Nachruf
: Unternehmer mit Herz ist tot

Am Montag starb der Frankfurter Elektromeister Winfried Jahn im 75. Lebensjahr.
Von
Jörg Kotterba
Frankfurt (Oder)
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Winfried Jahn (1945-2019)

Jörg Kotterba

Schon in den 28 Jahren als Industrie– und Elektromeister im Halbleiterwerk  träumte Winfried Jahn davon, eine Werkstatt zu besitzen. Die Mauer fiel. Die Einheit kam. Am 2. August 1990 wurde Jahns Elektro–Firma gegründet, heute in der Otto–Hahn–Straße 22 zu finden. Damals drückte Winfried Jahn in der Handwerkskammer die Schulbank. Verdienter Lohn: Der Titel eines Handwerksmeisters. „Ein Jahr hart knüppeln, dreimal wöchentlich nach Feierabend. Aber ich nahm die neue Zeit — wie damals als jung‘scher Spund erträumt — in die Hand, wollte aus ihr was machen“, erzählte er 2017. Es sei ein schönes Gefühl, nach mehr als 25 Jahren so viel geschafft zu haben. „Ohne meine Erika und Sohn Markus, der sich auch  zum Elektro–Meister qualifizierte und nun in meine Fußstapfen getreten ist, hätte ich das nie erreicht.“

Morgens, kurz vor fünf, stand er fast täglich auf, war oft als erster in der Werkstatt. Und abends war er kaum vor 21 Uhr daheim. Das lag auch daran, weil sich Unternehmer Jahn ins Frankfurter Sportleben einschaltete, im Stadtverordnetensaal einen Stuhl besaß, den „Oderhähnen“ als Vereinschef unter die Arme griff und mit Unternehmern der Stadt das Freizeitzentrum Helenesee in Schwung brachte. Mitrühren, mitmachen, sich um das Wohl der Stadt bemühen — Jahn war fast drei Jahrzehnte dabei.

In Jahns Büro hing lange Zeit ein Spruch. Autor: Winston Churchill:  „Es gibt Leute, die halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne. Nur wenige sehen in ihm ein Pferd, das den Karren zieht.“ — „Da steckt viel Wahrheit drin“, sagte Winfried Jahn vor zwei Jahren mit nachdenklicher Miene. „Wer, wenn nicht wir Unternehmer, können den Karren aus dem Dreck ziehen?“