Was hat der Schriftsteller Heinrich von Kleist mit Uwe Madel und dem rbb-Kriminalmagazin „Täter-Opfer-Polizei“ zu tun? Beide waren Polizeireporter. Und Kleist sei im Grunde „der Erfinder der Öffentlichkeitsfahndung“, erklärte der TV-Moderator am Montagabend (10.10.) auf der Studiobühne des Kleist Forums in Frankfurt (Oder), warum er im Rahmen der Kleist-Festtage auftrat. Kleists „Brandbriefe: über Feuermeldungen in der Zeitung“, veröffentlicht am 4. Oktober 1810 in den Berliner Abendblättern, „könnte auch das Gründungspapier für Täter-Opfer-Polizei sein“, meint der wie Kleist in Frankfurt (Oder) gebürtige Journalist – der schon bald wieder in seiner Heimatstadt zu erleben sein wird: als Gast beim MOZ-Talk am 2. November, ebenfalls im Kleist Forum.
Der Zweck der „polizeilichen Notizen“, die in der Zeitung erscheinen, sei nicht nur, „das Publikum zu unterhalten und den ... Wunsch zu befriedigen, ... authentisch unterrichtet zu werden“, schrieb Heinrich von Kleist vor mehr als 200 Jahren.

Kleist beschwor seine Leser zur Erhöhung der Wachsamkeit

Zweck sei zugleich, „das gutgesinnte Publikum aufzufordern, seine Bemühungen mit den Bemühungen der Polizei zu vereinigen, um gefährlichen Verbrechern auf die Spur zu kommen und ... Übelthaten vorzubeugen.“ Kleist beschwor die Leser, ihre Wachsamkeit zu erhöhen und alles, was zur Entdeckung des Verbrechers führen könnte, „schleunigst anzuzeigen“.
Ähnlich funktioniert das heute in Uwe Madels Sendereihe, die zu den zuschauerstärksten des Rundfunk Berlin-Brandenburg gehört. Doch mehr als um Episoden aus „Täter-Opfer-Polizei“ ging es Uwe Madel am Montagabend im Kleist Forum um Aufklärung und die Warnung vor den aktuellen Maschen von Betrügern hierzulande.

Mit Polizist Jürgen Schirrmeister im Duett

Dazu hatte der Journalist einen Fachmann an seiner Seite: den Polizeikommissar Jürgen Schirrmeister. Er leitet den Fachbereich Prävention der Polizei in Brandenburg – und hat schauspielerisches Talent, wie die Zuschauer in Frankfurt (Oder) erfuhren. So spielten Uwe Madel als „Frau Meier“ und Schirrmeister als in dem Fall falscher Polizist ein Telefonat aus der Rubik „Enkeltrick“ nach. Wenn das Ergebnis – die alte Dame verlor Tausende Euro an die Betrüger – nicht so traurig gewesen wäre, man hätte herzhaft über das Duo auf der Bühne lachen können.
Der Kriminalreporter und der Kommissar: Uwe Madel und Jürgen Schirrrmeister gaben im Rahmen der Kleist-Festtage unterhaltsame Einblicke in die Brandenburger Welt der kleinen und großen Betrüger und anderer Ganoven.
Der Kriminalreporter und der Kommissar: Uwe Madel und Jürgen Schirrrmeister gaben im Rahmen der Kleist-Festtage unterhaltsame Einblicke in die Brandenburger Welt der kleinen und großen Betrüger und anderer Ganoven.
© Foto: Ines Weber-Rath
Wer im Publikum glaubte, es handele sich um Einzelfälle, der irrte sich gewaltig, wie Jürgen Schirrmeister betonte. Allein am Wochenende zuvor hätten sich, von Freitag bis Sonntag, sechs angezeigte Enkeltrick-Betrugsfälle ereignet. Mit einem Gesamtschaden für die Betroffenen von rund 55.000 Euro, so der Polizeibeamte.

Gutgläubige Senioren übergaben Betrügern bis zu 350.000 Euro

Er schilderte Fälle, in denen gutgläubige Senioren den Betrügern 100.000 Euro – geschehen im Mai diesen Jahres, bzw. 350.000 Euro übergeben habe. Betroffene gebe es auch in Frankfurt (Oder), so Jürgen Schirrmeister. In diesem Jahr habe die Polizei in der Oderstadt schon 524 Betrugsstraftaten angezeigt bekommen, berichtete er.
Doch auch über andere aktuelle Betrugsmaschen, wie die per WhatsApp, informierten der Polizeireporter und der Beamte ihre Zuhörer. Dabei geben sich die Betrüger als Verwandte aus, die eine neue Handynummer hätten.

Auch Polizisten sind vor Betrügern nicht gefeit

Dass auch Polizisten nicht vor Betrügern gefeit sind, bekannte Jürgen Schirrmeister, indem er den Fall der beiden angeblichen Zivilfahnder Harry und Mike vorlas, die einst von der Berliner Polizei zwei mit Funk ausgestattete Fahrzeuge übergeben bekamen.
Wie diese stammten auch zwei Geschichten, in denen kriminelle Seniorinnen die Hauptrolle spielen, aus Uwe Madels Buch „...und achten Sie auf Ihr Handgepäck“. Das von der „Amok Oma“ aus dem Kaufhaus und von der schlagkräftig „besten Mutti“.

Wiedersehen für Uwe Madel mit der einstigen Lehrerin

Am Ende gab es im Kleist Forum neben viel Applaus für Uwe Madel auch Wiedersehen mit alten Bekannten aus seiner Frankfurter (Schul-)Zeit. Darunter mit seiner einstigen Bio- und Chemie-Lehrerin Ursula Wachner.
Weitere unterhaltsame Kriminal-Geschichten verspricht der Auftritt von Ehrenkommissar Uwe Madel beim MOZ-Talk am 2. November, ab 19.30 Uhr im Kleist Forum. In der von Entertainerin Lilo Wanders und dem deutschsprachigen Meister im Poetry Slam David Friedrich moderierten Show wird dann auch die dänische Sängerin Gitte Haenning zu Gast sein. Tickets gibt es im Kleist Forum, Mo.-Fr., 12-17 Uhr, in der Tourist-Information, Mo.-Fr., 9-17 Uhr und Sonnabend, 10-14 Uhr sowie über www.kleistforum.de.
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