Nach Schulschließung
: Am Karl-Liebknecht-Gymnasium Frankfurt (Oder) wird jetzt aus der Distanz unterrichtet

Nach der Schulschließung wegen Corona muss am Karl-Liebknecht-Gymnasium aus der Distanz unterrichtet werden.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Torsten Kleefeld, Schulleiter des Karl-Liebknecht-Gymnasiums in Frankfurt (Oder), im Flur seiner Schule am Tag nach der Schließung, nachdem mehrere Corona-Fälle bekannt wurden.

Lisa Mahlke

Mittwochmittag steht Schulleiter Torsten Kleefeld jedoch allein im gelben Flur. Das Karl-Liebknecht-Gymnasium ist seit dem Vortag für zunächst eine Woche geschlossen. Es gab dort insgesamt drei Corona-Fälle. Einige der etwa 70 Lehrkräfte sind in der Schule, sprechen sich zum Homeschooling ab. Kleefelds Stellvertreter sind dabei, auf der Homepage der Schule jeder Klasse mindestens eine Aufgabe ihrer Kollegen zugänglich zu machen.

Lukas Hoffmann hat ein Blatt vor sich: Zwei Aufgaben im Arbeitsheft und Vokabeln lernen. Seine Englischlehrerin sei immer die erste, die in so einer Situation etwas abschickt, erzählt der 13-Jährige. Im Laufe des Tages kommen weitere Aufgaben hinzu – Mathe, Physik, Geschichte, Chemie. Vater Martin Hampel erwartet auch, dass „die Lehrer so vorbereitet sind, dass sie wenigstens erst einmal einen oder zwei Tage überbrücken können“, sagt er. Torsten Kleefeld sagt dazu, man könne nicht zeitgleich mit der analogen Planung ein gesamtes Schuljahr digital planen und dann „die Schublade für den 18. August öffnen“, um ein digitales Programm zu fahren. Auch er selbst hatte die Notizen für seinen am Dienstag anstehenden Matheunterricht handschriftlich auf ein Blatt geschrieben.

Natürlich, sagt er, könnte man „irgendetwas rausschicken“, Arbeitsblätter aus vergangenen Klassen einscannen – aber es gehe doch darum, die Schüler sinnvoll zu beschäftigen. „Ich werbe dafür, die Situation realistisch einzuschätzen. Keine Schule kann auf Knopfdruck von Präsenzunterricht auf digital umstellen“, sagt der Schulleiter.

In den Sommerferien sei die Lernplattform Moodle „aus dem Dornröschenschlaf“ geweckt worden. Ein paar junge Kollegen hätten eine Grundstruktur hineingebracht, Kurse angelegt. Um die virtuellen Räume betreten zu können, sollten die Schüler unter Einwilligung der Eltern in der ersten Schulwoche ihre E-Mail-Adressen abgeben – einige haben das noch nicht gemacht. Der Oberstufenkoordinator und die Sachbearbeiterin mussten erst einmal Mail-Adressen und Klarnamen zuordnen und sortieren.

Videounterricht, so Kleefeld, sei mit fünf, sechs Menschen möglich, nicht aber mit knapp 30. „Es gibt im Moment keine Cloud, kein Portal, das zeitgleich Unterricht wie im Klassenraum anbietet.“ Welche technischen Probleme es auf Schülerseite dann gibt, könnten die Lehrer außerdem nicht beeinflussen. Über Moodle funktioniere Distanzunterricht dann schon mal deutlich effektiver. Unabhängig von technischen Voraussetzungen müsse man aber auch hinbekommen, „die Inhalte so auf kleine Häppchen zu bringen, dass der Schüler alleine damit klarkommt“.

Mehrmals täglich werde sie Aufgaben und einen Abgabetermin bekommen, erzählt Zehntklässlerin Charlayne Koschützke. Vieles wird sie sich selbst beibringen müssen, „weil wir keinen Lehrer bei uns zu Hause haben“. Gut sei jedoch, dass sie die Aufgaben im Garten und nicht im aufgeheizten Klassenzimmer erledigen kann und nicht mit so vielen Mitschülern in einem Raum sein muss. Lukas, der zwei Jahrgänge unter Charlayne ist, glaubt, dass er mit seiner Englischaufgabe in 20 Minuten durch ist. Matheaufgaben werden wahrscheinlich schwerer zu bearbeiten sein. Mit einem Freund, der besser in Mathe ist, will er sich austauschen. Seine Aufgaben druckt er sich im Jugendinformations- und Medienzentrum des Mikado aus, weil es zu Hause keinen Drucker gibt.

Einscannen oder Fotografieren

Für Textaufgaben könne man ein Textverarbeitungsprogramm auf dem Computer nehmen, sagt Torsten Kleefeld. Für Mathe schlägt er vor, Aufgaben auf einem Blatt Papier zu lösen und entweder einzuscannen oder mit dem Smartphone zu fotografieren. „Ich bitte um Verständnis in der Übergangszeit“, sagt er und wirbt für künftigen Austausch und Weiterbildungen in der Lehrerschaft auch auf regionaler Ebene. Denn: Die Ausbildungszeit der Lehrer liege zwar bei mindestens sechs Jahren. „Aber digitaler Unterricht kommt nicht mal im Ansatz vor.“

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