Kita Hans und Hanka: Puppengeschenk zum Abschied

Sagt Auf Wiedersehen: Gaby Mucker verabschiedet sich von den Kindern der Kita Hans und Hanka und schenkt ihnen Puppen in verschiedenen Hautfarben.
Heinz KöhlerMehrmals drohte das Aus
Als Gabriele Mucker 1994 zu Hans und Hanka kam, war das Haus schon seit DDR–Zeiten ein deutsch–polnisches Vorzeigeprojekt. Doch nun war der Standort gefährdet, die Kinderzahlen drastisch zurückgegangen. Sozialdezernent Christian Gehlsen wollte an der Bergstraße zeigen, wie Hortkinder in Kitas integriert werden können. Und die damals noch an der Beckmannstraße tätige Hortleiterin Gaby Mucker sollte das umsetzen. 120 Hortkinder aus Schulen an der Beckmann– und Richtstraße zogen ein, Räume wurden hergerichtet und das Haus war mit 194 Kindern vom Kleinstkind bis zum Sechstklässler proppenvoll. Der Umbruch gelang, war aber nach wenigen Jahren schon nicht mehr gewollt. Hortkinder sollten wieder in die Schulen und die Stadt wollte keine kommunalen Kitas mehr betreiben. Freie Träger sollten das übernehmen. Der nächste Umbruch stand für Gaby Mucker und ihre Kollegen an. Doch so viele freie Träger standen nicht auf der Matte. Gemeinsam mit einer Kollegin gründete Gaby Mucker die Kinderwelt g GmbH. Ein mutiges Unterfangen, vor dem noch heute Fachleute den Hut ziehen.
Es hat sich gelohnt, sieben Kindereinrichtungen wurden der Gesellschaft übertragen, die inzwischen mit mehr als 1000 betreuten Kindern zweitgrößter Kita–Träger in der Stadt ist. Ruhe zog trotzdem nicht ein. Wieder war von Schließung die Rede, weil die Kinderzahlen nicht reichten. Doch wie eine Löwin kämpfte Gaby Mucker und an ihrer Seite Kollegen und Eltern der Kinder, schrieben zum Beispiel an den Petitionsausschuss im Landtag.
2005 war Hans und Hanka gerettet, für einen Teil des Hauses wurden andere Nutzer, vor allem das Eltern–Kind–Zentrum Nord gefunden. Und in der Kita werden stabil 155 Krippen– und Kindergartenkinder betreut, neben vielen deutschen auch 35 aus polnischen und 25 aus Flüchtlingsfamilien, insgesamt aus elf Nationen. Und das funktioniert, sagt die Kita–Leiterin. Ganz selbstverständlich zeigen die Uhren im Speiseraum die Uhrzeit in Berlin, Moskau, Damaskus und New York an. Gemeinsam werden viele Feste gefeiert, in die unterschiedliche Traditionen aus den Herkunftsländern der Kinder und ihrer Familien eingebunden werden. Bei Wandertagen herrscht fröhliches Sprachgewimmel. Auf der Eisbahn in Słubice toben Tom, Karolina, Ali und Nouri nebeneinander auf Kufen übers Eis. „Wir helfen bei der sprachlichen Entwicklung von Kindern und Eltern, bilden Elternberater und –begleiter aus, nehmen an dem neuen Bundesprojekt Kita im Kiez teil“, zählt Gaby Mucker auf.
Was die scheidende Kita–Leiterin aber vor allem freut: Das Haus ist komplett modernisiert. „Seit 2009 waren wir quasi Großbaustelle. Mit Fördermitteln von Bund und Land sowie Eigenmitteln des Trägers wurde immer wieder umgebaut und saniert, entstanden zum Beispiel kindgerechte Bäder. Das letzte noch aus DDR–Zeiten stammende Bad ist gerade erst umgebaut worden. Einige Hunderttausend Euro stecken inzwischen in diesem Haus“, ist Gaby Mucker stolz.
Und nun? Ist sie mit 63 schon müde, dass sie nun aufhört? „Nein, auch nach 43 Jahren, mit Kindern würde ich noch Jahre weiter arbeiten“, sagt die kleine, lebhafte Frau, die mitunter wie ein Wirbelwind durchs Haus fegt und deren Lachen ansteckend ist. Sie findet es schön, dass Eltern bei der Wahl der Kita inzwischen mehr auf Qualität achten. „Nicht der kürzeste Weg entscheidet“, ist sie überzeugt.
Trotzdem ist nun Schluss. Die überbordende Bürokratie und andere Dinge ärgern sie, über die sie lieber nicht reden will. Und wer sie kennt, weiß, Gaby Mucker hört zwar als Kita–Leiterin auf, wird bald mit Freunden auf große Fahrradtour von Passau nach Budapest gehen, zum Audicup nach Bayern und zum Biathlon nach Oberhof fahren, aber das Arbeiten für und mit Kindern, das kann sie gar nicht total aufgeben. Irgendwo wird man in der Stadt wieder auf sie treffen, ehrenamtlich, aber genauso engagiert, kämpferisch und fröhlich wie in ihrer beruflichen Zeit.