Den Oberbürgermeister hat sie schon angeschrieben, außerdem Martin Patzelt (CDU) und Thomas Nord (Die Linke). Christina Klingler ist die erste Jugendbotschafterin der Lobby- und Kampagnenorganisation One in Frankfurt. In Berlin beispielsweise gibt es über zehn junge Menschen, die dieses Ehrenamt übernommen haben. „Wir hoffen auf Nachwuchs in Frankfurt“, sagt die 26-Jährige, die seit anderthalb Jahren an der Viadrina Recht und Politik studiert. Im Frühjahr wird sie ihr Bachelorstudium abschließen.
„Wir setzen uns für das Ende der extremen Armut ein“, erklärt sie, was es mit One auf sich hat. 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) will Deutschland eigentlich für Entwicklungszusammenarbeit ausgeben. „Das wurde nur einmal erreicht, 2015“, sagt die Studentin und nennt als Vergleichswert die 2 Prozent, auf die der Rüstungsanteil am BIP in den kommenden Jahren steigen soll. „Für mich völlig unverständlich.“
Und was haben solche Themen mit Frankfurt zu tun? „In den Kampagnen wollen wir auch Lokalpolitiker auf solche Themen aufmerksam machen“, erklärt sie. Ziel sei es, sich mit ihnen zusammenzusetzen, über One und die Ziele der Organisation zu reden und sie vielleicht sogar als Unterstützer zu gewinnen. Insgesamt gibt es davon weltweit 9 Millionen, darunter auch Prominente wie U2-Sänger Bono und Schauspieler Jan Josef Liefers. „Ich habe den OB angeschrieben. Mal schauen, ob was zurückkommt“, sagt Christina Klingler hoffnungsvoll.
Jeder spüre natürlich unmittelbar erst einmal seine eigenen Probleme. „Aber wir haben eine so globale Welt, uns betrifft alles“, sagt die 26-Jährige. Sie trinkt einen Schluck Kaffee und nimmt die Bohnen als Beispiel: Je nachdem, wie nachhaltig sie verkauft werden, können sie den Kindern der Kaffeebauern zum Beispiel den Schulbesuch ermöglichen. „Wir müssen uns mal vorstellen, wie viel das in einem Menschenleben verändern kann.“ Man sollte dankbar dafür sein, mit welch „großem Vorsprung wir aufgewachsen sind“.
Die Freiwilligen von One sammeln Stimmen und Unterschriften von Bundespolitkern für verschiedene Petitionen. Generell seien nicht nur Politiker wichtig und es zähle jede Stimme, sagt Christina Klingler. „Aber es ist auch wichtig, dass Lokalpolitiker unterschreiben, weil sie die Themen viel besser vorantreiben können.“ Sie tragen diese dann nach außen, sagt sie und preist gleichzeitig an: „Wir sind eine junge, dynamische Organisation.“
Mit einem Info-Team war Klingler, die gebürtig aus einem kleinen Ort bei Mainz stammt, vergangenen September auf dem Lollapalooza-Festival in Berlin. Sie könnte sich, als Frankfurt-Jugendbotschafterin, aber auch gut vorstellen, den Besuchern des Helene Beach Festivals die Organisation näherzubringen. Beim Lollapalooza etwa erklärten sie und die anderen Aktiven die One-Kampagne „Armut ist sexistisch“. Klingler erklärt: „130 Millionen Frauen und Mädchen weltweit haben keinen Zugang zu Bildung.“ Beim Lollapalooza führte das One-Team ein Quiz zu sexistischen Gesetzen durch. Ein Punkt drehte sich etwa darum, dass russische Frauen keine Züge steuern dürfen. Woanders dürfen Mädchen nicht zur Schule gehen. Solche Themen sollten auf die weltweite Agenda kommen, findet sie. „Wichtig ist, zu betonen: Wir machen keine Projektarbeit.“ Statt Spendengelder in arme Regionen zu stecken, ist das Ziel, die Politik zum Umdenken zu bewegen.
60 One-Jugendbotschafter gibt es deutschlandweit – Ostdeutschland ist dabei jedoch relativ dünn abgedeckt, erzählt sie. „Hier Kontakte aufzubauen ist schwer, aber eben auch sehr lohnenswert.“ Seit Ende Mai des vergangenen Jahres ist sie „im Amt“, das die Jugendbotschafter für jeweils ein Jahr bekleiden. Die Studentin wird noch ein zweites dranhängen. Generell will One in Brandenburg aktiver werden. „Das kann ich jedem jungen Menschen empfehlen, der sich für solche Themen interessiert. Es macht halt wirklich Spaß“
Wer politikinteressiert und zwischen 18 und 34 Jahre alt ist, kann sich noch bis Sonntag, 6. Januar, unter http://bit.ly/2A8m2tr als Jugendbotschafter bewerben.