Irgendwann sah er wieder etwas Licht am Ende des Tunnels. "Ich organisierte mich neu, gab nicht auf", sagt der freischaffende Musiker,  der sein Brot mit Unterrichtsstunden an der Kleist-Musikschule verdiente – und verdient. Mit seiner Gitarre gibt er nun am Computer Online-Musikunterricht. Mit dieser "Grundfinanzierung" konnte er zumindest die Miete zahlen. Soforthilfe habe er beantragt, bekomme sie aber – ohne Büro oder Betriebsstätte – als Solo-Selbstständiger bisher nicht. Nun hofft er auf eine Einmalzahlung der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) von 1000 bis 5000 Euro. "Mein finanzielles Polster ist weg", erläutert Strauch. Wenn in normalen Zeiten alles gut laufe, könne er sich einen Monat Ausfall erlauben, etwa durch Krankheit. Jetzt sei es der dritte Monat ohne Gagen.
In Gesprächen mit Frankfurter Kultureinrichtungen der Freien Szene konnte ermittelt werden, so die  Pressestelle der Stadt, dass die zentralen Hilfsangebote von Bund und Land – wie Grundsicherung, Soforthilfe und Kurzarbeit – von einem Großteil der Akteure in Anspruch genommen werden. So seien beispielsweise Angestellte der Messe und Veranstaltungs GmbH seit dem 20. April in Kurzarbeit. "Ebenso wird die kommunale Einzelprojektförderung als Instrument gut genutzt", sagt die städtische Pressereferentin Kora Kutschbach.  Auch Mietstundungen seien bereits von Einrichtungen beantragt worden.
Doch gerade für Solo-Selbständige  – wie den Musiker Strauch  – scheint es schwer, ausreichend Hilfen zu erhalten. "Es gibt keine Unterstützung für den Lebensunterhalt der Solo-Selbstständigen aus den Soforthilfe-Programmen von Bund oder Land," erklärt Norma Groß, Pressesprecherin der IHK Ostbrandenburg. Das hätten die Verhandlungen zwischen Bundes- und Landesregierung sowie eine Sitzung des Brandenburger Wirtschaftsausschusses Ende April ergeben. Es sei "beschämend",  aber Solo-Selbstständigen bleibe nur noch, schnell einen Antrag auf Arbeitslosengeld II – Hartz IV – zu stellen, so IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke.
So meldete sich auch Strauch für Grundsicherung beim Jobcenter. "Ich bin seit elf Jahren selbstständig. Das war eine Überwindung", erzählt er. Zum Glück habe er ein soziales Netzwerk, das funktioniere. Die Kulturmanufaktur Gerstenberg, die er zusammen mit zwei anderen Frankfurtern betreibt, bot nun wochenlang Konzerte an, die die Zuschauer über einen Livestream mitverfolgen konnten.  Sonnabends traten DJs, ein Klassik-Duo, Folk-Musiker sowie ein Pianist aus der Nachbarschaft auf. "Zur Unterstützung konnten uns die Zuschauer im Netz etwas spenden", sagt Strauch.

Gegen Online-Unterricht

"Bei mir hat sich durch die Corona-Krise nicht viel geändert", meint Günter Neubauer von Knobelsdorff. Der Maler aus Rosengarten verkauft zwar zurzeit seine Bilder nicht. Aber da sein Atelier im eigenen Haus ist, muss er dafür keine Miete zahlen. "Ich lebe von meinem eigenen Polster", sagt der Maler. Jeden Morgen geht er mit seinen Hausschuhen zum "Arbeitsplatz", um dort mit Öl- und Aquarellfarben zu malen. "Die Farben sind das einzige, was ich gehamstert habe", so von Knobelsdorff. Von Online-Unterricht hält der Künstler nichts, deswegen pausiere seine Malschule bis Herbst. "Leinwand und Farben sind etwas Sinnliches, nichts für den Bildschirm."
Innovativ zeigte sich der Pianist Sören Gundermann. Um den Kontakt beim Verkauf seines neuen Albums "Europe Variations" zu vermeiden, ließ er die CDs in einem Korb am Seil aus seinem Fenster zu den Käufern herab. Diese nahmen die CD heraus und legten Geld hinein. "Mein Erspartes reichte bis jetzt aus. Ich kann mich in Ruhe meinen Kompositionen widmen", so der Pianist.