Die Rechte und Sichtbarkeit queerer Menschen sowie Solidarität mit ihnen in der Doppelstadt zeigen – darum geht es am Sonntag (4.9.) wieder, wenn zum dritten Mal zur Frankfurt-Słubice-Pride geladen wird. In diesem Jahr findet die Parade unter dem Motto „Queers against Borders“ statt und steht im Zeichen von Menschen auf der Flucht.
„Wir kritisieren die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen an der polnisch-belarusischen Grenze und in Internierungslagern für Geflüchtete in Polen, (...) Wir sind solidarisch mit Queers, die in der Ukraine gegen die russische Aggression ihre Existenz und ihre Rechte verteidigen. Und wir unterstützen jene, die vor dem Krieg in sichere Regionen Europas geflohen sind oder fliehen wollen, jedoch wegen ihres Geschlechts daran gehindert werden“, heißt es vom Organisationsteam der Demonstration am Sonntag. Queere Geflüchtete stünden im Mittelpunkt des bunten Programms, sie werden von ihren Erfahrungen berichten.

Konzert mit ukrainischen und russischen Kunstschaffenden auf dem Brückenplatz in Frankfurt (Oder)

Um 12 Uhr beginnt die Demonstration auf dem Plac Bohaterów in Słubice mit Willkommensworten und einem Segen zweier Pfarrer der Gay Church Berlin. Der Zug setzt sich dann um 13 Uhr mit Musik und Drag-Kunst Richtung Frankfurt (Oder) in Bewegung. Menschen, die erst ab Deutschland mitlaufen können oder wollen, können sich ab 14 Uhr der Pride ab der Brücke anschließen, informieren die Veranstalter. Rund um die Stadtbrücke gibt es dann auch Redebeiträge von geflüchteten queeren Menschen, die unter anderem aus der Ukraine nach Frankfurt (Oder) geflüchtet sind und die von ihren Erfahrungen berichten.
Doch nicht alle ursprünglich geplanten Reden können stattfinden, heißt es aus dem Organisationsteam wenige Tage vor der Veranstaltung. Zwei queere Personen, die aus dem Irak vor Verfolgung geflüchtet sind und über Belarus und Polen nach Deutschland kamen, wollten auf der Pride sprechen. Nun könnten sie nicht persönlich erscheinen, weil sie sich im Kirchenasyl vor Abschiebung nach Polen verstecken. Dort hatten sie homophobe Angriffe erfahren, erklären die Organisatorinnen und Organisatoren. Ihre Rede soll am Sonntag stellvertretend verlesen werden.
Von der Brücke soll es dann Richtung Brückenplatz gehen. Nach dem Umzug findet dort in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße gegen 15 Uhr ein Konzert zum Abschluss der Pride statt. Das Programm wurde von queeren Migrantinnen und Geflüchteten vorbereitet. Unter anderem wird „Krapka;KOMA“ auftreten, ein elektronisches Multi-Instrumentalistinnen-Duo aus der Ukraine. Sie spielen einen Mix aus Indie-Electronica, Trip Hop und Nu-Jazz, das zu einer Mischung aus atmosphärischem Bonobo und dem klanglich anspruchsvollen Radiohead wird.
2. Frankfurt-Słubice Pride

Deutsch-polnischer CSD 2. Frankfurt-Słubice Pride

Auftreten wird auch Britney Mason, das neue Musikprojekt von Nika Kraush, dem ersten Transgender-Model in Russland. Sie floh wenige Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 aus ihrer Heimat nach Berlin. Sie wird die Pride-Teilnehmer mit einer Mischung aus modernem Pop-Punk, Pop der 2000er und Glam-Rock der 80er unterhalten.
Ebenfalls sind Stände auf dem Brückenplatz geplant: Im Rahmen der Weiterbildung will „D-Lickcious“ mit Waffeln auf Tabu-Themen aufmerksam machen. „Lula Pink“ ist ein Raum für positive Sexualität und das Feiern unserer Körper, wie es online heißt – angeboten werden in der Art Boutique Sex-Spielzeug und mehr.

Organisationsteam erhält Theodor-Heuss-Medaille für sein Engagement

In den vergangenen beiden Jahren zog die Pride-Parade jeweils fast 1000 Menschen an. Für sein Engagement erhielt das Organisationsteam die Theodor-Heuss-Medaille für demokratisches Handeln und Zivilcourage. Die Auszeichnung erhielten sie, weil sie ein „buntes Zeichen gegen die wachsende Feindlichkeit, die queeren Menschen entgegenschlägt“, in der Doppelstadt setzen, argumentierte die Stiftung bei der Verleihung in diesem Jahr.
Am Sonntag wird der Bürgermeister und Beigeordnete für Ordnung, Sicherheit, Wirtschaft und Beteiligungen Claus Junghanns an der Pride teilnehmen sowie Słubices Vize-Landrat Robert Włodek. Die Marschallin der Wojewodschaft Lubuskie, Elżbieta Anna Polak, ist auch in diesem Jahr wieder die Schirmfrau der Veranstaltung.

Dokumentarfilm über Liebe im KZ Ravensbrück wird im Blok O gezeigt

Schon am Vorabend der Parade können sich Interessierte auf die Thematik einstimmen: Im Blok O in der Magistrale findet ein queerer Filmabend mit anschließendem Gespräch statt. Gezeigt wird dabei die Preview des Dokumentarfilms „Nelly & Nadine“ am Samstag, 3. September, um 19 Uhr. Der Film, der Ende November in die Kinos kommt, erzählt die Geschichte zweier Frauen, die sich am Heiligabend 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück ineinander verlieben.
„Nelly & Nadine ist eine bemerkenswerte Geschichte über Kriegsleiden, Mysterien, Liebe gegen alle Widerstände und die Heilkraft der Musik; über gut gehütete Geheimnisse und die komplizierten Familiengeschichten der Überlebenden der Konzentrationslager, die immer noch versuchen, mit den Geistern der Vergangenheit fertig zu werden“, heißt es in der Ankündigung. Der Eintritt am Samstag ist frei, Spenden sind willkommen.
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