Stadtwerke
: Neues Kraftwerk: Einstieg in den Kohleausstieg in Frankfurt

Am Montag feierten die Stadtwerke den ersten Spatenstich für den Neubau der Gasmotorenanlage.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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Für den ersten Spatenstich legten sich die Protagonisten mächtig ins Zeug, darunter u.a. OB Rene Wilke (v.l.n.r.), Detlef Langer von der DKB, der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Neumann, Stadtwerke-Chef Torsten Röglin sowie Hajo Hoops (r.) von MAN.

Winfried Mausolf

Rund 60 Millionen Euro gibt das Unternehmen – an dem die Stadt mit 51 Prozent beteiligt ist – für die klimafreundlichere Technologie aus. Finanziert wird die Großinvestition über Darlehen der Deutschen Kreditbank und Fördermittel vom Bund. Auf die Verbraucherpreise soll sich das Projekt nicht niederschlagen.

Start zur Heizperiode 2021/2022

Gebaut werden fünf Gasmotoren (technische Daten siehe Infokasten), ein Heißwasserkessel sowie ein Wärmespeicher, der Wärme aufnimmt, die nicht sofort benötigt wird. Für letztgenannte Anlage ist das Fundament bereits gelegt. Der Wärmespeicher wird von der Firma Kraftanlagen München gebaut und soll im November 2020 in Betrieb gehen, die Gasmotorenanlage dann zur Heizperiode 2021/2022. „Wir machen das zum Wohle unserer Stadt. Wir wollen die Energie- und Wärmeversorgung langfristig auf sichere Füße stellen“,  so Röglin. Bis zu 35 000 Tonnen CO2 soll der Ausstieg aus der Kohleverstromung jährlich einsparen, 170 000 Tonnen des klimaschädlichen Gases sind es zurzeit.

Erste Überlegungen für eine Neuausrichtung gab es bereits 2015 unter dem damaligen Geschäftsführer Jörg Thiem. Das Kraftwerk am Hohen Feld ist inzwischen 22 Jahre alt und beliefert rund 50 000 Haushalte und Gewerbekunden mit Strom sowie 23 000 mit Fernwärme. „Schon bevor die Diskussionen zum Klimawandel hochkochten, wurden bei den Stadtwerken Richtungsentscheidungen getroffen. Das zeigt: da ist eine umweltpolitische und wirtschaftliche Überzeugung dahinter“, meinte OB René Wilke und sprach von einer „Investition für unsere Kindeskinder“.

Mit dem Bau des neuen Kraftwerkes beauftragt wurde die MAN Energie Solutions SE, eine Volkswagen-Tochter mit Sitz in Augsburg. Die Grube für den Bau des Kraftwerksgebäudes war am Montag bereits ausgehoben. Mit der eigentlichen Montage der Motoren werde Ende 2020 begonnen, berichtete Hajo Hoops von MAN. Einzelne Montageaufträge könnten dabei auch an Firmen aus der Region vergeben werden. „Das Herzstück werden fünf große Gasmotoren sein. Durch verschiedene Wärmetauscher und Kessel wird die Motorwärme sowie die Abgaswärme nutzbar gemacht und etwa gleich viel Strom wie Wärme erzeugt. Selbstverständlich ist die Anlage mit modernsten Katalysatoren ausgestattet und die Emissionen werden alle Emissionsgrenzwerte sicher unterschreiten“, so Hoops.

Er erläuterte, dass sich die Gasmotoren in Zukunft auch mit Mischungen aus Wasserstoff und Erdgas betreiben ließen. Synthetisches Gas oder Biogas könne ebenfalls problemlos eingesetzt werden. „Wir haben einen Kunden in England, der einen baugleichen Motor mit Biogas betreibt. Die Anlage wird im hohen Maße zukunftssicher sein“.

Technische Daten derGasmotorenanlage

Jeder der fünf Gasmotoren vom Typ MAN 20V35/44G ist zusammen mit seinem Generator mehr als 14 Meter lang, wiegt etwa 150 Tonnen und leistet über 14 000 PS, berichtete Hajo Hoops von MAN. Damit können neben 51 Megawatt elektrischer Energie auch 50 Megawatt Fernwärme bereit gestellt werden. Der Hubraum jedes Motors beträgt 846 Liter, also 42 Liter pro Zylinder, von denen jeweils 20 verbaut sind. Die Motoren arbeiten mit einer Drehzahl von 750 U/min. Der Gesamtnutzungsgrad der Anlage liegt bei 90 Prozent. Die Module können binnen drei Minuten aus dem Stillstand auf Vollast gefahren und noch schneller wieder abgeschaltet werden, womit die Stadtwerke künftig flexibler arbeiten können. MAN verspricht eine Lebensdauer der Großmotoren von weit über 100 000 Stunden.⇥thg