Stadtgeschichte: Frankfurts Badeinsel mitten im Fluss
Lange bevor der Helenesee entstand, badete man vor allem in der Oder, an den Ufern, auf dem Löwenwerder, Ochsenwerder und anderswo, ursprünglich „züchtig“, in geschlossenen Badekabinen, getrennt nach Geschlechtern. Besonders der Ziegenwerder war Frankfurts Badeinsel. Schon 1836 gab es hier Badebetrieb. Ende der 1850er Jahre eröffnete Heinrich Pallaschke ein Bad. Unweit davon eröffnete 1867 der Turn– und Schwimmlehrer Gustav Weingärtner seine mit drei Bassins und „mit allen bekannten Sprung– und schwimmenden Geräthen“ ausgestattete Badeanstalt. Sein Sohn, Hermann Weingärtner, der Olympiasieger von Athen 1896, führte die Badeanstalt, die sogar einen eisernen Sprungturm besaß, bis zu seinem Tod im Jahr 1919 weiter.
Ab 1924 unter städtischer Regie
Pallaschkes Badeanstalten für „Sonnen–, Luft–, Sand– und Flussbäder“ und „einem Strand wie in einem Seebade“, übernahm 1924 der Magistrat. Unter der Regie des „Stadtamtes für Leibesübungen“ wurden die „Städtischen Badeanstalten auf dem Ziegenwerder“ am 16. Mai 1925 eröffnet. Neben dem Damen– und Luftbad waren das Herren– und Familienbad stark vergrößert worden und hinter dem Familienbad ein ganz neues Schulbad geschaffen worden. Eine 30 Meter lange Baracke diente als Umkleideraum für die Schüler und als Freiluftschule. Die Frankfurter nahmen das Bad an. Die letzte Besuchsziffer (ohne Schulkinder) aus der dafür geführten Statistik der alten Zeit: 1944 kamen 190 000 Badegäste.
Schon 1946 wurde dort wieder gebadet, weshalb die Stadt für das nächste Jahr die Badeanstalt auf dem Ziegenwerder neu einrichten wollte. Dazu erging im April 1947 auf Anregung des Stadtsportamtes an das städtische Bauamt der Auftrag zur Neueinrichtung. Es sollte jetzt schnell gehen, man plante den Badebetrieb schon am 15. Mai 1947 zu beginnen. Vom Bauamt wurde ein Unternehmer beauftragt, zusätzlich eine alte Baracke vom Gelände der Feuerwehr neu zum Ziegenwerder umzusetzen und eine Buhne mit Draht abzusperren. Da erfolgte eine, kurzzeitige Sperrung des Ziegenwerders als Grenzgebiet durch die Grenzpolizei. Ende Mai 1947 fehlten dann Holz, Nägel, Draht, so dass der Ausbau einer wenigstens provisorischen Badeanstalt sich weiter hinzog.
Wiedereröffnung 1950
Schließlich gelang es doch. Da gab es einen Rückschlag für die nächste Badesaison: Von der Umkleidebaracke war im Frühjahr 1948 so viel Holz entwendet worden, dass die Stadt infolge Materialmangel die Baracke vorerst nicht wiederinstandsetzen konnte und sie bald darauf gänzlich abgerissen werden sollte.
Derweil hatte sich in der Wirtschaftstruktur der Stadt eine Veränderung ergeben. Nach einer neuen Verordnung wurden die städtischen Betriebe und Wirtschaftseinrichtungen der Stadt zu einem Kommunalwirtschaftsunternehmen (KWU) zusammengeschlossen und der Aufsicht der Landesregierung unterstellt. Entsprechend wurde auch die Badeanstalt vom KWU übernommen und am Sonnabend, den 20. Mai 1950 neu eröffnet. Neue Ankleidekabinen und ein gemauertes Planschbecken für Kleinkinder waren entstanden. Es gab hier jetzt auch wieder eine Gastwirtschaft mit „gepflegten Getränken, warmer und kalter Küche“ und Eisdiele. Bis August 1955 konnte die Frankfurter Jugend in dem Buhnenfeld der Oder baden. Es wurden dazu eigens zwei Schwimmmeister angestellt.
Doch dann ließ die Kreis–Hygiene–Inspektion die Freibadeanstalt aus hygienischen Gründen schließen. Vor Beginn der neuen Badesaison 1956 schloss die Badeanstalt vollständig. Was war die Ursache? Die zunehmend schlechtere Wasserqualität oder die verstärkte Betonung der Oder als Grenzfluss? Damit legte die Stadt sämtliche seit 1953 bestehenden Ausbaupläne der Badeanstalt zu den Akten. zwei Buhnenfelder weiter sollte eine neue Freibadeanstalt geschaffen werden, unter anderem mit Sprunggrube und sechs 50–Meter-"Schwimmkampfbahnen“.
Wo konnte nun gebadet werden? 1956 sollte, so der Plan „für alle badefreudigen Jugendlichen“, im Norden der Stadt, nahe der Reimannstraße, ein Schwimmbad „mit vielen Wasserbecken“ entstehen. Ab 1957 konnte man im neueröffneten Freibad Kliestow, das sogar einen Sprungturm besaß, und dann auch im Lokbad baden. Doch bald darauf ergab sich eine neue, besondere Bademöglichkeit: Die Zeit der „Schönen Helene“ war gekommen.
Autor Ralf–Rüdiger Targiel ist ehemaliger Leiter des Frankfurter Stadtarchivs.


