Klinikum: Patienten der PIA in Frankfurt demonstrieren für Ergotherapie

Demonstration in der Briesener Straße in Frankfurt (Oder) für den Erhalt des ergotherapeutischen Gruppenangebotes an der Psychiatrischen Institutsambulanz des Klinikums; ganz vorn steht Ilona Schulz.
Thomas GutkeAm vorigen Mittwoch meldete auch Ilona Schulz eine Demonstration an. Mit mehreren Mitstreitern versammelte sie sich in der Briesener Straße. Sie ist Patientin der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) des Klinikums am Standort Heilbronner Straße und wird dort seit mehreren Jahren behandelt – unter anderem mit ambulanter Ergotherapie in einer Gruppe mit anderen.
Mitte Mai wurde ihr und weiteren Patienten mitgeteilt, dass es das Angebot angeblich nicht mehr geben soll. „Von jetzt auf gleich. Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Ilona Schulz. In der Therapie werde beispielsweise gezeichnet oder mit Ton gearbeitet. Mindestens genauso wichtig jedoch sei, über die gemeinsame Tätigkeit miteinander ins Gespräch zu kommen. „Es ist wie eine Gruppentherapie. Aus jedem Besuch schöpfen die Teilnehmer neue Kraft für die Woche.“
Sie und weitere Betroffene verfassten deshalb einen offenen Brief an das Klinikum. Sie sammelten Unterschriften und stellten eine Demonstration mit rund einem Dutzend Teilnehmern auf die Beine. Auf die Ergotherapie wollen sie nicht verzichten.
Im Klinikum indes reagierte man mit Erstaunen auf die Proteste. „Die ambulante Ergotherapie in der Psychiatrischen Institutsambulanz des Klinikums in der Heilbronner Straße wurde nicht eingestellt“, erklärt Sprecherin Kati Brand. Es sei nicht nachvollziehbar, wie es zu der fälschlichen Behauptung gekommen sei, die Kommunikation werde nun klinikintern aufgearbeitet. Tatsächlich habe es aufgrund der Corona–Krise in allen Bereichen des Klinikums in den letzten Wochen organisatorische Veränderungen gegeben, auch im Therapiebereich. In diesem speziellen Fall mussten die Gruppen verkleinert und deshalb neu sortiert werden. Die Umstellungen hätten dazu geführt, dass die Therapie für einige Tage pausieren musste. Aber „eine Einstellung der Ergotherapie sollte nie erfolgen“, so Kati Brand. Das Klinikum bedauere die Missverständnisse.
PIA–Patienten erhalten eine komplexe Behandlung, erklärt Kati Brand. Diese reiche von der Befunderhebung und Diagnostik über Psychopharmakatherapie bis hin zur sozialtherapeutischen Behandlung. „Der Einsatz von Ergotherapie im Rahmen der Komplexleistung einer PIA ist eine freiwillige zusätzliche Leistung, die wir unseren Patienten anbieten und an der wir festhalten wollen“, stellt die Sprecherin klar, denn diese sei eine wichtige Ergänzung. Seit Dienstag, 2. Juni, erhalten alle Patienten wieder wie gewohnt einmal wöchentlich Ergotherapie. Aufgrund der Corona–Regelungen könnten derzeit zwar keine neuen Patienten aufgenommen werden. Doch an der „inhaltlich sinnvollen und wichtigen ambulanten Therapieform“ solle auch künftig festgehalten werden, versichert Kati Brand.
Erleichterung bei Patienten
Ilona Schulz reagierte erleichtert auf die Klarstellung. „Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Und nicht nur mir“. Es sei trotzdem wichtig gewesen, auf die Straße zu gehen, findet sie. Denn die Verunsicherung war groß. Außerdem verstehe sie die Demonstration auch als Wertschätzung für „die wertvolle Arbeit der PIA und der ambulanten Ergotherapie“. Die Behandlung ermögliche den Patienten, von denen viele beispielsweise unter Depressionen litten, mehr Teilhabe am Leben.
