Ein Großer des Boxsports, eine Legende aus Frankfurt (Oder) wird am Sonnabend (14. Januar) 80 Jahre alt: Manfred Wolke. Der gebürtige Babelsberger feierte 1968 mit dem Olympiasieg in Mexiko-City seinen größten sportlichen Triumph als Aktiver. Später führte er als Trainer die Amateurboxer Rudi Fink (1980 in Moskau) und Henry Maske (1988 in Seoul) ebenfalls zu olympischem Gold.
Nach Mauerfall und politischer Wende wechselte er mit seinen Schützlingen Henry Maske und Axel Schulz trotz vieler Widerstände in das Lager der Berufsboxer. Ein folgenreicher Schritt. Denn Wolke und Maske, der bald zum Weltmeister im Halbschwergewicht aufstieg, machten das teils verrufene Profiboxen in Deutschland wieder salonfähig. Das Trio aus dem Osten löste auch im Westen einen Boom aus, ohne den es die heutigen Faustschlag-Shows im deutschen Fernsehen kaum geben würde.

Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko

Lange ist es her: Am 25. Oktober 1968 jubelte die Frankfurter SED-Bezirkszeitung Neuer Tag (kurz NT genannt): „Seit Mittwochnachmittag steht fest, dass ein DDR-Boxer eine olympische Medaille mit nach Hause bringen wird. Es ist Weltergewichtler Manfred Wolke, der in einem verbissen geführten Kampf den Türken Sandal knapp nach Punkten schlug.“ Drei Tage später sprang diese NT-Schlagzeile ins Auge: „7, 8, 9, 10 – Klasse! für die Goldjungen Roland Matthes, Manfred Wolke, Lothar Metz und Rudolf Vesper – Glückwünsche Walter Ulbrichts und Willi Stophs an DDR-Medaillengewinner.“ Wolke hatte Stunden zuvor im olympischen Box-Finale von Mexiko den Kameruner Joseph Bessala bezwungen.
Manfred Wolke – am 14. Januar 1943 in Babelsberg geboren, gelernter Lokschlosser, später Lehrausbilder und Diplom-Trainer – hasste als Akteur wie auch als Trainer Mittelmäßigkeit und Zufriedenheit. „Ruhe ist wie Stillstand, dem schnell der Rückschritt folgt“, philosophierte er einst. „Und zufrieden ist nur der, der nichts mehr erreichen will.“
Wolke erreichte viel, war nicht nur Olympiasieger von 1968 und Vize-Europameister von 1967 (in Rom) und 1971 (in Madrid). Er holte zwischen 1967 und 1971 auch fünf DDR-Meister-Titel. 1972 trug der NVA-Sportoffizier die DDR-Fahne im Münchener Olympiastadion. Seinen Erfolg jedoch konnte er dort verletzungsbedingt nicht wiederholen. Am Ende seines Boxer-Lebens blickte er auf 258 Kämpfe, von denen er 236 gewann.

Ein Faible für Süßes und den Schermützelsee in Buckow

Vor 19 Jahren fragte die Märkische Oderzeitung Manfred Wolke in einem Interview nach seinen Wünschen, Vorlieben und Meinungen. Er habe einen Faible für Süßes, erfuhren die Leser. Schokolade und Kuchen würden seine Geschmacksnerven mehr als andere Köstlichkeiten reizen. Sein Lieblings-Ausflugsziel in Brandenburg sei der Schermützselsee in Buckow und dort die Stobber-Mühle. In welcher Zeit er gern gelebt hätte? „Jetzt und heute. Ich bin ein Mensch, der sich an aktuellen Dingen orientiert“, erklärte er damals.
Manfred Wolke mit seiner Frau Brigitte an seinem 65. Geburtstag.
Manfred Wolke mit seiner Frau Brigitte an seinem 65. Geburtstag.
© Foto: Winfried Mausolf
Das Hier und Jetzt war schließlich auch aufregend und historisch bedeutsam genug, darunter vor allem das Jahr 1989. Die Wende war für ihn eine geschichtliche Leistung, die er bis heute am meisten bewundert, „weil sie völlig unblutig verlaufen ist“. Die Maueröffnung hatte er auf einer Talkrunde in Potsdam zusammen mit seiner Frau und Henry Maske erlebt. „Anschließend sind wir sofort nach Berlin gefahren“, erinnerte er sich in dem Interview.

Ein Glücksfall für Frankfurt (Oder) nach der Wende

Manfred Wolke konnte bereits zu diesem Zeitpunkt auf eine beeindruckende Trainer-Laufbahn im Amateurbereich zurückblicken. Den politischen Umbruch verstand er als Chance für sich, seine Schützlinge und seinen Sport. 1990 schloss er sich dem Sauerland-Boxstall an. Es folgten glorreiche, goldene Jahre des deutschen Boxsports mit Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen, wenn Henry Maske, Axel Schulz und andere um Weltmeistergürtel kämpften.
Seinen 80. Geburtstag wird der Vater von drei Kindern sowie Opa von vier Enkelkindern „ohne großes Brimborium“ feiern, wie Wolke-Freunde der MOZ berichteten. Dem „Beseelten des Boxsports“ gehe es gesundheitlich nicht gut.
„Was Wolke sportlich vorweisen kann, wird hierzulande wohl auf Ewigkeit seinen Einmaligkeitswert behalten“, schätzte Boxjournalist Gunnar Meinhardt 2017 in einem Beitrag für die Zeitung „Die Welt“ ein. Manfred Wolke habe insbesondere Disziplin, Intelligenz, Fleiß und Härte gegen sich selbst ausgezeichnet. – Tugenden, die er auch von seinen Schützlingen einforderte.
Für Frankfurt (Oder) war und ist Manfred Wolke ein Glücksfall. Die von ihm trainierten Profiboxer machten eine ganze Stadt, die nach 1989 viel verloren hatte, stolz.
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