Klare Worte gibt es von Mirko Lange, Präsident des HSC 2000. "Der HSV wirbt seit mehreren Jahren unsere Nachwuchsspieler ab.  Da wird schlecht über uns geredet und mit viel Schmutz geworfen. Nun geht es bei den Frauen weiter. Die Mannschaftsverantwortlichen haben sich zu diesem Schritt entschieden, den ich sehr bedauere. Die Vorwürfe, der Verein würde das Frauenteam stiefmütterlich behandeln, weise ich zurück. Ich war ja zuletzt der einzige Sponsor, der verblieben ist und stand bei Heimspielen regelmäßig hinter dem Tresen und habe Bier gezapft. Ich gebe alles für die Mannschaften des Vereins – Zeit, Engagement, Einsatzwillen. Dieser Einsatz wird aber mit Füßen getreten", sagt Lange.
Wie es mit dem HSC 2000 weitergeht, sei offen. Die Männer-Mannschaft, momentan souveräner Spitzenreiter der Kreisliga, soll in die Landesliga aufsteigen – mit Trainer Robert Karney, aber unter dem Dach eines neu gegründeten Vereins.  Dort soll auch die B-Jugend des HSC spielen, die D-Jugend wird hingegen voraussichtlich geschlossen zum HSV wechseln. Mirko Lange habe den Spielerinnen auch angeboten, zum FHC mitzugehen. Denn an den HSV möchte er das Spielrecht nicht abtreten. "Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen. Aber diesem uns nicht wohlgesonnen Verein möchte ich nicht auch noch unterstützen. Da werden sogar schon Erstklässler angespitzt und reden schlecht über den HSC 2000. Diese Niederträchtigkeit kann man sich gar nicht vorstellen", klagt der HSC-Präsident, der bereits vier Nachwuchs-Mannschaften an den HSV hat ziehen lassen müssen.
HSC und HSV waren schon vor Jahren im Gespräch
HSV-Präsident Lothar Würfel kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Ich habe meine Trainer angewiesen, keine Spieler abzuwerben. Das haben wir auch gar nicht nötig. Die Handballer, die zu uns kommen, wechseln von sich aus", sagt er. Schon vor mehreren Jahren habe es noch zu Verbandsliga-Zeiten des HSC Gespräche gegeben, die Frauen-Mannschaft beim HSV spielen zu lassen. "Nun gab es erneut eine Anfrage, ob wir uns das vorstellen könnten. Und da wir im Nachwuchs gut aufgestellt sind, haben wir zugestimmt. Wir werden für die neue Saison eine weitere Frauen-Mannschaft anmelden, die sich zum Teil aus jetzigen A-Jugendlichen und Rückkehrerinnen  zusammensetzt. Außerdem wollen wir für die Kreisliga eine Männer-Mannschaft melden", berichtet Würfel, dessen Verein 2011 zunächst im weiblichen Nachwuchs begonnen hatte. Bei den sportlichen Ambitionen der Handballerinnen möchte sich der HSV-Präsident nicht festlegen. "Wir werden erst einmal sehen, wie alles funktioniert. Wenn wir es eines Tages zurück in die Brandenburgliga schaffen, wäre das schön."
Michael Schuster, Trainer der Frauen-Mannschaft beim HSC 2000, erklärt den Vereinswechsel aus seiner Sicht: "Wir sehen uns zu diesen Schritt gezwungen, da die quantitative Kaderstärke durch Verletzungen, Schwangerschaften etc. schon in dieser Saison schwer zu kompensieren ist. Durch den fehlenden sportlichen Unterbau beim HSC ist auch nicht mit einer zeitnahen Besserung in dieser Hinsicht zu rechnen. Wir können in Zukunft nicht immer auf Neuzugänge hoffen, um eine Saison bestreiten zu können. Der HSV ist in hinsichtlich der Jugendförderung sehr gut aufgestellt und hat alle weiblichen Jugendteams besetzt, teilweise sogar doppelt", teilt Schuster mit. Man befinde sich in guten Gesprächen mit den Verantwortlichen des HSV und er habe sofort das Gefühl gehabt, willkommen zu sein. "Es geht hierbei einzig und allein um die Perspektive und Zukunft des Teams und man hat uns schnell signalisiert, gemeinsam diesen Weg gehen zu wollen. Ich bin erleichtert, dass wir nun endlich Planungssicherheit haben und alles weitere regeln zu können", erklärt der HSC-Trainer.
Auch Co-Trainer Christopher Kranich bezieht Stellung: "Trotz monatelanger intensiver Gespräche ist es uns hinsichtlich des Spielrechts nicht gelungen, mit unserem Vereinsvorsitzenden Mirko Lange eine Einigung zu erzielen. Eine Einwilligung des Vereins zur Übergabe des Spielrechts zum HSV Frankfurt ist jedoch die zwingende Voraussetzung für die Erhaltung des Spielrechts in der Brandenburgliga. Gespräche über mögliche Kooperationen mit dem HSV Frankfurt scheiterten zuvor aus den unterschiedlichsten Gründen."
Nach der Veräußerung des Spielrechts muss die Mannschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Kreisliga neu starten. "Das ist für uns natürlich nur schwer verständlich, denn einzig die Frauenmannschaft war es, die über die Jahre den Verein in einem tollen Licht brandenburgweit repräsentiert hat. Da wundert es uns schon sehr, warum dann das Spielrecht lieber einen anderen Verein übertragen wird als der Mannschaft, der man so viel zu verdanken hat. Daher sind wir alle sehr enttäuscht, vor allem über die Art und Weise. Nichtsdestotrotz werden wir die Saison ordentlich zu Ende spielen und bis zum Ende alles geben", teilt Kranich mit.
Co-Trainer Christopher Kranich beklagt "herben Schlag ins Gesicht"
"Für uns alle ist dies natürlich ein herber Schlag ins Gesicht und eine Angelegenheit, die uns bereits seit mehreren Wochen und Monaten beschäftigt hat. Wir müssen nun ohne eigenes Verschulden das aufgeben, was wir uns über fünf Jahre selbst erarbeitet haben. So bleibt uns nur zu versichern, uns fällt der Schritt mit Sicherheit nicht leicht, geben wir doch auch das sportlich Erreichte auf. Um eine Zukunft des Teams und eine Basis für Frauenhandball neben dem FHC aufzubauen und auf Dauer zu sichern, ist dieser Schritt für uns alternativlos", erklärt Kranich. Der HSC 2000 steht derzeit auf dem 8. Tabellenplatz der Brandenburgliga und tritt am Samstag um 18 Uhr gegen den Tabellennachbarn VfB Doberlug-Kirchhain an.