9-Euro-Ticket und Tankrabatt adé: Seit Donnerstag (1.9.) müssen die Bürger ohne die Entlastungsmaßnahmen auskommen, die drei Monate galten. Besonders beim Tankrabatt wurde das Für und Wider hitzig diskutiert, auch in Frankfurt (Oder).
„Ich habe vom Tankrabatt nicht viel bemerkt“, schnaubt eine Autofahrerin an der SB-Tankstelle in der Berliner Chaussee. Sie vermute, dass die Erdölkonzerne ihre Preise entsprechend der Steuersenkung erhöht hätten. „Wir haben ein Umzugsunternehmen und mehrere Dieselfahrzeuge“, erzählt sie. „Allein im Juli haben wir 2000 Euro für Sprit ausgegeben.“

„Ich wünsche mir den alten Dieselpreis von 1,50 Euro zurück“

Wünscht sie sich eine Verlängerung des Tankrabatts? „Ich wünsche mir den alten Dieselpreis von 1,50 Euro zurück“, antwortet sie und lacht bitter. Ihr Betrieb sei aufs Auto angewiesen. Tanken müsse sie sowieso, egal wie hoch der Spritpreis klettere. Die Firmenwagen in Słubice zu betanken sei wegen des deutschen Steuerrechts für sie keine Option (Stichwort fehlender Vorsteuerabzug).
Ein Rentner, der ebenfalls anonym bleiben möchte, hat gerade mit seiner Frau bei Esso am Mühlenweg getankt. Angesprochen auf das Thema Tankrabatt antwortet er: „Was soll ich dazu sagen?“ Gemerkt habe er von der Steuersenkung im Geldbeutel nichts, gibt er an. Auch er meint: „Wir sind aufs Auto angewiesen.“ Tanken werde er auch künftig, trotz möglicher Preissprünge.

Kiew

Doch wurden die Senkung der Energiesteuer tatsächlich nicht an den Endverbraucher weitergereicht? Doch, meint Hans-Joachim Rühlemann, Vorstandsvorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost (VGT). Er spricht für circa 300 Tankstellenpächter in Berlin und den östlichen Bundesländern. Er wendet ein, dass mehrere wissenschaftliche Untersuchungen die Preissenkung bestätigt hätten. Zu verweisen ist hier auf Untersuchungen des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sowie des ifo-Instituts, die herausfanden, dass der Tankrabatt im Wesentlichen an die Verbraucher weitergegeben worden sei.

Kam Tankrabatt beim Verbraucher an? Dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen

„Die Mineralölkonzerne haben sich fair verhalten“, meint Rühlemann. „Die sind sonst nicht meine allerbesten Freunde“, schiebt er lachend hinterher. Er gibt zu bedenken, dass Tankstellen üblicherweise ihre Preise im Tagesverlauf ändern – das könne den subjektiven Eindruck der Fahrer verfälschen.
Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) war zu einer anderen Einschätzung gekommen. Die Steuersenkung sei nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden, kritisiert Präsident Gerhard Hillebrand. Der ADAC verweist darauf, dass die Spritpreise bereits in den zwei Wochen vor dem Auslaufen des Tankrabatts angezogen hätten: bundesweit durchschnittlich um 6,8 Cent bei Super E10 und 15 Cent beim Diesel. Damit hätten sich die Anbieter ein „erhebliches Preispolster“ geschaffen.
Kommt mit dem Ende des Tankrabatts jetzt der Preissprung an der Zapfsäule? Rühlemann meint ja. Das werde im Laufe des Donnerstagvormittags (1.9.) an der Zapfsäule ankommen. Ein Blick in die Spritpreise-App des ADAC gibt ihm recht. Bei der SB-Tankstelle Am Goltzhorn kostete der Liter Diesel am Donnerstagmorgen 2,10 Euro (Vortag: 1,99 Euro), der Liter Superbenzin 1,92 Euro (statt 1,74 Euro). Gegenüber bei Esso am Mühlenweg zahlte der Tankkunde am Morgen (1.9.) für Diesel 2,12 Euro (statt 2,01 Euro), für Super 1,95 Euro (statt 1,77 Euro).

Experte meint, Tanktourismus nach Polen werde wieder zunehmen

Bei der SB-Tankstelle in der Berliner Chaussee am SMC fällt der Vergleich wie folgt aus: 2,10 Euro für einen Liter Diesel (statt 2,01 Euro) und 1,92 Euro für Super (statt 1,78 Euro). Gegenüber bei Aral sind es 2,14 Euro für Diesel (statt 2,04 Euro) und 2,09 Euro für Super (statt 1,80 Euro). Allerdings: Richtung Mittag waren die Preise für Benzin und Diesel teilweise auch schon wieder um 4 bis 5 Cent gesunken.
Rühlemann vom VGT erwartet trotzdem, dass der Tanktourismus nach Polen nach Auslaufen des Tankrabatts wieder stark zunehmen wird. Denn die Fahrt über die Grenze lohnt sich für Pendler. Für den Liter Super standen am Donnerstagvormittag 6,61 Zloty auf der Preistafel bei Aral gegenüber dem Intermarché in Słubice – umgerechnet rund 1,40 Euro. Das entspricht einer Preisersparnis von mehr als 50 Cent. Der Liter Diesel kostet dort aktuell 8,11 Zloty, also zirka 1,67 Euro.