Michael Kurzwelly vom Verein Słubfurt in Frankfurt (Oder) hat auf seinem Computer viele Nachrichten gespeichert, viel Gegenwind als Reaktion auf den Brückenplatz und seine Projekte, vor allem wenn es um Menschen unterschiedlicher Herkunft geht. „Es ist haarsträubend, was für Gedankengut manche haben“, sagt er kopfschüttelnd. Mit „Hate Speech“, also Hassrede, kennt er sich also aus.
„Wir haben mit dem Problem der Monokultur zu tun“, sagt er doppeldeutig. Viele ältere Generationen hätten keine anderen Kulturen kennengelernt, Kurzwelly spricht von Fremdenangst. „Und Hass hat oft mit Angst zu tun“, sagt er. Seit drei Jahren beschäftigen er und der Berliner Regisseur und künstlerische Leiter Thomas Roth sich mit diesen Themen. So gab es zu den Kleist-Festtagen vor zwei Jahren Inszenierungen über Rassismus, im vergangenen Jahr zum „Fest der Vielfalt“ das Theaterstück „Dazwischenland“.

Hate Speech als Kriegsstrategie – ein hochaktuelles Thema

Aktuell dreht sich ein Laboratorium um „Hate Speech – Civil War?“ – ein hochaktuelles Thema, wie Kurzwelly betont, da das auch als Kriegsstrategie genutzt werde. Zusammen mit Partnern aus Polen und der Ukraine entstehen kurze Stücke und Workshops, an denen alle Interessierten teilnehmen können. Die „Ouvertüre“, das Vorspiel des Projektes, fand in den vergangenen Tagen statt. Die Gruppe Nga Soso Hadje gab Afrotanz-Workshops, besuchte Schulen und erklärte, wie man Djembe und die Basstrommel Dundunba spielt – für letztere nahmen ein paar Interessierte sogar 400 Kilometer Anfahrt auf sich. Die Band hat früher zusammen in Guinea gespielt, heute wohnt keiner von ihnen mehr in dem afrikanischen Land, sondern in Stockholm, Prag, Berlin, Brüssel, Frankfurt (Oder). Auch zu Guinea passt das Thema des Laboratoriums im Übrigen: Vor einem Jahr erklärten Militäreinheiten die Regierung für abgesetzt.

„Fest der Vielfalt“ findet am Wochenende in Frankfurt (Oder) statt

Die Ergebnisse der Workshops werden am Samstag (24.9.) auf dem „Fest der Vielfalt“ auf dem Brückenplatz präsentiert. Los geht es dort um 14 Uhr. Kurzwelly spricht von einem Fest für die ganze Familie: Workshops, Zöpfeflechten, Hüpfburg für Kinder, kamerunische Küche.
Um 15.15 Uhr stellt die Tanzgruppe Sarija orientalische, Sinti- und Roma-Tänze vor, danach gibt es traditionelle afghanische Musik. Amira zeigt um 16.20 Uhr Bauchtanz und das Deutsch-Polnische Kinderorchester tritt um 16.45 Uhr auf. Afrikanisches Ballett aus Guinea gibt es um 17 Uhr mit Nga Soso Hadje, danach gibt Bijou Camara einen Afrotanzworkshop. Ab 18 Uhr wird unterschiedliche Musik gespielt, unter anderem syrische und kurdische, Reggae und Dancehall, Afro und Hip Hop. Bis 22 Uhr geht das Programm in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11.
Am Sonntag (25.9.) um 16 Uhr findet dort die Lesung „Manchmal lache ich zum falschen Zeitpunkt“ mit Yasser Niksada statt. Darin beschäftigt sich Niksada – in Afghanistan geboren und im Iran aufgewachsen – mit dem Thema Flucht. Mit dabei ist auch der Schauspieler Manfred Möck. Die Lesung ist auf Farsi und Deutsch.
So richtig los geht es mit dem Hate-Speech-Laboratorium dann im Oktober.