Dem Vernehmen nach sieht Wilke keine Fortschritte bei der Projektentwicklung durch das Unternehmen P.ARC Berlin. Es gäbe nach Gesprächen in den vergangenen Wochen auch keine Sicherheit, dass dies besser werde.

Nutzungskonzept verändert

Um nach sieben Jahren Zusammenarbeit mit diesem Projektentwickler nicht noch mehr Zeit zu verlieren, sei der Abbruch des Projektes eine notwendige Entscheidung. Mike Ehret, Geschäftsführer von P.ARC Berlin, war am Montag nochmals angereist, aber wurde in dieser Sitzung nicht nochmal angehört.
Wilke verwies in seiner Begründung darauf, dass sich bereits 2016 die Schweizer Muttergesellschaft P.ARC Real Estate als Investor aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Mehrfach habe es einen Wechsel der Investoren gegeben: nach P.ARC Real Estate folgte P.ARC Berlin mit ALDI (2017) und nun P.ARC Berlin mit ANES Bau (2020). Der eigentliche Bruch soll laut Wilke entstanden sein, als nicht Aldi sondern das Unternehmen Papendieck Rade + Partner aus Hannover als Investor aufgetreten sei. Die Schweizer Muttergesellschaft P.ARC Real Estate soll nun nicht bereit gewesen sein, eine Patronatserklärung für das Vorhaben abzugeben. Die Stadt habe 30 Millionen Euro gefordert, heißt es, aber P.ARC Real Estate nicht einmal fünf Millionen Euro geben wollen. Somit sei laut Wilke die Finanzkraft nicht feststellbar gewesen sein. Mit einer Patronatserklärung will eine kommunale Gebietskörperschaft ("Patron") dafür sorgen, dass eine kreditnehmende Tochtergesellschaft ihre Kreditverpflichtungen erfüllt.
In seiner Begründung soll Wilke darauf verwiesen haben, dass jede Änderung des Projektes – 2014, 2017, 2020 – eine Verschlechterung der städtebaulichen und architektonischen Qualität, insbesondere der Fassaden, gebracht habe. Das ursprüngliche Nutzungskonzept sei nicht mehr vorhanden. Gestartet war das Projekt mit 11 500 Quadratmetern Einzelhandelsfläche, einschließlich Warenhaus. Inzwischen sah der Projektentwurf 5100 Quadratmeter Einzelhandelsfläche und 70 Wohnungen sowie eine Tiefgarage vor.
Wilke verwies auf die ursprüngliche Ausschreibung des Projektes. Es sollte damit ein zweiter "Magnet" in der Innenstadt geschaffen und die Kaufkraft in Frankfurt gestärkt werden. Das würde mit den derzeit angekündigten Nutzern – Aldi, dm und REWE – wegen Um- und Leerzug aus bestehenden Objekten in der Innenstadt von der Verwaltung inzwischen kritisch gesehen. Es sei nie Ziel des Projektes gewesen, eine Verlagerung innerhalb der Innenstadt zu befördern. Ursprünglich war das Projekt als Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum mit peripherem Wohnen ausgeschrieben worden, jetzt sei der Anteil von Wohnungen und Büros deutlich erhöht worden.
Nach sieben Jahren sei der aktuelle Stand: Es gibt keine Planungen zur Archäologie betreffend Kosten und Durchführung, keine Klärung der Neu- und Umverlegung der Technischen Infrastruktur, keine Klärung der Verkehrserschließung und keine Pläne zur inneren Erschließung sowie Architektur. Wilke vermisst zudem einen verbindlichen Zeitplan. Bei der Problematik der Archäologie stelle er keine Ernsthaftigkeit der Planung fest. Angesichts dieses Arbeitsstandes empfahl Wilke den Abbruch des Projektes.
Dem Vernehmen nach hat OB Wilke bereits Gespräche mit zwei neuen potentiellen Interessenten an dieser Fläche aufgenommen. Wir setzen ab jetzt auf Alternativen, soll Wilke im Hauptausschuss betont haben.

Abfolge der Entscheidung


18. Juni: Projektbeirat stellt unzureichenden Planungsstand fest und sieht Lösung vieler Probleme nicht absehbar.

22. Juni: Die Mitglieder des Haupt- und Ordnungsausschusses drängen auf eine Entscheidung zum Abbruch des Projekts.

29. Juni: Mitglieder des Gestaltungsbeirates empfehlen eine Beendigung des Projekts aufgrund mangelhafter Gestaltung.

10. August: Hauptausschuss stimmt für Abbruch des Projekts.