Sie schrien „Ich denke, ich fühle, ich entscheide“, „Freie Wahl“, „Mein Hintern gehört nicht dem Bischof“, und drastisch: „Das ist Krieg“ („To jest wojna“) - so lautet auch der Slogan der polenweiten Aktion „Frauenstreik“ gegen die weitere Einschränkung von Abtreibung, die der Oberste Gerichtshof am Donnerstag verkündet hatte.

Gericht erklärte Abtreibung schwer geschädigter Föten für verfassungsfeindlich

Knapp 500 wütende, vor allem junge Słubicerinnen und Słubicer schlossen sich ihr am Montagabend an und zogen durch die Stadt und über die Fernstraße, die durch das Zentrum führt. Das Ziel des Marsches und ihrer symbolischen Kriegserklärung: die Kirche St. Marien im Süden, unweit des großen Markts. Denn die katholische Kirche steht der PiS-Regierung nah und agitiert gegen Abtreibung.
Dort hüpften die Demonstrierenden gemeinsam und riefen. „Wer nicht springt, der ist für PiS.“ Die ansonsten gelassen agierende Polizei verstellte vorsichtshalber die Eingangstür der Kirche. In anderen polnischen Städten hatten Demonstrierende am Wochenende auch in Kirchen Gottesdiensten gestört.
Auf Antrag von Abgeordneten der Fraktionen der Regierungspartei PiS und der rechtsradikalen Oppositionspartei „Konfederacja“ hatte der Gerichtshof geprüft, ob die Abtreibung schwer geschädigter Föten gegen die Menschenwürde verstößt. Das Ergebnis des inzwischen mehrheitlich mit konservativen Richtern besetzten Gremiums lautete: Ja. Abtreibung ist damit nur noch möglich bei Vergewaltigung oder wenn das Leben der Frau auf dem Spiel steht. Seither wird in Groß- und Kleinstädten in Polen demonstriert.

Organisatorin: „Zeit der Höflichkeit ist vorbei“

Neben Schülerinnen und Schülern demonstrierten in Słubice auch zahlreiche ältere Frauen und Männer sowie Familien mit kleinen Kindern. Viele Autofahrer hupten zustimmend. Die Aktion bei der Polizei angemeldet hatte am Montag die Słubicerin Wiktoria Górkiewicz. Sie könne die Tortur, die PiS Frauen auferlege, nicht akzeptieren, erklärte sie.
Bürgermeister Mariusz Olejniczak schlug die Einladung der Demonstrierenden ab. Er stehe zwar klar hinter der freien Wahl für Frauen, äußerte aber Bedenken, die Form des Protestes könne zu aggressiv sein – schrieb er in einem Facebook-Post.
„Es ist nicht die Zeit, um sich gegenseitig auszubremsen durch Kritik an Protestformen. Höflich zu bitten, hat nichts gebracht. Wir haben genug Gründe wütend zu sein“, sagte Mewa Topolska, eine der Mit-Organisatorinnen zu Beginn der Demonstration auf dem Platz der Helden (Plac Bohaterów).
Ein erster Protest hatte in Słubice bereits am Freitag stattgefunden. Symbolisch wurden die Frauenrechte beerdigt. Schon am Mittwoch (morgen) um 16.30 Uhr soll auf dem Platz der Helden / Plac Bohaterów die nächste Słubicer Protestaktion im Rahmen des Frauenstreiks stattfinden.