„Es gibt keinen besseren Ort in Ostdeutschland“, findet Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle mit Blick auf die Bewerbung von Frankfurt (Oder) als Standort für das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation.
Gelebte Einheit, Bewegung, Kreativität und vor allem gemeinsames Gestalten, all das wolle man in Frankfurt zeigen – alles andere also als ein „Wendemuseum“, wie das Zentrum im Bewerbungsprozess mitunter genannt werde, erklärte sie am Donnerstag (19.1.) vor einer Podiumsdiskussion in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund in Berlin.
Zu dem Empfang in der Hauptstadt hatten die Ministerin und Oberbürgermeister René Wilke, der aus seinem Motivationsschreiben für die Bewerbung vorlas, eingeladen. Per Video drückten auch Ministerpräsident Dietmar Woidke und Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey ihre Unterstützung aus, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig steht ebenfalls hinter der Frankfurter Bewerbung.

Was Deutschland von Osteuropa lernen kann

Zwei Busse voller Menschen aus Frankfurt (Oder) waren angereist. In der von Claus Liesegang, Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau, moderierten Diskussion mit Prof. Dr. Jan Claas Behrends, Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast und Lilly Blaudszun von der Viadrina sowie Bozhena Kozakevych vom Collegium Polonicum und DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin als Gästen ging es vor allem um die Frage, was Deutschland von der Transformation in Osteuropa lernen kann – kurz bevor am kommenden Dienstag (24.1.) die Auswahlkommission für das Zukunftszentrum nach Frankfurt reist.
Warum die Oderstadt der richtige Ort für das Zukunftszentrum wäre, dazu gibt es aus Sicht der Podiumsgäste mehrere Gründe: Aufbruch erlebe man in der Stadt jeden Tag (Lilly Blaudszun), so eine Doppelstadt wie Frankfurt (Oder) und Słubice und eine Universität wie die Viadrina und das Collegium Polonicum gebe es sonst nirgendwo (Dagmara Jajeśniak-Quast).
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„Es gibt keinen anderen Ort, an dem man Mittel- und Osteuropa und dieses Zusammenleben auf der Alltagsebene so erleben kann“ (Bozhena Kozakevych) – Besucher würden auf dem Weg zum Zukunftszentrum genau diese Vielfalt mitbekommen. Eine These laute außerdem, sagt Wolfgang Templin, dass sich das europäische Gravitationszentrum nach Osten verschiebe – wenn man diese These ernst nehme, „dann muss ich diesen Raum erschließen. Und wo könnte ich das anders als in einem Zentrum mit dem Standort in Frankfurt (Oder)?“
Das Zukunftszentrum wäre auch ein Zeichen Deutschlands an die östlichen Nachbarn: „Ja, wir glauben an diese gemeinsame Zukunft, wir glauben an das unvollendete Projekt Europa und wir wollen es nicht oberlehrerhaft, sondern gemeinsam mit euch gestalten“ (Jan Claas Behrend). Das sei der Standortvorteil Frankfurts.

„Einheit in der Vielfalt“ soll das Zukunftszentrum vermitteln

Frankfurt sei auch dazu geeignet, erlebbar zu machen, wie Europa vor 1989 war, ist er sich sicher. Die Stadt sei ein besonderer Ort, an dem die „Überwindung der Teilung besser zu verstehen ist als an anderen Orten in Deutschland und Europa“. Gerade für Schulklassen in ganz Deutschland, die mindestens einmal in ihrer Schulzeit das künftige Zukunftszentrum besucht haben sollen, könnte dieser Aspekt wichtig sein.

Oberbürgermeister René Wilke lädt zum Neujahrsempfang 2023

■ Am Samstag, 28.01., findet von 11 bis 14 Uhr der Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters von Frankfurt (Oder) im Kleist Forum statt.
■ Alle Interessierten sind eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
■ Der Neujahrsempfang dreht sich rund um das Zukunftszentrum: Zu hören ist der „Oderküken-Song“, der für die Bewerbung komponiert wurde, René Wilke spricht unter anderem zum Stand der Bewerbung und im Anschluss findet der „Markt der Brückenbauer“ statt, mit Filmvorführungen, Websitepräsentationen, Theaterperformances und Installationen.
■ Livestream des Bühnenprogramms: Facebookseite „Rathaus Frankfurt Oder
Dagmara Jajeśniak-Quast versteht das künftige Zukunftszentrum auch als Plattform, auf der Schülerinnen und Schüler mit Besuchern an einen Tisch kommen. Man müsse sich schon Gedanken machen, welche Formate in so ein Zukunftszentrum passen, sagt sie, „und das können wir nicht nur mit Museum und Vergangenheit, Ausstellungen und materiellen Objekten“. Man könnte den Schülern stattdessen eine Aufgabe geben: etwa, selbst eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, mit Filmen und digitalen Medien.
Wolfgang Templin ist ebenfalls wichtig, den Schülern Wissen mitzugeben – aber ohne Vorurteile, sondern so, „dass es uns näher bringt in eine Zukunft, die Einheit in der Vielfalt bedeuten wird“. Er findet: „Polen wird sich in Vielem weiter wahnsinnig von Deutschland unterscheiden, und die Ukraine auch.“ Vielfalt einzufangen und sich ihr zu stellen, fange schon bei Schülergruppen im künftigen Zentrum an und dabei, „ihnen dort nicht nur eine fertige Lektion mitzugeben.“
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