Selbsthilfegruppe: Senioren in Frankfurt (Oder) freunden sich mit dem Smartphone an
Ihre zwölf und 13 Jahre alten Enkel haben sie in den Ferien zur Anschaffung überredet. Sie wohnen in Mecklenburg–Vorpommern und waren zwei Wochen zu Besuch bei den Großeltern in Frankfurt. „Oma, es geht gar nicht ohne“, hätten die beiden zu ihr gesagt. Gewünscht hätte sich Gisela Knack nur, dass die drei das schon in der ersten der beiden Wochen in Angriff genommen hätten. Denn viel Zeit für Erklärungen blieb nicht.
Unterstützung gibt es allerdings in der Selbsthilfegruppe „Neue Medien“ im Haus der Begegnung. Die trifft sich dort nun wieder alle zwei Wochen. Nach Corona ist der Zulauf etwas verhalten und so bekommen Gisela und Hans–Dieter Knack eine Einzelstunde bei Mathias Schmidt. Der hat früher bei der Bahn gearbeitet, ist jetzt Erwerbsminderungsrentner und hat vor ziemlich genau sieben Monaten die Gruppe gegründet. Ehrenamtlich gibt er Tipps bei Fragen zum Smartphone oder Tablet. Gisela Knack und ihre Enkel ließen sich in den Lenné Passagen beraten. Ein „sehr netter Verkäufer“ riet ihr vom Tablet ab und führte ihr ein Smartphone vor. „Mein großer Enkel nickte immer eifrig.“
Nach einer Nacht Überdenkzeit kaufte sie das Handy, ihre Enkel brachten ihr die ersten Schritte bei. „Von meinen Enkeln habe ich eine sehr abenteuerlich aussehende Beschreibung bekommen“, erzählt Gisela Knack und zeigt eine Zeichnung. Die beiden haben die App–Symbole des Smartphones aufgezeichnet und erklärt, welches zum Beispiel für die Kamerafunktion und welches für Whatsapp zum Videotelefonieren ist. „Am ersten Abend haben wir direkt Blickkontakt mit dem Vater der Kinder aufgenommen“, erzählt sie. Darauf seien alle schon stolz gewesen und hätten sich gefreut.
Nachdem die Enkel wieder abgefahren waren, haben sie mit ihren Großeltern schon Fotos ausgetauscht. Weil das Ehepaar noch mehr lernen möchte und weil sie die Selbsthilfegruppe von einer Freundin empfohlen bekommen haben, sind beide an dem Dienstag bei Mathias Schmidt. Er zeigt ihnen, wie sie eine Nachricht bei Whatsapp schreiben, wie sie zwischen Groß– und Kleinbuchstaben wechseln und wie man eine Sprachnachricht verschickt. „Wenn die Nachricht zwei Haken hat, ist sie bei der Person angekommen“, erklärt er. Gisela Knack hat Probleme mit den Augen, kann die kleinen grauen und blauen Haken auf dem Gerät gar nicht erkennen. Mathias Schmidt macht aber Mut: „Wenn Sie regelmäßig kommen, sind Sie bald fit mit dem Smartphone.“
Handyerfahrungen gesammelt
Ganz unerfahren mit Handys sind Gisela Knack und ihr Mann nicht. Telefonieren und SMS schreiben konnten sie mit dem alten Telefon schon vorher. „Als mein Mann einmal zum Studiengruppentreffen ging, habe ich ihm gesagt: Du nimmst mein Handy“, erzählt die ehemalige Lehrerin. „Und es war nützlich, denn im Hotelzimmer gab es kein Telefon.“ Mathias Schmidt freut sich, dass er heute nur für die beiden da sein kann. Bis zu fünf Leute in der Gruppe seien passend. Einmal waren es acht und eine Frau fühlte sich nicht genug beachtet. „Alle haben unterschiedliche Interessen und ich möchte mich mit allen intensiv befassen“, so Schmidt.
Das nächste Treffen ist am 25. August, Haus der Begegnung, Klabundstraße 10, Tel. 0335 28051045.

