Wo einst in Frankfurt (Oder) neun bis zwölf Tonnen Kaffee am Tag geröstet und unter anderem Stiefelhosen für Angler gefertigt wurden – in den Marö-Werken und in der Gummifabrik Oderna – entstehen bald Wohnhäuser. In der Lebuser Vorstadt hat Thomas Wolff, Geschäftsführer der Frankfurter Systembau GmbH, auf einer Fläche von drei Hektar in den kommenden Monaten viel vor.

Ruhig und trotzdem nah am Zentrum

Der Frankfurter Unternehmer will in der Herbert-Jensch-Straße drei Mehrfamilienhäuser und um die 20 Einfamilienhäuser bauen. Für das erste Mehrfamilienhaus finden gerade die vorbereitenden Maßnahmen statt, man sei mitten im Bauantragsverfahren, erklärt er. Im ersten Quartal 2021 könnte bereits Baustart sein, für die Häuser 2 und 3 dann im zweiten und dritten Quartal. Insgesamt entstehen 18 Wohnungen mit jeweils etwa 100 Quadratmetern Wohnfläche, die Häuser haben drei Geschosse, Park- und Spielplätze.

Frankfurt (Oder)

Warum hat sich das Unternehmen für die Lebuser Vorstadt entschieden? „Es ist extrem ruhig“, sagt Thomas Wolff. Trotzdem sei die Lage zentral, mit Auto oder Straßenbahn kommt man ins Zentrum, auf der anderen Seite des Areals verläuft der Radweg. Hinter den Mehrfamilienhäusern, die direkt an der Herbert-Jensch-Straße gebaut werden, hört man vom Straßenlärm nichts mehr, ist er überzeugt. Er will selbst auf einem der Grundstücke ein Haus bauen und denkt, dass der Verkauf im zweiten Quartal des kommenden Jahres starten kann. Er rechnet mit 100 Interessenten für die 20 Grundstücke. Im Herbst 2021 könnten die ersten von ihnen mit dem Bau beginnen, schätzt er.

Auf 12.000 Quadratmeter werden Bäume gerodet

Die Stadtverordneten haben jüngst in ihrer Sitzung mit ein paar Enthaltungen dem Antrag zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zugestimmt. Vorausgegangen war eine Empfehlung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Bevor der Bau der Häuser losgehen kann, müssen im kommenden Jahr aber erst einmal auf knapp 12.000 Quadratmetern Bäume gerodet werden. Dafür entsteht aber auf dem Areal ein neuer kleiner Wald. Ein Stück im hinteren Bereich, angrenzend an das ehemalige Fabrikgelände des VEB Rationalisierung, wurde zwar von Altlasten im Boden befreit. Darauf wird jedoch nicht gebaut, sondern es werden Bäume gepflanzt.
Früher stand in der Lebuser Vorstadt Fabrik an Fabrik. Je weiter man nördlich kommt, erklärt Thomas Wolff, desto höher die Altlastenbestände. Im Bereich der ehemaligen Kaffee-Fabrik fanden sich keine, daneben, wo sich das Gummiwerk befand, wurde die Flüssigkeit Toluol gefunden, ein aromatischer Kohlenwasserstoff, der zum Beispiel als Lösemittel eingesetzt wird.

Kosten im siebenstelligen Bereich

Die Kosten für das Vorhaben, sagt Thomas Wolff, liegen im siebenstelligen Bereich. Am teuersten sei die Erschließung neuer Straßen. Denn zwischen zwei der Mehrfamilienhäuser wird eine Straße bis fast zum Radweg an der Oder führen. Eine zweite verläuft parallel zur Herbert-Jensch-Straße. Und eine „Grüne Gasse“ – so auch der Name des ganzen Wohnquartiers – entsteht. Nach dem alten Bebauungsplan, erklärt Wolff, ist eine Querverbindung zwischen Herbert-Jensch-Straße und Radweg vorgesehen. Er plant diesen Grünstreifen etwas breiter, auf 1,50 Meter, anzulegen.
Gebaut werden muss teilweise hochwasserangepasst. Wegen der Nähe zur Oder werden die drei Einfamilienhäuser, die am dichtesten am Fluss sind – darunter das von Thomas Wolff selbst – so geplant, dass das Erdgeschoss nicht ebenerdig ist, sondern ein Stück höher. Eine weitere Möglichkeit sei es laut Wolff, im Hochwasserfall Keller oder Tiefgarage zu fluten. Er glaubt aber nicht, dass das künftig ein Thema sein wird.

Mittendrin steht eine alte Fabrikantenvilla

Eine Besonderheit ist, dass zwischen den geplanten Mehrfamilienhäusern eine Villa steht, die Thomas Wolff nicht gehört. Nachdem vor drei Jahren ein Frankfurter Pärchen die Fabrikantenvilla gekauft hatte, verkaufte es diese wiederum an eine Berliner Investmentfirma, die das Haus für einen griechischen Investor erwarb. „Das ist so ein typisches Objekt, bei dem man nicht weiß, ob etwas passiert“, kommentiert Wolff. Sein Plan ist, das Gebäude optisch einzubinden, sodass die Straße wieder mehr wie damals aussieht, „aber nicht mit Villen, sondern eher modern gehalten.“
Dann zeigt Thomas Wolff auch noch die nördlich angrenzende Fabrik vom VEB Rationalisierung. Auch dort könnte er sich Wohnraum und außerdem Büros vorstellen, schätzt aber, dass ein solcher Ausbau drei Jahre dauern und finanziell in den zweistelligen Millionenbereich gehen würde. Ohnehin ist der Besitzer des Gebäudes, dessen oberste Etagen bereits eingestürzt sind und in dem es schon mehrfach gebrannt hat, nicht an einem Verkauf interessiert.

Frankfurt (Oder)