Tierheim in Słubice (Polen)
: Hilflose Katzen – Verein bei Frankfurt gibt ihnen Zuhause

Streunende Katzen sind in Polen keine Seltenheit. In Słubice, der Partnerstadt von Frankfurt (Oder), engagiert sich der Verein Szarik für die Katzen. Ein Blick hinter die Kulissen.
Von
Marlena Dumin
Słubice
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Anna, eine der Mitbegründerinnen des Vereins Szarik in Słubice, mit Vierbeiner Muniek. Der Verein bei Frankfurt (Oder) hilft streunenden Katzen in Not.

Marlena Dumin

Ein kleiner, gemütlicher Raum, nur zehn Minuten von der Grenzbrücke entfernt, ist nun das Zuhause für neun streunende Katzen, die in Wäldern, an Tankstellen und auf Straßen gefunden wurden. Der Duft von Katzenfutter liegt in der Luft. Auf dem Sofa sitzt Witek, eine flauschige Katze, die mit ihren großen grünen Augen verzaubert.

Er kam hungrig, krank, ohne Fell und mit Wunden im Körper hier an. Dank der Hilfe von Freiwilligen erholte er sich. Jetzt wartet er auf neue Besitzer und ein liebevolles Zuhause.

Junge Katze im Keller gefunden

Die Idee für den Verein Szarik entstand, als Eliza und Anna, zwei Frauen aus Słubice, eine streunende Katze mit ihren Jungen in einem Keller fanden. Damals stellte sich heraus, dass es in der Umgebung keinen Ort gab, der streunenden Katzen wirklich helfen konnte.

Seit einem Jahr mieten sie von der Gemeindeverwaltung einen Raum, der heute ein Zuhause für herrenlose Katzen ist. Die Frauen beschlossen, selbst zu handeln und gründeten den Verein, der streunenden Katzen zur Hilfe eilen soll, zunächst in einem kleinen Kreis. Zunächst mussten sie sich um die gefundenen Tiere in ihren eigenen Wohnungen kümmern. An Arbeit fehlt es dem Verein nicht, der von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten wird – täglich werden sie über Hilfe suchende Katzen benachrichtigt.

Katzen kommen teils schwerverletzt zu Verein bei Frankfurt (Oder)

Streunende Katzen treffen die Menschen, die den Verein benachrichtigen an unterschiedlichsten Orten. „Unter anderem in Wäldern, auf Straßen, an Tankstellen“, sagt Julia, eine der Freiwilligen des Vereins. „Am schlimmsten ist es, wenn eine streunende Katze Junge bekommt“, so die Helferin. Denn die Jungen könnten leicht von Autos überfahren oder von Hunden gebissen werden.

Die Katzen werden vom Słubicer Verein aufgenommen und aufgepäppelt – dann geht es bestenfalls in ein neues Zuhause.

Marlena Dumin

Es kommt nicht selten vor, dass die Tiere in schwerverletztem Zustand von den Helferinnen aufgegriffen werden, an chronischen Krankheiten leiden oder traumatische Vergangenheiten haben.

Mit Herz und Seele im Einsatz für die Katzen

Die Arbeit mit den und für die Katzen fordert viel Kraft und Anstrengung, verlangt den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern viel ab. Die Arbeit mit den Tieren sei im Grunde ein Vollzeitjob, sagt Anna, eine weitere Helferin im Verein. „Wir tun das, weil das Leid der Tiere um uns herum enorm ist. Wenn man einmal ein streunendes Tier gesehen hat, wird man es immer und überall bemerken. Diese Sensibilität bleibt in einem Menschen bestehen und man kann dann nicht einfach gleichgültig vorbeigehen“, sagt sie.

Landet eine Katze bei ihnen, gilt es für die Helfenden, zwei Ziele zu erreichen: Den Vierbeiner aufpäppeln und ihm ein sicheres Zuhause zu suchen. In puncto potenzielle „Adoptiveltern“ der Stubentiger seien sie wählerisch, betont Anna. Man müsse sicherstellen, dass die Menschen, die die Tiere adoptieren wollen, in der Lage sind, für das Wohl der Vierbeiner zu sorgen.

Gibt es ein Problem mit streunenden Katzen in Słubice?

Wie die Freiwilligen des Vereins berichten, ist das Problem streunender Katzen in der Gegend enorm. Nach Meinung der Inspektorin Michalina Katkowska von der Gorzower Tierschutzvereinigung hat das Problem zwei Hauptursachen: Erstens ließen Katzenbesitzer ihre Katzen nicht kastrieren, und zweitens gebe keine finanzielle Unterstützung von der Gemeinde für Vereine, die sich obdachlosen Katzen widmen.

„Die Gemeinde Slubice informiert die Bürger, die Situationen mit streunenden Katzen gemeldet haben, dass die Limits für Kastration, tierärztliche Betreuung und Futter bereits im Juli 2023 erschöpft sind. Die Tiere werden ohne Hilfe und Betreuung gelassen“, so die Inspektorin weiter.

So beurteilt die Stadt Słubice die Situation streunender Katzen

Wie positioniert sich die Stadt Słubice in dieser Sache? Stadtsprecherin Beata Bielecka sagt auf MOZ-Nachfrage: „Die Gemeinde kennt das Problem und versucht, es jedes Jahr zu lösen, indem sie die Mittel für die Tierpflege erhöht. So wird es auch nächstes Jahr sein. [...] Es muss jedoch betont werden, dass wir jedes Jahr nicht nur Geld für das Füttern von streunenden Katzen oder ihre Sterilisation und Kastration ausgeben, sondern auch die Pflege von streunenden Hunden finanzieren. Wir beteiligen uns an den Kosten für das Hundehaus in Luga Goryczkach, gewährleisten rund um die Uhr tierärztliche Betreuung für streunende Tiere bei Verkehrsunfällen, ermöglichen kostenlose Kennzeichnung von Hunden und stellen Plätze für ausgesetzte Nutztiere bereit.“

Die Stadt würde gerne mehr Geld für den Tierschutz bereitstellen, so die Stadtsprecherin weiter, aber die finanziellen Möglichkeiten seien begrenzt.

Wie können Freiwillige aus Frankfurt (Oder) die Katzen adoptieren?

Grundsätzlich ist es möglich, dem Verein neben Sach- und Geldspenden auch mit Adoptionen unter die Arme zu greifen. Freiwillige können die Tiere temporär oder dauerhaft bei sich aufnehmen. Im ersten Fall trägt der Verein alle Kosten für die Tiere, wie etwa die Kosten für Futter und Tierarztbesuche.

So erreichen Sie den Verein

Interessierte können den Verein kontaktieren unter stowarzyszenie.szarik@gmail.com oder via Facebook.

Die Verträge für vorübergehende und dauerhafte Adoption sind in deutscher Sprache verfügbar. Auch Freiwillige aus Frankfurt (Oder) können den Katzen also ein zu Hause bieten. Doch um die Katzen legal über die Grenze bringen zu dürfen, sind einige Vorkehrungen nötig, für die die Kosten vom zukünftigen Besitzer selbst zu tragen sind. Die Tiere müssen etwa auf Tollwut getestet und dagegen geimpft werden. Ebenso ist die Ausstellung eines EU-Heimtierausweises notwendig.

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