Verkehr in Polen
: Kilometerlange Staus in Słubice und auf der Autobahn

Wer aktuell aus Polen kommt und Richtung Deutschland fährt, muss bei Słubice und Swiecko mit langen Staus rechnen. Den zweiten Tag in Folge geht es in der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder) und auf der polnischen Autobahn A2 nur sehr langsam voran.
Von
Thomas Gutke,
Lisa Mahlke
Słubice
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Richtung Deutschland ist alles dicht. Auf der Autobahn A2 in Polen, die in die A12 mündet, ist zwischen Świecko, Słubice und Frankfurt (Oder) Stau.

Thomas Gutke

Rückreiseverkehr nach den Feiertagen, Grenzkontrollen, eine auf eine Spur verengte Autobahn A12, ein schwerer Unfall — wer aus Polen kommend Richtung Deutschland unterwegs ist, hat es aktuell schwer. Auf der polnischen A2, in der Innenstadt von Słubice und rund um Świecko gibt es zu Jahresbeginn kilometerlange Staus.

Bereits am Dienstag (2.1.) mussten Autofahrer insbesondere auf der polnischen A2 und der deutschen A12 Geduld mitbringen. Live–Verkehrsdaten von Google Maps zeigten um kurz nach 20 Uhr einen mehr als 20 Kilometer langen Rückstau bis nach Rzepin. Am Mittwochabend (3.1.) reichte der Rückstau auf der Autobahn nicht ganz so weit, aber immerhin noch bis Swiecko.

Grund für die Autokolonnen dürften neben einem nach den Feiertagen hohen Verkehrsaufkommen unter anderem die stationären Grenzkontrollen auf der A12 sein. Hinter der Oderbrücke ist eine Fahrspur auf einem kurzen Abschnitt gesperrt, Autos und Lkw müssen langsam an den Bundespolizeibeamten vorbei, die dann vereinzelt Fahrzeuge zur Kontrolle herauswinken.

Lkw-Fahrer, die aus Richtung Poznań kommen und auf der Autobahn A2 und A12 von Polen nach Deutschland fahren, stehen im Stau.

Thomas Gutke

Polnisches Nachrichtenportal berichtet über einen Unfalltoten auf der Autobahn

Am Mittwoch kam im Laufe des Tages dann noch ein schwerer Unfall auf der polnischen A2 hinzu. Nach Angaben von „Słubice 24“ prallte wenige Kilometer vor der Grenze ein Auto auf einen Sattelschlepper. Wie die Polizei dem Nachrichtenportal bestätigte, soll ein 57 Jahre alter Autofahrer dabei ums Leben gekommen sein.

Wer am Mittwoch am Knotenpunkt der A2 und der Landstraße DK29 bei Świecko versuchte, nach Deutschland zu fahren, steckte daher regelrecht fest: Fast eine Stunde dauerte es, von dort über die Überlandstraße nach Frankfurt zu kommen — eine Strecke von nicht einmal zehn Kilometern. Bei einigen Routenoptionen der Navigationsapps tauchte diese Route schon gar nicht mehr auf. Alternativ ließ sich über die A2 und dann A12 fahren — aber dieser Weg dauerte noch länger. 50 Minuten Verzögerung durch einen Stau zeigte Google Maps an.

Die Verkehrslage am Mittwochnachmittag im Raum Slubice / Frankfurt (Oder) laut Google Maps. Rot heißt Stau.

Screenshot Google Maps

Zahlreiche Hauptverkehrsstraßen in Słubice über Stunden verstopft

Eine kleine, holprige Straße, die parallel zur Oder unter der A2 entlang verläuft und die kurz vor dem großen Basar in die DK29 mündet, schien die einzige Route zu sein, mit der sich beide Staus umfahren ließen. Google Maps zeigte aber auch hier einen Umweg durch ganz Słubice bis fast zum kleinen Markt an, um den innerstädtischen Stau so gut es geht zu umfahren.

Stau auf der ulica Kościuszki in Słubice bei Frankfurt (Oder)

Lisa Mahlke

Denn viele Autofahrer und auch Reisebusse weichen auf Słubice aus, sobald es voller auf der A2 und A12 wird, um über die Stadtbrücke nach Deutschland einzureisen. Zahlreiche Hauptverkehrsstraßen waren daher am Dienstag und Mittwoch über Stunden verstopft. Es staute sich kilometerlang — darunter auf der Verkehrsader ulica Kościuszki, an der sich viele Tankstellen befinden, sowie auf der Landesstraße 137 Richtung Kunowice.

Einsatzwagen des Rettungsdienstes und der Polizei hatten Mühe, sich ihren Weg durch die Fahrzeugkolonnen in der Frankfurter Nachbarstadt zu bahnen. Auch der grenzüberschreitende Bus 983 stand im Stau und bewegte sich nur im Schritttempo von Haltestelle zu Haltestelle.

Auch der grenzüberschreitende Bus 983 steckt in Słubice bei Frankfurt (Oder) im Stau fest, hier in der ulica Mickiewicza am Collegium Polonicum der Viadrina.

Thomas Gutke

Kurz vor der Stadtbrücke versuchen Polizisten, den Verkehr zu regeln

Am Kreisverkehr Rondo Solidarności versuchten derweil Słubicer Stadtpolizisten, im Regen den Verkehr zu regeln. Allerdings ging es auch über die Brücke wegen der Kontrollstelle der Polizei zeitweise nur schleppend vorwärts. Etwas besser wurde es erst in den späten Abendstunden.

Stau in Słubice bei Frankfurt (Oder), die Polizei regelt den Verkehr am Kreisverkehr.

Thomas Gutke

In polnischen sozialen Netzwerken beschwerten sich derweil viele Autofahrer über die Verkehrslage. „Słubice24“ postete zahlreiche Fotos von nicht enden wollenden Autokarawanen. Viele Nutzer machten dazu in den Kommentarspalten ihrem Ärger Luft. „Gubin ist leer. Krajnik ist leer. Kostrzyn ist leer. Was ist los mit Słubice?“, fragte ein User.

Eine Słubicerin berichtete, sie habe über eine Stunde länger von der Arbeit nach Hause gebraucht. „Dies ist ein sehr gutes Training in Geduld und Akzeptanz …“ Auch andere übten sich in Sarkasmus. In einem Kommentar hieß es: „Blicken wir in die Zukunft und stellen uns vor, dass die Hälfte dieser Schlange aus Elektroautos mit nicht vollständig geladenen Batterien besteht …“

Ähnlich lange Staus hatte es bereits am 5. November, kurz nach Allerheiligen, gegeben. Damals sorgte ebenfalls das Zusammenspiel aus Grenzkontrollen, dem Ferienrückreiseverkehr und einem Unfall für Verkehrschaos. Daraufhin gab es sogar eine Demo in der Słubicer Fußgängerzone.

Der Bau einer Umgehungsstraße für Słubice ist noch weit weg. Gleiches gilt für eine mögliche zweite Brücke. Für beide Projekte sind Machbarkeitsstudie in Planung. Als eine kurzfristige Möglichkeit, die Verkehrslage zu entspannen, sehen viele die Verlagerung der Kontrollen von der A12 auf die polnische A2. Doch die polnische Seite lehnt das bisher ab.

Kontrollstelle am ehemaligen Grenzübergang Swiecko könnte Abhilfe schaffen

„Leider ist es nicht gelungen, die Kontrollstelle am ehemaligen Übergang in Świecko einzurichten. Dort wäre eine mehrspurige Einreisekontrolle möglich gewesen“, erklärte dazu Anja Pester von der Pressestelle der Bundespolizeidirektion vor einigen Wochen auf Anfrage. Dennoch sei die Bundespolizei „bestrebt, die Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Personen– und Güterverkehr an den Kontrollstellen so gering wie möglich zu halten“, hieß es weiter.