Radsport
: Im zweiten Jahr bei den jungen Profis

In Kroatien hat für Radsportler Leon Heinschke das Wettkampfjahr begonnen. Der 19-jährige Frankfurter fährt für das Profi-Nachwuchsteam Development Team Sunweb.
Von
Kerstin Bechly
Frankfurt (Oder)
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Zielstrebig und selbstbewusst: Leon Heinschke will bei den Profis weit kommen.

michael benk

Mit zwei Einzelrennen und einer Rundfahrt in Kroatien hat für Straßenradsportler Leon Heinschke in diesen Tagen das Wettkampfjahr begonnen. Der 19-jährige Frankfurter fährt die zweite Saison für das deutsche Profi-Nachwuchsteam Development Team Sunweb.

Leon Heinschke ist der zweite Radsportler des Frankfurter RC 90, der es nach der Wende ins Profilager geschafft hat. Er empfahl sich als Deutscher Junioren-Meister Straße 2017 und als 13. im Einzelzeitfahren bei der Junioren-WM, war Zweiter der bundesweiten-Rangliste der U 19. In seinem letzten Jahr an der Sportschule in Cottbus wurde er in das deutsche Development Team Sunweb, das seinen Sitz in Holland hat, berufen. Nach einem Jahr Erfahrung bleibt der 19-Jährige zurückhaltend: „Die Ergebnisse waren noch nicht so prickelnd, aber die Entwicklung ist entscheidend und da lief es Ende der Saison immer besser,“ beschreibt Heinschke.

Eine Verletzung führte Anfang 2018 gleich zu Trainings- und Wettkampfrückstand. So übernahm er zuerst Helferrollen für seine Teamkollegen wie bei Rundfahrten in Frankreich, um wieder in den Leistungsbereich reinzufinden. Mitte des Jahres konnte er durchstarten und erreichte als Vierter der Deutschen Meisterschaften U 23 im Einzelzeitfahren im Juli sein bestes Ergebnis. Auch seine Teamkollegen Florian Stork (5.) und Max Kanter (2.) waren hier weit vorn platziert. Das Einzelzeitfahren bei der U-23-EM beendete er als 43.

Das Klima im Team gefällt dem Frankfurter. 14 Athleten aus sechs Ländern fahren für Sunwebs Nachwuchs, darunter der Niederländer Nils Eekhoff, der bei mehreren Etappenrennen vorn mitfuhr, und Junioren-Vize-Weltmeister Niklas Märkl aus Deutschland. Mit seinem Trainer Jelle de Jong kommt Heinschke gut klar. „Mit ihm kann ich mich gut austauschen. Es geht alles über die Kommunikation“, ist ihm wichtig. Das gilt vor allem für die Absprachen vor und während eines Rennens. Diese strukturierte und geplante Herangehensweise war ihm nicht so geläufig. „Da habe ich länger gebraucht, mich daran zu gewöhnen“, gibt das FRC-Talent zu. Und so nebenbei hat er sein Englisch – die Teamsprache – deutlich verbessert.

Der Frankfurter trainiert vorwiegend allein zu Hause, dazu kommen Wochenenden und Trainingslager mit den Mannschaftskollegen – zuletzt im Januar und Februar in Spanien – sowie die Einsätze. Der Wechsel zu den höheren Umfängen sei ihm gut gelungen, schätzt der Jungprofi ein. „Da war ich von Cottbus gut vorbereitet“. Nach einem guten Frühstück sitzt er fast täglich vier bis sechs Stunden auf dem Rad oder absolviert Krafttraining. „Danach ist es wichtig, sich gut zu regenerieren. Da passiert viel über die Ernährung“, beschreibt Heinschke. Auch die Rennvorbereitung und die Materialpflege am Rad sind wichtige Aufgaben.

Fragt man nach Details zum Training, wird es schwierig. Es gehe weniger um Kilometer als um die Dauer. Dann spielen Puls und die Leistung, die über eine Wattkurbel am Rad ermittelt wird, eine Rolle. Und was man da erreichen soll, hänge wieder von Größe und Gewicht des Sportlers ab, ob man im Grundlagentraining oder in einer intensiven Phase sei ... , erklärt der etwa 1,80 m große ranke Heinschke. Seine Maximalleistung will er nicht nennen. Eine Zahl gibt er aber preis: „Im Grundlagentraining fahre ich über mehrere Stunden 180 bis 200 Watt.“

Im vorigen Jahr finishte Heinschke bei 30 Rundfahrten, Meisterschaften und Einzelrennen. Besonders wohl fühlt er sich bei Rundfahrten und dort am liebsten in den Bergen. „Wenn es bergauf geht und es liegt Schnee, ist das ein cooles Feeling“, nimmt er die Umgebung trotz der Anstrengungen wahr.

Für 2019 steht der grobe Wettkampfplan. Anhand der Ergebnisse in den ersten Rennen entscheiden sich die Rollen im Team – wer auf Ergebnis fährt und wer Helferrollen übernimmt. Das große Ziel von Leon Heinschke sind die EM und WM der U 23. „Aber ich setze mich nicht unter Druck. Wenn man mit der Brechstange an die Wettkämpfe geht, macht man nur mit dem Kopf dicht. Ich kann gut locker bleiben“, schätzt er sich ein. Seine Perspektivziele sind der Giro d‘Italia oder die Tour de France. „Mal schauen, wie es läuft und ich gefördert werde. Ich bin gespannt“, sagt er mit einem hoffnungsvollen Lächeln.

Dankbar blickt er auf seinen alten Verein, Trainer und weitere Weggefährten.  Dass er nach mehreren Stationen wie Fußball und Tennis 2010 zum Radsport fand, hat er seinem ehemaligem Nachbarn und Hobbyradsportler Jörg Dalun zu verdanken. Leon Heinschke galt als ein Spätentwickler, überzeugte anfangs an der Frankfurter  Sportschule eher in der Athletik. „Ab der U 17 bei meinem Trainer Jan Schur habe ich so richtig begonnen, mich zu entwickeln und den Radsport tiefgründiger kennen gelernt“, erinnert sich Heinschke, der mit Schur immer noch manche Runde dreht.

Heinschke sah sich durch seinen Heimatverein FRC 90 immer gut unterstützt, ebenso durch die Sportschule Cottbus, wo er unter Rainer Gatzke trainierte. Egal, ob es um die Bereitstellung von Rädern ging, die moralische Unterstützung oder die Meldung zu anspruchsvollen Rennen, unter anderem in Polen, Tschechien und der Slowakei. „Das hat mich alles vorangebracht“, ist er weiterhin dankbar.

Sein Leben ordnet er derzeit ganz dem Sport unter, sagt: „Ich versuche, alles drauf zu setzen, im Radsport voranzukommen.“ In den nächsten Monaten steht für Leon Heinschke ein großer Umzug bevor. Dann verlegt er seinen Lebensmittelpunkt von der Oder ins niederländische Sittard an der Grenze zu Deutschland. Dort baut Sunweb weitere Teamhäuser und bringt seine noch an den Heimatorten ansässigen Fahrer an einem Ort zusammen.