Wiedersehen: Astrid Höschel-Bellmann gastiert in Beeskow
Gut möglich, dass dieser Stachel der Schauspielerin im Fleisch gesessen hat. Als eine Kollegin ihr Jahre später vorschlug, doch selbst einen Piaf-Abend zu machen, fiel diese Idee jedenfalls auf fruchtbaren Boden. „Ich habe recherchiert, selbst geschrieben, fiktive Gespräche erfunden“, erzählt sie. Und das Ganze mit den Liedern der nur 1,47 Meter großen Diva verwoben.
Mit der so entstandenen Hommage an die „Tragödin des Chansons" tourt Astrid Höschel-Bellmann nun seit etlichen Jahren schon durch die Kleinkunstsäle der Republik. In Frankfurt aber, wo die Wurzeln ihrer Piaf-Liebe liegen, war sie mit dem Programm noch nie. Nun kommt sie wenigstens in dessen Nähe: Am 19. Oktober wird der Abend auf der Burg Beeskow laufen. „Ich bin so froh, dass das geklappt hat“, sagt sie – und das sie dann auf jeden Fall auch einen Abstecher an die Oder machen will.
Auf ihre Zeit dort blickt Astrid Höschel-Bellman mit Wehmut zurück, nicht mit Groll. 16 Jahre lang war die Schauspielerin am Kleist-Theater engagiert, bis im Jahre 2000 das Aus für das Ensemble kam. „So viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren“, bedauert sie noch heute und erinnert an die Bedeutung der Bühne in der Gerhart-Hauptmann-Straße. „Wer dort alles seine Karriere gestartet hat: Andreas Kriegenburg, Armin Petras – Frankfurt war eine Talentschmiede für junge Leute, ein Ort, an dem man sich ausprobieren konnte.“
Für Astrid Höschel-Bellmann, geboren 1957 auf Schloss Dornreichenbach bei Wurzen (Sachsen), war es als junge Schauspielerin – nach dem „Theater der Bergarbeiter“ in Senftenberg – die zweite Station. Sie hat in Frankfurt in Klassikern wie Kleists „Familie Schroffenstein“ ebenso auf der Bühne gestanden wie in Stücken der Gegenwartsdramatik, hat in Musicals mitgewirkt und Lese-Abende gemacht. Sich von Haus und Ensemble, letztlich auch von Publikum und Stadt verabschieden zu müssen, ist ihr nicht leicht gefallen. „Der Gedanke an die Vorstellung ,Zum letzten Mal!‘ im April 2000, als der Eiserne Vorhang für immer fiel, bereitet noch heute Gänsehaut.“
Horst Damm gehört zu den Kollegen, mit denen Astrid Höschel-Bellmann auch später noch Kontakt gehalten hat. Gemeinsam haben sie zum Beispiel einen Robert-Schumann-Abend auf die Bühne gebracht; in Weimar soll mit „Unsterblichkeit“ bald ein Stück von Rolf Schneider folgen. Nach dem Ende des Kleist-Theaters war Damm als Ensemblemitglied ans Theater Rudolstadt gewechselt, während Astrid Höschel-Bellmann ihr Glück als freie Schauspielerin versuchte. „Mir ist das richtig schwer gefallen“, erzählt sie. „In Frankfurt stand ich immer auf dem Besetzungszettel. Proben, Auftritte, dazu hatte ich ein Kind … Ich konnte mich vor Arbeit kaum retten. Und dann fand plötzlich gar nichts mehr statt. Das war richtig hart.“ Keiner in Leipzig, wohin sie damals wieder gezogen sei, habe sie gekannt – „und wenn dann nur als Frau von „ … in ihrem Fall des bekannten Schauspielers Dieter Bellmann (1940-2017) aus der ARD-Fernsehserie „In aller Freundschaft“.
Eine schwere Zeit. Und trotz allem auch der Beginn einer neuen Leidenschaft. Um ihren Tatendrang zu kanalisieren, machte Astrid Höschel-Bellmann nämlich irgendwann einen Malkurs mit. Ganz ohne Hintergedanken. Erst Freunde hätten sie später überredet, ihre Arbeiten doch mal auszustellen. Und so gibt es neben der Schauspielerin, die heute vor allem vor der Fernsehkamera und mit Lese-Abenden unterwegs ist, mittlerweile die nicht weniger erfolgreiche Malerin Astrid Höschel-Bellmann.
Nach Beeskow bringt sie statt ihrer Bilder aber nun erst einmal die Lieder der Piaf, wunderbare Chansons, die „nicht zu trennen sind vom Leben, von unseren Erfahrungen“. „Obwohl ich das Programm schon so oft gespielt habe, ist es noch immer eine Herausforderung“, sagt Astrid Höschel-Bellmann. Und verrät: „Wenn ich auftrete, habe ich immer ein bisschen das Gefühl, Edith sitzt mir auf der linken Schulter.“
Piaf – eine Hommage an die Chansonnette, 19.Oktober, 19 Uhr, Burg Beeskow, Kartentelefon 03366 352727

