Schülerzeitung
: Mit spitzer Feder und Kamera

Für eine eigene Zeitungsseite recherchieren Schüler des Gaußgymnasiums in der Stadt. Die Schule kooperiert mit einem Institut aus Aachen.
Von
Christopher Braemer
Frankfurt
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  • Die Lokalzeitung fest in der Hand: Die 13-jährige Chantal Pajer liest seit März regelmäßig die MOZ im Deutschunterricht des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums. Dort veröffentlicht sie vielleicht bald selbst ihre erste Glosse.

    Die Lokalzeitung fest in der Hand: Die 13-jährige Chantal Pajer liest seit März regelmäßig die MOZ im Deutschunterricht des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums. Dort veröffentlicht sie vielleicht bald selbst ihre erste Glosse.

    Christopher Braemer
  • Paul Dynow (13) versucht sich am Interview mit IHP-Experten.

    Paul Dynow (13) versucht sich am Interview mit IHP-Experten.

    Christopher Braemer
  • Die Słubicerin Nina Lelewska fotografiert mit Smartphone.

    Die Słubicerin Nina Lelewska fotografiert mit Smartphone.

    Christopher Braemer
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Ihr Smartphone mit Vierfach–Kamera hat sie schon oft benutzt – für Instagram, Whatsapp und Co. Aber wie man eine gedruckte Zeitung liest, das war auch für Nina Lelewska aus Słubice Neuland. „Ich habe vorher vor allem online gelesen“, verrät die 14–jährige Schülerin des Carl–Friedrich–Gauß-Gymnasiums. Das hat sich geändert: Seit März liest sie und ihre Mitschüler der Klasse 8b regelmäßig im Deutschunterricht die Märkische Oderzeitung.

„Wir haben zusammen geblättert, sie kennen die Ressorts, wissen wie eine Zeitung aufgebaut ist“, sagt Lehrerin Jana Rosenau stolz. Die Schüler sollen mehr davon mitbekommen, was in der Region passiert, ihre Aufmerksamkeit trainieren und Nachrichten verstehen, betont die 30–jährige Frankfurterin, die in Dresden studierte. Die Zeitungslektüre ist Teil des Programms „Vorfahrt für sicheres Fahren“ des Aachener Izop–Instituts (Institut zur Objektivierung von Lern– und Prüfungsverfahren), mit dem Ziel die Lesemotivation zu schulen, die Verkehrserziehung zu fördern und mit „traditionellen und neuen Medien sinnvoll umzugehen“, heißt es auf der Webseite.

Partnerschaft mit Lokalzeitung

Die Märkische Oderzeitung (MOZ) ist Medienpartner, die Schüler werden in den kommenden Wochen eine eigene Seite zum Thema "Autonomes Fahren“ im Stadtboten kreieren. „Für die Schüler ist es wichtig, Lesekompetenz zu schulen und im digitalen Zeitalter Wissen aus seriösen Quellen zu beziehen“, sagt Redaktionsleiter Heinz Kannenberg. Im Jahr 2005 hat er selbst eine Gymnasial–Klasse des damaligen Otto–Brenner–Gymnasiums Frankfurts im Rahmen des Projektes betreut. „Die Regionalzeitung gehört nach wie vor zu den glaubwürdigsten Medien“, betont Kannenberg. 71 Prozent der Deutschen halten Printmedien für glaubwürdig, geht aus einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des WDR hervor. Zum Vergleich: Bei den sozialen Medien wie Facebook oder Twitter sind es nur fünf Prozent.

Frankfurt (Oder)

Alles Wichtige aus Frankfurt (Oder).

Für das Projekt werden die Schüler des Carl–Friedrich–Gauß-Gymnasiums Anfang Mai das Frankfurter Auto–Center in der Goepelstraße besuchen. Zudem wollen sie mit Experten des Instituts für innovative Mikroelektronik ins Gespräch kommen. Sie haben sich in Gruppen aufgeteilt, etwa in Reportage, Interview, Fotografie. In Zusammenarbeit mit dem Stadtboten wurden die Schüler auf die Recherche vorbereitet. Für die besten Projektseiten mit Schülerbeiträgen winkt eine Auszeichnung durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Schüler sind hochmotiviert

Ein Nachwuchsjournalist kann es kaum erwarten, mit den Frankfurter IHP–Experten ins Gespräch zu kommen. „Ich finde es sehr interessant und zugleich spannend, ein Interview zu machen“, sagt Paul Dynow, 13 Jahre alt. Nun will er eine Anfragen an die Presseabteilung des IHP senden. Sein Klassenkamerad Erik Schwager kümmert sich um den Aufmachertext, also den Haupttext in der Zeitung. Der 14–Jährige liest oft Zeitung und schreibt im Unterricht gern Texte. Er liest die MOZ nach eigener Aussage regelmäßig, auch privat, kommt er ins Erzählen. Ob der Aufmacher ein Bericht wird oder eine Reportage, das weiß er allerdings noch nicht. Trotzdem findet er das Projekt gut. „Es ist eine Abwechslung zum Unterricht, das Thema ist spannend und man lernt gleich wie man es in die Zeitung bringt“, sagt Schwager. Er hofft, dass er und seine Mitschüler in Frankfurt Aufmerksamkeit erregen und etwas lernen.

Dass es ohne gute Pressefotos nicht geht, weiß Nina Lelewska. Mit ihrem modernen Smartphone hat sie bereits in einer Fotoübung trainiert, wie geeignete Fotos für das Interview und im Autocenter aussehen können. „Ich habe heute viel dazu dazugelernt, weiß wie es abläuft und wie man Fotos an Texte anpasst“, sagt die Schülerin. Nina Lelewska ist gespannt was die anderen Schulen machen, ihr Ziel ist es weit im Wettbewerb zu kommen.

Die Wulkowerin Chantal Pajer hat durch den Unterricht gelernt, was eine Glosse ist und wie man Meinung, Satire und Nachricht unterscheidet.  „Ich hoffe, dass fair bewertet wird und man sieht, wie viel Mühe sich Schüler und Schulen geben“, sagt die 13–Jährige in ihrer ruhigen Art. Für das Projekt wird sie selbst eine Glosse schreiben. Ob sie  es auch so gut hinbekomme, wie die tägliche Satire auf der Titelseite der Märkischen Oderzeitung, da ist sie sich noch nicht ganz sicher. Aber sie und ihre Mitschüler können es kaum erwarten, loszulegen.