Kurs
: Unterstützung für pflegende Angehörige

„Es wird zu wenig geredet“, sagt Pflegefachkraft Anke Knott vom Lutherstift zum Thema Pflege zu Hause.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Pflegefachkraft Anke Knott demonstriert an einem Pflegebett – hier mit Manuela Netzker – wie Pflegebedürftige betreut werden. Wer bei der Anmeldung schon konkrete Fragen hat, für den können am Sonnabend entsprechende Hilfsmittel vorgestellt werden.

René Matschkowiak

Pflege – das ist in vielen Familien ein Tabuthema. Davon kann Anke Knott wahrlich ein Lied singen. Die Pflegefachkraft und Beauftragte für das Projekt Pfiff (Pflege in Familien fördern) bietet am Lutherstift Kurse für pflegende Angehörige an. Und merkt immer wieder: Fragen wie „Was wünscht ihr euch beim Thema Pflege?“ stellen viele ihren Angehörigen nicht. "Wir merken immer wieder, dass zu wenig miteinander geredet wird“, erzählt sie und rät, genau das aber zu tun, wenn es allen noch gut geht – nicht erst, wenn die Krise da ist. Auch Gespräche über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung in der Familie empfiehlt sie. „Verunglücken kann man in jedem Alter.“

Handwerkszeug wird vermittelt

Wer sich dazu entscheidet, Ehepartner oder Eltern selbst zu Hause zu pflegen, bekommt in den alle zwei Monate stattfindenden Pfiff-Kursen das erste Handwerkszeug vermittelt: Welche Hilfsmittel gibt es? Welche Größe der Windelhosen ist die richtige und wie ziehe ich diese an? Auf welche Veränderungen der Haut muss ich achten? Wie hebe ich jemanden aus dem Bett in den Rollstuhl? Wie unterstütze ich ihn bei der täglichen Hygiene? „Mittlerweile kommen auch viele, um sich überhaupt erst mal mit dem Thema zu beschäftigen, sozusagen prophylaktisch“, erzählt Anke Knott. 2013 hat die AOK das Projekt entwickelt und das Lutherstift als Partner ins Boot geholt.

„Ich beschönige die Dinge nicht, sondern erkläre den Teilnehmern, was auf sie zukommt“, sagt die Pflegefachkraft ganz offen. Bei vielen bestehe der Wunsch, zu Hause gepflegt zu werden. „Aber der Pflegende sollte sich bewusst sein, dass das natürlich eine Herausforderung ist, und sich mental und körperlich dazu in der Lage fühlen.“ Ab Pflegegrad 1 könne man alternativ Tagespflege in Anspruch nehmen. Außerdem bestehe die Möglichkeit, sich Hilfe nach Hause zu holen, etwa in Form der Hauskrankenpflege, die bis zu viermal täglich kommt. Auch bei den Themen Verbandswechsel oder Medikamentengabe können sich selbst pflegende Angehörige fachliche Unterstützung holen.

Den pflegenden Angehörigen gibt sie den Tipp, auf die eigene Gesundheit zu achten und alle Tätigkeiten rückenschonend durchzuführen. „Viele haben in den Kursen gesehen, wie einfach das geht“, sagt sie. Hilfsmittel wie Inkontinenzmaterial und Gehhilfen müssten meist auch nicht selbst bezahlt werden, sondern werden vom Arzt verordnet. Wichtig sei außerdem, sich zu vernetzen, etwa durch Selbsthilfegruppen (z.B. im Haus der Begegnung, Klabundstraße 10). "Das ist gut, um auch mal aus der Situation rauszukommen, einen Austausch zu haben und sich zum Beispiel über finanzielle Hilfen zu informieren“, beschreibt Knott.

Überforderung eingestehen

Manchmal stoßen pflegende Angehörige auch an ihre Grenzen, sind überfordert, haben gerade deshalb ein schlechtes Gewissen. „Das ist aber nicht schlimm“, betont Peter Heyse, für Öffentlichkeitsarbeit im Lutherstift zuständig. Er spricht ein weiteres Tabuthema an: Gewalt in der Pflege aus Überforderung heraus, oft entstehend aus einem falsch verstandenen Pflichtbewusstsein. Bevor es soweit komme, solle man sich als Pflegender eingestehen, dass man Hilfe benötigt. Viele wollen außerdem nicht selbst pflegen, weil sie mit ihren Eltern lieber schöne Zeiten verbringen und die Pflege einem Profi, der eine gewisse Distanz hat, überlassen wollen. „Auch da muss man sagen: Das muss man innerhalb der Familie klären“, betont er.

Der nächste Kurs für pflegende Angehörige findet diesen Sonnabend, 9 Uhr, im Lutherstift, Heinrich-Hildebrand-Str. 22, statt. Er ist kostenlos und für alle offen, eine Anmeldung ist aber erforderlich, unter Tel.  0335 5542256 oder Email anke.knott@diakonissenhaus.de.

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Wer mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist und von einer privaten Person gepflegt wird, hat Anspruch auf Verhinderungspflege. Ist die pflegende Person selbst krank oder im Urlaub, wird sie bis zu sechs Wochen im Jahr vertreten, es können bis zu 1612 Euro für eine Ersatzpflege gezahlt werden.

Wer für einen begrenzten Zeitraum auf vollstationäre Pflege angewiesen ist (die häusliche Pflege also für eine bestimmte Zeit aussetzen muss oder will), kann außerdem Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Ab dem Pflegegrad 2 gibt es dann für höchstens acht Wochen bis zu 1 612 Euro pro Kalenderjahr für stationäre Pflege.

Beide Leistungen sind übertragbar: Werden die Mittel der Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, können sie komplett auf die Kurzzeitpflege umgelegt werden (dadurch dort 3224 Euro im Jahr). Das halbe Budget der Kurzzeitpflege kann bei Nichtnutzung auf die Verhinderungspflege umgelegt werden (somit 2418 Euro).