Zukunft des WK IV: Grüne Wiese statt Eigenheime in Neuberesinchen

Neuberesinchen: 6000 Wohnungen wurden seit 2000 abgerissen, die Einwohnerzahl sank von 16 000 auf 5000.
René MatschkowiakAuch in Neuberesinchen? Der Umgang mit dem sogenannten vierten Wohnkomplex (WK IV) ist einer der umstrittensten Punkte in der Stadtumbaustrategie. Viele Stadtpolitiker sehen auf den begrünten Abrissflächen zwischen der Birkenallee, dem Straßenbahngleis und der Straße Am Goltzhorn bereits eine neue, grüne Stadtrandsiedlung, allen voran die CDU. „Wir denken, dass die Zeit eigentlich schon gekommen ist, den WK IV zu bebauen“, befand der Fraktionsvorsitzende Michael Schönherr vorige Woche im Stadtentwicklungsausschuss. Er sehe unter anderem eine große Nachfrage nach großen Grundstücken von über 1000 Quadratmetern, die Frankfurt absehbar nicht abdecken könne. Der WK IV aber sei für eine größere Parzellierung gut geeignet.
Tatsächlich ist die Stadtverwaltung von ihrer Maximalposition, das Areal gar nicht erst in der Stadtumbaustrategie zu berücksichtigen, inzwischen abgerückt. Der WK IV wird demnach nun als Potenzialfläche ausgewiesen. „Wenn es stärkeren Zuzug gibt als erwartet, die vorhandenen Grundstücke schnell bebaut werden und es darüber hinaus noch Bedarf gibt, den wir uns nicht entgehen lassen dürfen, dann wird der Weg für den WK IV geöffnet – aber erst dann“, erklärt Oberbürgermeister René Wilke.
Vorerst aber will die Stadt die Abrissflächen brach liegen lassen. Denn in der Innenstadt stünden in den nächsten Jahren genug Flächen zur Verfügung, heißt es aus dem Baudezernat. Auf mehreren Bauarealen sei Platz für bis zu 1800 Wohnungen, darunter 660 in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Ein Beispiel dafür findet sich auch im nördlichen Neuberesinchen mit dem Jungclaussenviertel zwischen Birkenallee und Güldendorfer Straße. Der Bebauungsplan sieht 7 Hektar neue Wohnbaufläche unter anderem für 87 Einfamilienhäuser vor – im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss fand der Plan bereits eine Mehrheit. Weitere große Flächenpotenziale gebe es in der neuen Gartenstadt Süd (am Langen Grund), am Winterhafen, in Nord oder in Altberesinchen-Ost (zwischen Görlitzer und Spremberger Straße). Baureif sind viele dieser Grundstücke gleichwohl noch nicht. Zum Teil fehlt noch das Planungsrecht. Außerdem befindet sich nur ein Drittel der Flächen im kommunalen Eigentum. Dennoch sagt René Wilke: „Wir wollen zuerst die Lücken schließen.“
Ausgewiesene Ausgleichsfläche
Aus Sicht der Verwaltung sprechen noch viele weitere Gründe gegen Einfamilienhäuser im vierten Wohnkomplex. Die Flächen gehören verschiedenen Eigentümern und sind technisch nicht erschlossen. Es handelt sich außerdem um ausgewiesene Ausgleichs- und Ersatzflächen – wird an anderer Stelle gebaut und abgeholzt, können hier neue Bäume gepflanzt oder Eidechsen angesiedelt werden. Nicht zuletzt muss die Stadt die Rückzahlung von Fördermitteln fürchten, wenn sie Abrissflächen wieder bebaut, ohne Fristen einzuhalten.
Mit der Ausweisung des Gebietes als Potenzialfläche will sich die CDU erst einmal abfinden. „Wir sind damit nicht zufrieden. Aber es geht in die richtige Richtung“, so Schönherr. Im Ausschuss wurde die Stadtumbaustrategie, die Grundlage für Fördermittel aus dem Stadtumbauprogramm ist, einstimmig zum Beschluss empfohlen – sogar der AfD-Fraktionsvorsitzende Ingolf Schneider lobte das Papier als „gelungen und ambitioniert“.
