Kleist-Festtage: Dimitrij Sacharows Sandtheater im Kleist-Forum

Alla Denisova ist Sandartistin bei Sacharow-Entertainment. Zehn Jahre hat sie mit Sandmalerei verbracht, um ihre Kunst zu perfektionieren.
Sacharow-EntertainmentHerr Sacharow, wie versuchen Sie dieses alte Werk von Fontane umzusetzen?
„Effi Briest“ ist vor allem als philosophisches Thema interessant, wegen der Motive Liebe und Verrat, Zwangsheirat und Freiheit. Wir werden nicht den Roman nacherzählen, sondern dieses Thema in den Werken verschiedener anderer Künstler wiederfinden, bei Van Gogh, Dalí und Picasso zum Beispiel. Wir stellen die Beziehung zwischen Mann und Frau als ein Grundmotiv der Maler dar. Man sieht Van Gogh mit einer Dame, dann erscheinen seine Sonnenblumen und die Frau als ein Stern. Die Schlüsselmomente sind Sehnsucht nach Liebe und Enttäuschung, existenzielle Fragen, die sich jeder Mensch zu jeder Zeit irgendwann stellt.
Wie kann man sich die Kunst des Sandtheaters eigentlich vorstellen?
Auf der Bühne steht ein beleuchteter Tisch mit Sand darauf, dahinter die Künstlerin, in dem Fall Alla Denisova. Sie malt Bilder in den Sand, die von oben live gefilmt und an die Wand projiziert werden.
Seit wann gibt es die Sandmalerei?
Das Genre des Sandtheaters existiert seit ungefähr zehn Jahren und bekam einen Schub, als 2010 eine Künstlerin im Finale der Fernsehshow „Das Supertalent“ in Kiew damit aufgetreten ist. Ich habe Lust darauf bekommen und erst mal Kurzgeschichten als Sandtheater inszeniert, dann kamen abendfüllende Aufträge aus Hamburg, München und Berlin. Mit meinem Unternehmen „Sacharow Entertainment“ waren wir in Deutschland die Pioniere des Sandtheaters.
Zu der Aufführung werden Aydar Gaynullin am Knopfakkordeon und das Euphoria Orcheter spielen. Welche Rolle spielt die Musik beim Sandtheater?
Erstmal ist die Möglichkeit, mit einem Live-Orchester aufzutreten, großartig. Bei so einem Stück entsteht ganz viele Energie, die des Publikums trifft auf die der Musik, und dann kommt es zu einer Katharsis. Die Wirkung ist bei Live-Musik einfach noch gewaltiger und emotionaler. Zu „Effi Briest“ werden wir unter anderem „Oblivion“ von Astor Piazzola spielen, weil das auch eine Liebesgeschichte ist, die Sehnsucht und Leidenschaft transportiert. Die Musik muss das Thema auf jeden Fall widerspiegeln.
Sie leiten inzwischen drei Sandtheater in Berlin, Dresden und Leipzig und haben ein Repertoire an Geschichten. Wie kommen Sie als Regisseur und Produzent auf Ihre Ideen?
Ich bin kein Regisseur, der sich selbst verwirklichen will, sondern ich will für das Publikum arbeiten. Für Dresden und Leipzig haben wir zum Beispiel die Geschichten der Städte nacherzählt. Ansonsten suche ich mir tiefgründige Weltliteratur und -musik, in der es um Dinge geht, die jeder Mensch nachempfinden kann. Die Menschen brauchen Emotionen, schöne Emotionen, aber sie sollen auch darüber nachdenken müssen. Effi Briests Geschichte hat zwar schlecht geendet, aber die Message ist, dass man nie den Mut verlieren darf, sein Leben zu verändern und Frieden zu schließen.
Sie sind mit dem Sandtheater schon öfter in Frankfurt aufgetreten. Wie haben Sie das Publikum hier erlebt?
Das Publikum ist phantastisch! Es gab genau die Reaktion, die ich erwartet hätte. Die Leute hier sind sehr kulturaffin und ich glaube, wir haben sie mit dieser Kunstform begeistert. Wenn die Menschen so richtig in das Stück eintauchen, ist das fast meditativ. Jeder nimmt etwas anderes von der Geschichte mit nach Hause. Dann habe ich mein Ziel erreicht: Die Energie fließt. Das wird sehenswert!