Schwangerschaft in Frankfurt (Oder): Wie Pro Familia Schwangere und Paare berät

Eine Frau hält ein zwei Monate altes Baby im Arm. Pro Familia in Frankfurt (Oder) berät Schwangere und Paare bei Konflikten. (Symbolbild)
Bernd Weissbrod/dpaEine Schwangerschaft ist nicht für jede Frau ein Grund zur Freude. Ist ein Kind unterwegs, kann das auch große Ängste auslösen und Konflikte mit sich bringen. In solchen Fällen hilft die Organisation Pro Familia, die in Deutschland rund 200 Beratungsstellen betreibt. 14 davon sind in Brandenburg angesiedelt, darunter seit 1991 auch eine in Frankfurt (Oder), in der Ferdinandstraße 16.
Abbruchberatungen machen gut die Hälfte aller Beratungen aus. „Wir sprechen von ungewollten Schwangerschaften, die meistens ad hoc passiert sind und aktuell nicht in das Lebenskonzept der betroffenen Frau passen“, erklärt Katrin Mentzel, Dipl.-Sozialpädagogin und Beraterin bei Pro Familia.
In Deutschland sind von einem Arzt vorgenommene Abtreibungen in der Regel bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei möglich. Allerdings sind Frauen gesetzlich dazu verpflichtet, sich vorher von einer Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle wie Pro Familia beraten zu lassen.
Wertfreie und ergebnisoffene Beratungen bei Konflikten
Laut Statistischem Bundesamtes wurden im ersten Quartal 2024 in Deutschland rund 28.200 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. 69 Prozent der Frauen waren zwischen 18 und 34 Jahren alt.

„Wir beraten von Afghanistan bis Simbabwe, schließlich liegt der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Frankfurt (Oder) als Grenzstadt bei 16 Prozent“, so die Beraterinnen
Marlena DuminViele Frauen, die sich bei Pro Familia zu dem Thema beraten lassen wollen, stünden unter enormem psychischen Druck. Sie würden sich häufig schämen, sich verloren und unsicher fühlen, berichtet Katrin Mentzel. „Unsere Beratung ist wertfrei und ergebnisoffen. Oberstes Ziel ist es, die betroffenen Frauen sie erst einmal aufzufangen und ein wenig die Angst zu nehmen, möglichst alle Informationen zu geben. Es handelt sich um kein ‚Verhör‘. Wir wollen die Frauen in ihrer Entscheidung nicht beeinflussen, sondern Ihnen Zuhörerin und Ansprechpartnerin sein.“
Trotzdem sollen und können die Beraterinnen Perspektiven aufzeigen. Eine der größten Sorgen schwangerer Frauen, aber auch von Paaren, die Pro Familia aufsuchen, sei dabei „die Unsicherheit darüber, ob sie finanziell in der Lage sein werden, dem Kind das zu bieten, was notwendig ist“, sagt Katrin Mentzel. Sie versuche dann, werdenden Müttern bzw. Eltern einen Teil der Ängste zu nehmen und auf Wunsch Möglichkeiten der Unterstützung aufzuzeigen, zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen und dem Beantragen von finanzieller Unterstützungen zu helfen.
Bundesstiftung unterstützt bei Erstausstattung fürs Baby
Außerdem verweist sie auf die Bundesstiftung Mutter-Kind. Schwangere können auf diesem Weg Geld für eine Erstausstattung für das Baby beantragen. Jährlich stehen 96 Millionen Euro zur Verfügung, die aus Spendengeldern stammen. „Fast jede fünfte Schwangere in Deutschland erhält über unsere Stiftung einen Zuschuss. Dieses Geld ist ein Geschenk, es muss nicht zurückgezahlt werden“, so Katrin Menzel. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, werde individuell entschieden.
Bei vielen Frauen, die die Beratungsstelle aufsuchen, handelt es sich um allein gelassene Schwangere beziehungsweise alleinerziehende Mütter. „Sie sind finanziell noch viel stärker belastet“, weiß Katrin Mentzel. Die Beraterin unterscheidet zwischen alleinerziehenden Frauen, die sich von Anfang an bewusst dafür entscheiden, das Kind unabhängig vom Vater allein aufziehen zu wollen. Und ungewollten Alleinerziehenden, die gut in einer Partnerschaft lebten – bis die Schwangerschaft kam und sie deshalb von ihrem Partner verlassen wurden. In solchen Fällen sei es wichtig, dass die Frau einen Freundeskreis oder eine Familie hat, der sie unterstützt und auffängt.
Beratungsangebot auch für Paare und Männer
Pro Familia bietet auch begleitende psychologische Beratungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt an. Pro Familie ist dabei nicht nur ein Ort nur für alleinstehende Frauen. Sondern auch für Paare, die sich in einem Konflikt befinden oder eine Trennungsphase durchmachen. In diesem Beratungsbereich geht es „manchmal sehr emotional zu“. Ziel sei es dann, „die Kommunikation vielleicht wieder möglich zu machen oder zu verbessern, oder auch einen Trennungsprozess zu begleiten“, erklärt die Sozialpädagogin.
Pro Familia in Frankfurt (Oder)
- Die Beratungsstelle von Pro Familia befindet sich in der Ferdinandstraße 16, 15230 Frankfurt (Oder). Telefonisch zu erreichen ist sie unter 0335 325365 oder per Mail an frankfurt-oder@profamilia.de. Offene Sprechzeiten für Notfälle oder zur Terminvergabe sind montags, 10 bis 12 Uhr, dienstags 15 bis 17 Uhr und donnerstags 9 bis 11 Uhr.

Pro Familia bietet Unterstützung in vielen Lebensbereichen, die mit einer Schwangerschaft verbunden sind: psychologische, finanzielle und soziale.
Marlena Dumin- Neben Beratungen zu Schwangerschaft, Schwangerschaftskonflikten, Geburt, Elternschaft und Partnerschaft bietet Pro Familie auch die Vermittlung zu Hebammen und Netzwerken an, die für Schwangere, Alleinerziehende und junge Eltern hilfreich sein könnten. Hier besteht die Möglichkeit, Menschen in ähnlichen Situationen kennenzulernen, sich auszutauschen, Freundschaften zu schließen.
Auch Männer kämen zu Pro Familia. Sie suchen ebenfalls Rat und fragen, ob man sie unterstützen kann, zum Beispiel beim Umgang mit einem Kind in der Familie, das unter einer Trennung leidet.
Beratungen in vielen Sprachen möglich
Alle Beratungen können seit kurzem auch mehrsprachig durchgeführt werden – neben Deutsch auch auf Englisch, Polnisch, Französisch, Ukrainisch oder Russisch. „Wir beraten von Afghanistan bis Simbabwe, schließlich liegt der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Frankfurt (Oder) als Grenzstadt bei 16 Prozent“, so die Beraterinnen.
Unterstützt wird Katrin Mentzel unter anderem von ihrer Kollegin und Dipl. Psychologin Agnieszka Bollmann. Insgesamt sind drei Beraterinnen für Pro Familia in Frankfurt (Oder) tätig. Die Beraterinnen sind sich einig darin, dass „es eine wunderbare Aufgabe ist, die Frauen zu begleiten und sie ‚aufblühen‘ zu sehen. Vom ersten verzweifelten Besuch und dem Hilferuf: ‚Oh Gott, ich bin schwanger‘. Bis hin zu dem Punkt, an dem sie als stolze Mamas mit der Geburtsurkunde wiederkommen und sagen: Ja, das ist mein Kind!“, sagt Agnieszka Bollmann.
Vor kurzem hat sie Jugendliche beraten, die zum Zeitpunkt der Geburt volljährig sein werden. „Sie hatten tausend Fragen und keine Unterstützung von ihren Eltern. Aber sie wollten für ihr eigenes Kind besser sein.“


