Ökumene
: Ein Haus Europa im Kleinen

Der Verein Oekumenisches Europa-Centrum Frankfurt organisiert seit 25 Jahren geistigen und geistlichen Austausch.
Von
Ines Weber-Rath
Frankfurt (Oder)
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Im Studien- und Gästehaus des Oekumenischen Europa Centrum im Lienaupark haben Vereinsvorsitzender Christoff Bruckhoff (l.), Pfarrer Justus Werdin (r.), der einzige Hauptberufliche im Team, und Knut Papmahl ihre Büros. Bo Jia (2.v.r.) ist eine von 15 Bewohnern des Gästehauses.

Ines Weber-Rath

Das Haus ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Bo Jia. Die 28-jährige Wirtschaftsstudentin an der Viadrina war aus Berlin nach Frankfurt gependelt – bis sie das Zimmer im Studien- und Gästehaus „Hedwig von Schlesien“ bekam. Hier lebt Bo Jia in einer Wohngemeinschaft mit 14 anderen deutschen und ausländischen Studenten verschiedener Konfessionen. Eben erst haben sich die Mitbewohner, die unter anderem aus Polen, der Ukraine, Großbritannien, Mexiko und China stammen, mit einem Sommerfest in die Semesterferien verabschiedet.

„Die Selbstverwaltung des gemeinsamen Lebens hier funktioniert gut“, sagt Knut Papmahl. Der 70-jährige Frankfurter kümmert sich als Mitglied des Vereins Oekumenisches Europa-Centrum Frankfurt (Oder) ehrenamtlich um die Bewohner des Studienhauses. Das Haus im Grünen, im Lienaupark, oberhalb der einstigen Freilichtbühne, beherbergte zu DDR-Zeiten einen Kindergarten. Das Oekumenische Europa-Centrum hat es im Jahr 2000 von der Stadt übernommen.

„Das Studienhaus war ursprünglich nur als Wohnprojekt für Christen verschiedener Konfession, vorwiegend aus Deutschland und Polen gedacht. Inzwischen haben wir die Form der Ökumene erweitert. Wir hatten auch schon Muslime als Mieter“, sagt Christoph Bruckhoff. Der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Oder-Spree ist der „Vater“ und Gründungsvorsitzende des Oekumenischen Europa-Centrums, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.

Friedenskirche ist das Zentrum

Bruckhoff hatte 1994 die Idee zu dem Verein, in dem Kirchen, die Europauniversität Viadrina und Vertreter der Stadt mit polnischen Partnern den grenzüberschreitenden geistigen und geistlichen Austausch fördern. Damals sei die Stadtverwaltung an die Kirchengemeinde Frankfurt mit der Frage nach einer Nutzungsidee für die Friedenskirche heran getreten. Die Stadt hat die Kirche, ebenso wie die Konzerthalle, für 99 Jahre gepachtet. Seit 1994 nutzt das Oekumenische Europa-Centrum die Friedenskirche als Veranstaltungs- und Vereinszentrum.

„Das deutsch-polnische Zusammenwachsen über die Ökumene war von Anfang an im Mittelpunkt unserer Arbeit“, sagt Christoph Bruckhoff. Dass das ZDF dieses Thema am Weltfriedenstag, dem 1. September, aufgreift und seinen Fernseh-Gottesdienst aus der Frankfurter Friedenskirche sendet, freut ihn.

Während des Gottesdienstes werde eine Viadrina-Studentin mit polnisch-französischen Wurzeln, die im Studienhaus des Vereins gelebt hat, berichten, weiß der Vereinsvorsitzende. „Wenn das sprichwörtliche Haus Europa so funktionieren würde wie in unserem Seminarhaus, wäre das fantastisch“, sagt Bruckhoff.

Er verweist auf die Hausordnung, die das Zusammenleben einschließlich Kochen, Putzen und der Gestaltung von Andachten regelt. Und darauf, dass die Bewohner des Hedwigs-Hauses Mitglieder des Oekumenischen Europa-Centrums sind und helfen sollen, die Ziele des Vereins umzusetzen.

Das heißt, dass sie die Grenzgespräche und deutsch-polnischen Gottesdienste mitgestalten, die ein Markenzeichen des Oekumenischen Europa-Centrums sind, mit auf dem ökumenischen Kreuzweg von Frankfurt nach Slubice wandern, auf Studienreise nach Polen gehen oder das Friedenslicht von Bethlehem auf der Stadtbrücke übergeben.

Vor dem Hintergrund des 25. Vereinsgeburtstages haben die mehr als 50 Mitglieder des Oekumenischen Europa-Centrums (OeC) im Herbst  eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. So können Interessierte am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals, den Turm der Friedenskirche besteigen und sich beim „Bürgerfrühstück“ über den 90. Jahrestag ihrer Namensgebung informieren. Am 4. Oktober gibt es einen deutsch-polnischen Franziskus-Gottesdienst an der Friedensglocke. Am 15. Oktober findet der öffentliche Festgottesdienst zu 25 Jahren OeC in der Friedenskirche statt.

Verein Oekumenisches Europa-Centrum Frankfurt

Gründungsväter und -Mütter waren 1994 die Stadt Frankfurt, die Europa-Universität und der Ökumenische Rat Frankfurt.

Im Kuratorium des Vereins sind alle Bischöfe der evangelischen, katholischen und orthodoxen Diözesen im deutsch-polnischen Grenzgebiet sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft, darunter Frankfurts Oberbürgermeister vertreten.

Im Vorstand arbeitet unter anderem der Pfarrer der katholischen Studierenden-Gemeinde aus Słubice, Rafał Mócny aktiv mit.

Das OeC publiziert jährlich eine zweisprache Broschüre zum ökumenischen Pilgerweg.⇥ir