Krisenfall in Słubice
: Tausende ohne Trinkwasser – Frankfurt (Oder) leistet Nothilfe

In ganz Słubice ist das Trinkwasser aktuell nicht mehr nutzbar. Grund sind Verunreinigungen. Ein Krisenstab wurde einberufen. Frankfurt (Oder) leistet Nothilfe.
Von
Thomas Gutke,
Leonard Palm,
Lisa Larossa
Słubice
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Auf Trinkwasser aus dem Hahn müssen die Menschen in Słubice seit Donnerstagnachmittag (18.7.) verzichten. Es wurden Verunreinigungen gefunden, das Wasser ist nicht trinkbar. Die FWA aus Frankfurt (Oder) leistete Hilfe

Auf Trinkwasser aus dem Hahn müssen die Menschen in Słubice seit Donnerstagnachmittag (18.7.) verzichten. Es wurden Verunreinigungen gefunden, das Wasser ist nicht trinkbar. Die FWA aus Frankfurt (Oder) leistete Hilfe

Leonard Palm

Mehr als 20.000 Einwohner von Słubice haben derzeit kein Trinkwasser aus der Leitung. Darüber informierte die Stadtverwaltung der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder) am frühen Abend.

Demnach sei die Stadt am Nachmittag vom staatlichen Bezirkssanitärinspektor in Słubice darüber unterrichtet worden, dass das über das öffentliche Wasserversorgungssystem gelieferte Wasser in Słubice, Kunowice, Nowy Lubusz, Kolonia Nowy Lubusz und Pławidło nicht zum Verzehr geeignet ist. Es könne nur für Toilettenspülungen und Reinigungsarbeiten verwendet werden, auch zum Duschen ist es nicht geeignet. Der Grund: In entnommenen Wasserproben seien Coli-Bakterien und fäkale Enterokokken gefunden worden.

Krisenstab tagt in Słubice nach Schaden im Wassernetz

Nach Angabe des Nachrichten-Portals Nasze Słubice sei das Wasser- und Abwasserwerk Słubice dabei, den Schaden im Netz zu beheben und gleichzeitig weitere Wassertests durchzuführen.

Die Stadtverwaltung berief einen Krisenstab ein und veranlasste, dass Tanks mit abgekochtem Wasser aufgestellt werden, die für den Verbrauch geeignet sind. Wie lange Słubice von der regulären Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein wird, war am Abend noch unklar. In ersten Meldungen war von Freitag oder Sonnabend die Rede.

Bereitschaft der FWA befüllt Versorgungsfahrzeuge mit Wasser

Auch Frankfurt (Oder) leistet aktuell Nachbarschaftshilfe. Wie Oberbürgermeister René Wilke informierte, befülle die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) über ihre Bereitschaft Trinkwasserversorgungsfahrzeuge und fahre die Wassertanks in Abstimmung mit dem Krisenstab nach Słubice. Auf Fotos der Gemeinde Słubice ist zu sehen, wie FWA-Geschäftsführer Gerd Weber an einem der Tankfahrzeuge mit Słubices Vize-Bürgermeister Tomasz Stefański spricht.

An mehreren Stellen seien die Fahrzeuge bereits angekommen, informierte die Gemeinde. Frankfurt habe schnell reagiert, nachdem Bürgermeisterin Marzena Słodownik dem Frankfurter OB von der Wasserproblematik erzählt hatte. „Die Reaktion kam sofort, wofür wir herzlich danken“, heißt es auf der Facebookseite der Gemeinde.

„Es handelt sich um eine Nothilfe. Denn in vielen Geschäften ist das Wasser wohl schon ausverkauft“, berichtete OB Wilke. Ganz so dramatisch zeigte sich die Lage zumindest im Supermarkt Intermarché nicht. Eine Kunde lud sich mehrere Sechserpacks Wasser in den Einkaufskorb, ansonsten verhielt sich die Kundschaft entspannt. Viele Paletten und Regale mit Wasserflaschen waren am Abend zwar leerer, aber nicht komplett leergekauft. An anderer Stelle schleppte ein polnisches Ehepaar knapp ein Dutzend Fünf-Liter-Kanister Wasser aus dem Kofferraum. In Restaurants wollte man sich zur Thematik nicht äußern.

Einige Bewohner Slubices bevorraten sich mit Wasser, am Abend gab es aber auch noch genügend Flaschen zu kaufen.

Einige Bewohner Słubices bevorraten sich mit Wasser, am Abend gab es aber auch noch genügend Flaschen zu kaufen.

Leonard Palm

Die Polizei machte in Słubice Durchsagen, auch Feuerwehrleute sollten unterwegs sein, um die Einwohnerinnen und Einwohner zu informieren. Der Słubicer Wasserversorger ZUWŚ informierte am Abend über den Wasserversorgungsplan. Demnach werde noch am selben Tag das Kreiskrankenhaus mit Wasser versorgt, außerdem verschiedene weitere Stellen in Słubice und einzelne Dörfer in der Gemeinde. „Wir bitten um Geduld“, hieß es, denn das Wasser müsse zunächst einmal aus Entnahmestellen transportiert werden, die „alle mikrobiologischen Anforderungen erfüllen“, zum Beispiel andere Städte.