Jubiläum der Videoplattform
: Frankfurter auf Youtube: Das sind die Pläne von Christopher Mietzner und Co.

Angeln, Rappen und Skaten im Rollstuhl – zu den Leuten, die Videos auf Youtube hochladen, gehören auch Frankfurter.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurter (Oder)
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Unter anderem auf dem Oderturm drehte die MOZ das Happy-Video; Oliver Händler aka Skandal1220 rappt; David Lebuser macht Skate-Videos – wie hier auf der Römertreppe – und Christopher Mietzner angelt (von links oben gegen den Uhrzeigersinn).

Collage: MOZ/dpa/Canon Crew Brandenburg/Instagram/OSA

Vor genau 15 Jahren wurde das Videoportal Youtube von drei Informatikern in Kalifornien gegründet. Gibt man „Frankfurt (Oder)“ in die Youtube-Suchmaske ein, kommt als erster Treffer das nach der Oderstadt benannte Lied von Bosse und Anna Loos, mit sechs Millionen Aufrufen. Auch unter den Suchergebnissen: ein Video aus der Stadt von 1991, diverse Aufnahmen von Straßenbahnen, Erinnerungen an die Easy-Diskothek, ein Film von 1979 über die MOZ-Vorgängerzeitung „Neuer Tag“. Unter anderem auf dem Youtube-Kanal der MOZ: „We are happy from Frankfurt (Oder)“ mit über 100 000 Klicks. Nachdem Pharrell Williams das Lied „Happy“ vor sechs Jahren herausgebracht hatte, drehten viele Städte solche Videos.

Wer aktuell nicht in der Suche vorkommt, ist der 34-jährige Frankfurter Christopher Mietzner. Auf seinem Youtube-Kanal „Oderspreeangler“ hatte er bis vor Kurzem 43 000 Abonnenten – bis dieser nach einem Hackerangriff gelöscht wurde (der Stadtbote berichtete).

Am 1. März geht sein neuer Kanal online. Mit erneuten 43 000 Abonnenten rechnet Mietzner allerdings nicht. „Das wird schwer“, sagt er. Bis zu 20 000 Menschen erhofft er sich im ersten Monat, insgesamt könnten es 30 000 bis 35 000 werden, prognostiziert er.

Einen so großen Bekanntheitsgrad zu erlangen, mit Zuschauern aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und sogar aus den USA – obwohl die Videos auf Deutsch waren – dauerte fünf bis sechs Jahre, erzählt der Sporttherapeut, der in der Oderstadt geboren wurde. Vor dem Angriff gab es auf seinem Youtube-Kanal 206 Videos, jede Woche kam ein neues heraus. In diesen zeigte er Angeltechniken, gab Tipps. Auch die Unterhaltung kam nicht zu kurz: In seinen „Missionen“ versuchte er etwa, mit Erdbeeren oder Pilzen Fische zu fangen. Ab März kommen nur noch zwei bis drei Videos im Monat – „aber qualitativ hochwertiger und länger“. Statt einer Viertel Stunde kann so ein Video dann auch mal 45 Minuten dauern.

Über Instagram zu Youtube

Auch auf Youtube zu finden ist der Rollstuhl-Skater und gebürtige Frankfurter David Lebuser. Er fing mit den Videos an, „um der Allgemeinheit zu zeigen, dass gängige Vorurteile nicht stimmen müssen und um die geringe Erwartungshaltung gegenüber Menschen mit Behinderung zu ändern“. Der 33-Jährige ist querschnittsgelähmt. "Dank Youtube konnte ich direkt nach dem Unfall sehen, was möglich ist und auch abseits der gängigen Rollstuhlsportarten nach Aktivitäten suchen“, erzählt er.

Durch die Youtube-Videos des Rollstuhlsportlers Aaron Fotheringham kam David Lebuser auf das Skaten im Rollstuhl, konnte sich selbst wiederum über die Plattform an andere wenden. Die Skateparks in Frankfurt seien nicht besonders geeignet für Rollstuhlfahrer. „Es wird Zeit, dass Frankfurt einen modernen Skatepark bekommt, der den Bedürfnissen verschiedener Rollstuhlsportarten gerecht wird.“ Mittlerweile leben er und seine Verlobte Lisa Schmidt in Hamburg, sie geben WCMX- (Rollstuhl-Motocross) Workshops, Rollstuhltraining, schulen Mitarbeiter beim Thema Teilhabe. 2018 und 2019 war David Lebuser Deutscher Meister im WCMX. Aktuell sind Beide auf Wettkampfreise in den USA, dieses Wochenende auf einer Veranstaltung in Florida.

Ausführlichere Videos lädt das Paar nach wie vor unter dem Namen „sit ‚n‘ skate“ auf Youtube hoch. Allerdings: „Für uns hat sich Instagram inzwischen als bestes Medium herausgetan.“ Weil Beide ohne großen Aufwand auch unterwegs Fotos und Videos posten können. „Zum anderen aber auch, weil es sich besser in sozialen Medien verbreiten lässt.“

Ähnlich sieht das Oliver Händler aus Ziltendorf. Er macht unter dem Namen Skandal1220 Musik. Veröffentlicht er einen neuen Song, postet er auf Instagram einen kurzen Ausschnitt daraus. Die Vollversion gibt es später auf Youtube. „Ich könnte das auch auf Instagram-TV hochladen, aber das bringt mir nicht viel“, sagt der 29-Jährige. Auf Youtube bekäme er mehr Kommentare, Likes, letztlich mehr Reichweite.

Ziel: Kanal weiter ausbauen

Bereits in den Youtube-Anfangszeiten machten er und seine Kumpels Musik, verteilten CDs und MP3-Sticks auf dem Schulhof. Auch damals gab es Youtube-Videos von ihm, auf diese machte er per SMS aufmerksam. Heute übernimmt Instagram diese Aufgabe. Händel findet, Youtube ist trotzdem unheimlich wichtig, um Musikvideos zu verbreiten. "Früher liefen die über Viva und MTV“, sagt er. Eigentlich arbeitet er im EKO, seine Musik – kein Gangsta-Rap, sondern reale Rap-Songs, mit denen er seine Gedanken ausdrückt – ist ein Hobby, das er erst seit September wieder betreibt. Auf Youtube hat er aktuell 194 Abonnenten, sein Ziel bis Ende des Jahres: 5000.

Auch Marion Weis will ihren Youtube-Kanal ausbauen. Vor zwei Jahren, kurz bevor sie aus ihrem Lehrerjob in Rente ging, machte sie sich sich mit der Mediaproduktionsfirma Blickbewusst selbstständig. Die 68-Jährige, die einst visuelle Kommunikation studiert hatte, dreht Mitschnitte, Porträts, Beiträge und Trailer in Frankfurt, in ländlichen Bereichen Brandenburgs, aber auch in Berlin. Youtube hatte sie anfangs unterschätzt, räumt sie ein. „Ich habe aber gemerkt, wie wichtig es ist, sich darzustellen“, sagt die Booßenerin.