Radsport: Anna Harkowska fährt bei der Para-WM auf das Podest
Die 39-Jährige, die Mitglied des Frankfurter RC 90 ist, gewann im holländischen Apeldoorn in der Einzelverfolgung Silber, wurde jeweils Vierte im Scratch und Omnium sowie Sechste im 500-m-Zeitfahren.
Anna Harkowska, die aufgrund eines unverschuldeten Unfalls 2002 zahlreiche Beinbrüche erlitten hatte und deren linkes Schienbein durch Titan ersetzt wurde, startete erneut in der Klasse C5 (geringste Behinderung). In der Einerverfolgung über 3000 Meter musste sich die WM-Dritte von 2017 nur der Weltrekordhalterin Sarah Storey geschlagen geben. Die 42 Jahre alte Britin bewies ihre Stärke, in dem sie Harkowska vor Ende der Distanz einholte.
Ihr Ziel, auch im Scratch-Wettbewerb über 10 km eine Medaille zu gewinnen, verpasste die Polin diesmal als Vierte: „Ich habe in dieser Disziplin schon zwei Weltmeister-Shirts. Es ist mein Lieblingswettbewerb und er ist sehr spannend, einem Massenstart auf der Straße sehr ähnlich. Der vierte Platz freut mich trotzdem sehr, weil ich hundert Prozent gegeben habe. Ich habe von Beginn an attackiert, aber nach zehn Runden hat mich Sarah Storey überholt und danach zwei weitere Sportlerinnen. Ich kam nicht mehr heran, weil der Scratch auch mein dritter Start an diesem Tag war. Ich bin eine sehr risikoreiche Taktik gefahren, aber das hat mir großen Spaß gemacht, weil ich morgens schon eine Medaille erkämpft hatte“, erzählt Harkowska.
Auf die 500 m war sie ohne große Vorbereitung gegangen, vor allem deshalb, um für die Paralympics notwendige Punkte zu sammeln. Dennoch war sie als Sechste nur eine Sekunde von Platz 3 entfernt. Pech hatten sie und weitere Sportlerinnen, weil die Anzeige für die Zeitmessung nicht funktionierte, die Aktiven ohne entsprechende Information blieben und so ihre Leistungen nicht einschätzen konnten. Einschließlich ihres achten Ranges über 200 Meter beendete Anna Harkowska die Omniumwertung als Vierte.
Vorbereitet hatte sich die ehemalige Schwimmerin auf die Para-WM Bahn dank ihrer Mitgliedschaft beim FRC 90 wie schon bei anderen Höhepunkten in der Frankfurter Oderlandhalle. Seit Oktober trainierte sie zweimal wöchentlich hier, zum Schluss dreimal. Wichtigster Partner war Volker Richter, der als Derny-Fahrer immer wieder als Tempomacher fungierte. „Er hat gemeinsam mit meinem Trainer Marian Kowalski die Strecken und Trainingsintensität geplant. Dies hat mir sehr geholfen und ich hoffe, dass ich vor den nächsten Weltmeisterschaften wieder die Möglichkeit haben, drei- oder viermal pro Woche in der Oderlandhalle trainieren zu können“, erzählt die ausgebildete Sportlerin.
Weitere sportliche Höhepunkte des Jahres sind für die vierfache Olympia-Zweite auf der Straße Starts und Medaillen bei den offenen Straßen-Meisterschaften der Niederlanden und den Para-Weltmeisterschaften Anfang September, ebenfalls in den Niederlanden stattfinden. Schon Anfang Juli will sie bei den Jedermännern an der 40. Internationalen Oderrundfahrt in und rund um Frankfurt (Oder) teilnehmen.
