weil sie älter waren“, sagt er. Heute kämen sie meistens aus Zuchtplantagen.