Stadtgeschichte
: Flugzeugabsturz am Militärflughafen

Historisches Bild zeigt verunglückten Militärflieger bei Kunersdorf im Juli 1918.
Von
Ralf-Rüdiger Targiel
Frankfurt (Oder)
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Das Flugzeug vom Typ C V zerschellte nahe der Wohnbaracken. Zwei Tote waren zu beklagen.

Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Bald nach dem Beginn des ErstenWeltkrieges baute das Militär den über 120 Hektar großen Exerzierplatz bei Kunersdorf (heute Kunowice) mit dem hier gelegenen, erst 1913 von der Stadt Frankfurt eröffneten Flugstützpunkt zu einem Militär–Flugplatz aus. In der hier stationierten Flieger–Bomben–Lehrabteilung wurden Flieger für die speziellen Aufgaben der Bombengeschwader geschult. Ihr letzter Kommandeur war Hauptmann Roetter. Daneben gab es noch eine Flieger–Bomben–Versuchsabteilung, welche Versuche mit neu entwickelten, bis 1000 Kilogramm schweren Fliegerbomben durchführte und dabei manchen Waldbrand verursachte. Besonders riskant war das Fliegen in einer Höhe von nur wenigen hundert Metern — sollte doch der hinter dem Piloten im Flugzeug sitzende Beobachter darin geschult werden, z. B. das Fortschreiten eines Angriffes zu überwachen. Manche Flugzeugbesatzung zahlte mit ihrem Leben das Lehrgeld.

Unsere Fotografie aus dem Fotoalbum des Unteroffiziers und Piloten Paul Schmidt, vielleicht von ihm selbst aufgenommen, zeigt eine der Katastrophen, die sich auf dem Flugplatz ereignet haben: Am Morgen des 13. Juli 1918 starteten der zwanzigjährige Unteroffizier Franz Gerstner und der mit 26 Jahren nur wenig ältere Leutnant d. R. Wilhelm Herrmann mit ihrer C V, einem von den Deutschen Flugzeug–Werken gebauten einmotorigen Doppeldecker. Das als Fotoaufklärer oder auch als leichter Bomber einsetzbare Kampfflugzeug war bis zu 155 Stundenkilometer schnell und vermochte bis in eine Höhe von 5000 Metern zu fliegen. Aus unbekannter Ursache stürzte das Flugzeug über dem Flughafen, unweit der Wohnbaracken ab.

Die verunglückte Besatzung wurde eiligst in das Garnisonslazarett (Krankenhaus Heilbronner Str.) geschafft, wo sie beide noch am gleichen Tage ihren schweren Verletzungen erlagen. Um 10 Uhr starb der frühere Gymnasiast Franz Gerstner — der Sohn eines Gutsbesitzers aus Pleinfeld bei Weißenburg und um 14.35 Uhr der einstige Student und Sohn eines Kgl. Baurates aus Münster in Westfalen, Wilhelm Erich Herrmann. Sie sollten nicht die letzten Toten auf dem Frankfurter Flugplatz bleiben – allein im Jahr 1918 starben mindestens 22 weitere Militärangehörige.