Die sechs Darstellerinnen und Darsteller, keine Laien-Schauspieler, sondern "Experten des Alltags", sagt Regisseur Hannes Langer, haben sich ein halbes Jahr in Workshops und Proben auf die Aufführung vorbereitet. Sie alle sind Studierende der Viadrina, die am Zustand der Welt zweifeln, etwas verändern wollen, sich damit aber auch überfordert fühlen. Der Titel "We are Revolution" ("Wir sind Revolution") sei daher mit einem Fragezeichen zu versehen, sagt Jonas Schulz, der bei Fridays for Future aktiv ist. Katharina Zeyse engagiert sich bei der SPD, Lynn Valerie Stehling lebt vegan. "Wir sind Stimmen, die momentan laut werden", sagt Celina Marie Sheibels.
Verbesserungswürdiger Zustand
Die sechs Studierenden seien exemplarisch für eine Generation junger Frankfurterinnen und Frankfurter, die sich mobilisieren. "Fridays for Future schwappt von Berlin nach Frankfurt wie 1989 die friedliche Revolution aus Leipzig", sagt Langer. Die Bürgerbühne solle kein literarisches Werk, sondern die Lebens- und Alltagswelt realer Menschen aus Frankfurt darstellen. "Ich beobachte, dass sich hier etwas tut wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Das Erstarken der Rechten, die Uneinigkeit von Nationen und der Klimawandel rücken ins Bewusstsein der jungen Menschen, allerdings nicht als ein konkretes politisches Ereignis, sondern als ein Zustand, der veränderungsbedürftig ist."
Langer ist in Frankfurt aufgewachsen und hat die Konfrontation mit politisch Andersdenkenden in der Oderstadt als sehr präsent erlebt. Viele Menschen würden zum Beispiel die AfD wählen, weil sie sich selbst vernachlässigt fühlen. Das Motto der Bürgerbühne in dieser Spielzeit lautet daher "Revolution und Liebe", denn die Feindschaft zwischen radikal linken und rechten Positionen könne keine positive Veränderung hervorbringen. "Die Kunst liegt darin, den Zwiespalt auszuhalten, schwierige Situationen zu akzeptieren", meint Langer.
Dazu gehöre auch die Ohnmacht, selbst in Gegensätzen gefangen, einer Flut an Informationen ausgesetzt zu sein sowie dem Anspruch an Selbstoptimierung und Selbstdarstellung in sozialen Medien. "Viele gehen zu einer Demonstration mit dem Gedanken, dass sie als Einzelne, vielleicht nicht einmal als Masse etwas ändern könnten – und teilen erst einmal ein Demo-Foto im Netz", sagt Langer. "Die Bürgerbühne ist ein Raum zur Reflexion und Diskussion", sagt Schulz. Sie kann und soll jedoch keine abschließende Lösung für die Sinnfragen der Studierenden präsentieren, sondern gibt die Fragen an das Publikum weiter.
Die Premiere findet am Dienstag, den 14. Januar, statt; die weiteren Aufführungen am 16., 18., 20. Januar; 4. und 6. Februar, jeweils um 19.30 Uhr in der Studiobühne des Kleist Forums. Der Eintritt ist frei.