Uni Frankfurt (Oder)
: Rechtsextreme Vorfälle – USC Viadrina leitet konkrete Schritte ein

Der Universitätssportclub der Europa-Universität Frankfurt (Oder) sorgte für Schlagzeilen, als im November 2023 Vorwürfe laut wurden, dass Neonazis in den Vereinsräumen trainieren. Der Verein hat nun erste konkrete Schritte unternommen.
Von
Selim Pekel
Frankfurt (Oder)
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Ein Schild mit der Aufschrift „USC Sport-Center Hochschulsport“ zeigt noch immer in Richtung Nordeingang des Audimax der Europa-Universität Viadrina. Aktuell ist der Verein wegen Bauarbeiten allerdings temporär in der Beckmannstraße 25a zu finden.

Selim Pekel

Der Universitätssportclub Viadrina (USC) in Frankfurt (Oder) stand im November 2023 in der Kritik und sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er es erkennbaren Neonazis erlaube, im Fitnessraum des Vereins zu trainieren.

Aktuell oder ehemals dort langjährig trainierende Viadrina-Studenten, die anonym bleiben möchten, bestätigten, als Neonazi erkennbare Personen im Fitnessraum des USC gesehen zu haben. „Ich habe Personen mit rechten Symboliken gesehen“, sagt einer von ihnen und verweist dabei auf ein Tattoo, auf dem die „Schwarze Sonne“ zu sehen gewesen sei.

Offener Brief von Studenten warf Verein und Uni passives Verhalten vor

Auf lokale Medienberichte folgte im Dezember vergangenen Jahres ein offener Brief von Studenten, der bundesweite Aufmerksamkeit erlangte.

Darin warfen die Studenten dem Sportclub vor, dass verfassungsfeindliche, rechtsextreme Symbole wie etwa Hakenkreuze oder SS-Runen im USC offen zur Schau gestellt würden und Mitarbeitende des Sportclubs dagegen mutmaßlich nicht vorgehen würden. Der Uni warfen die Studenten passives Verhalten vor. Robert Nissen, Kanzler der Universität, ist USC-Vorstandsmitglied in dem eigenständig eingetragenen Verein, in dem auch Hochschulsport stattfindet.

In einer ersten Gesprächsrunde am 11. Dezember versprachen USC und Universität ein entschiedeneres Vorgehen hinsichtlich rechtsextremer Vorfälle.

Am 31. Januar 2024 (Mittwoch) fand nun eine zweite Gesprächsrunde statt, in der über die konkreten Schritte informiert wurde. So hat der USC eine neue Hausordnung erlassen. Damit soll offen rassistisch und diskriminierend agierenden Mitgliedern der Zutritt verweigert werden können, wie es vom Verein hieß. Die neue Hausordnung wurde den Studierenden der Europa-Universität Viadrina und Uni-Vertretern am Mittwochabend präsentiert.

Auch Satzung des Sportclubs der Uni in Frankfurt (Oder) soll geändert werden

Grundlage der Vereinsarbeit sei das Bekenntnis aller Mitglieder zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, hieß es.

Der Verein trete rechtsextremen, rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Bestrebungen entschieden entgegen. Der Sportclub biete nur solchen Personen eine Mitgliedschaft an, die sich zu diesen Grundlagen bekennen würden. Auch die Satzung des Vereins soll geändert werden, um Mitglieder ausschließen zu können, wie es vom USC hieß.

Bei dem Gespräch mit der Leitung des Sportclubs und etwa 40 Studierenden berichtete die Viadrina-Universität auch über den Kontakt mit dem Staatsschutz. Diesem seien drei Personen bekannt, die in dem Sportclub trainiert hätten und die der rechtsextremen Szene angehörten, sagte Uni-Sprecherin Michaela Grün der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Aktuell gebe es nach Angaben des Staatsschutzes keine Beweise, dass verfassungsfeindliche Symbole gezeigt wurden.

Der Sprecher des Bündnisses „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“, Jan Augustyniak, bekräftigte in der Gesprächsrunde, dass der Zustand untragbar sei, dass an einem universitätsnahen Sportclub Studierende „durch Neonazis eingeschüchtert“ würden.

Das Gespräch mit dem Sportclub bewertete die Uni-Sprecherin als positiv. „Es war ein konstruktiver Austausch, bei dem sich alle Beteiligten darüber einig waren, dass man eine weltoffene Kultur auch im Fitnessbereich des USC stärken will.“ Als weitere Maßnahme werde im April Mitarbeitenden des Sportclubs ein Workshop angeboten, um zu sensibilisieren. Im Mai wolle man wieder zusammenkommen.

An der Viadrina-Uni an der Oder lernen über 4500 Studierende aus 108 Ländern. Der Anteil ausländischer Studierender an der Viadrina liegt bei einem Drittel. Die größten Gruppen an internationalen Studierenden kommen aus Polen, der Ukraine und der Türkei.

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