Heute feiert Egbert Treptow seinen 65. Geburtstag und verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit  Wehmut hat der Facharzt  für Physikalische und Rehabilitative Medizin am Montag die letzten Patienten empfangen. Die Räumlichkeiten am Kurpark sind jetzt geschlossen. "Ich hätte meine Praxis gern an einen jungen Kollegen übergeben", sagt Egbert Treptow. Seit Jahren war der Mediziner auf der Suche nach einem Nachfolger – leider ohne Erfolg.  Er hatte sogar ein Vermittlungsbüro eingeschaltet. Auch seine guten Kontakte zur Klinik Sommerfeld, in der Rehabilitationsmediziner ausgebildet werden, fruchteten nicht.
"Solch eine Praxisaufgabe ist frustrierend und hat große bürokratische Hürden", sagt Egbert Treptow, der in 20 Jahren um die 10 000 Patienten mit chronischen Gelenk- und Rückenschmerzen meist über Jahre betreut hat.  In der Region war er der einzige Rehabilitationsmediziner. "Die Aufgabe der Praxis wird eine große Lücke reißen. Ich habe mich hier immer gut aufgehoben gefühlt", sagt Christel Flack (68) aus Fürstenwalde. "Mein Rücken ist kaputt. Mir haben die physikalischen Therapien gut geholfen. Wo soll ich jetzt hingehen?", fragt sich Sabine Splettstößer (78) aus Bad Saarow.   Auch Norbert Fischer (64) aus Wendisch Rietz hat keine Vorstellung, wie es weitergehen soll. "Wer sorgt jetzt für Linderung meiner Rückenprobleme?" Auch für Physiotherapien war Egbert Treptow stets ein Partner. "Er hatte immer ein offenes Ohr und stand bei Behandlungen beratend zur Seite", sagt die Fürstenwalder Physiotherapeutin Peggy Schüler, die 15 Jahre mit Egbert Treptow im Dienste der Patienten zusammen gearbeitet hat. "Rehabilitationsmediziner haben bei der Be­hand-­lung  den ganzen Menschen im Blick und setzen auf konservative Therapien wie zum Beispiel Bindegewebemassage oder Unterwassermassage, die Hausärzte meist nicht verordnen. Auch für die Schwester Beate Schmidt, die 20 Jahre in der Praxis hauptsächlich die physiotherapeutischen Behandlungen durchgeführt hat, geht eine Ära zu Ende. Die 55-Jährige wird die familiäre Atmosphäre vermissen. "Für mich bedeutet die Schließung ein Neustart in einer anderen Praxis", erzählt sie.
Zeit für den Enkel
Egbert Treptow freut sich auf einen aktiven Ruhestand. Er wird sich im Rehasportbereich engagieren und bei Bedarf Wissen vermitteln. In der Volkshochschule möchte er italienisch lernen. Gern erinnert er sich an die Internationalen Rheuma-Tage in Italien, die viele wissenschaftliche Begegnungen  mit prominenten Medizinern geboten haben. Auch ist da noch der sechsjährige Enkel, mit dem er Zeit verbringen möchte. Bad Saarower Kurdirektor Axel Walter und Bernd Gestewitz möchten mit Egbert Treptow in Kontakt bleiben und wünschen sich eine weitere Zusammenarbeit.

Drei Fragen an Diplom-Mediziner Egbert Treptow

Wer hat Sie in Ihrem Leben geprägt?   Das war eindeutig meine russische Großmutter mit ihrer Menschlichkeit und dem kirchlichen Glauben. Sie hat immer die Großfamilie, in der jeder für den anderen einsteht, gelebt. Während meiner Ausbildung habe ich mit großartigen Medizinern  zusammen gearbeitet, denen ich viel verdanke.

Was würden Sie ändern, wenn Sie Bürgermeister wären? Ich würde mich dafür einsetzen, dass Menschen ein vernünftiges Einkommen haben. Als Politiker sollte man zuhören und mit den Leuten im Gespräch sein. Das Gesundheitswesen benötigt dringend eine Reform. Ärztenachwuchs muss gefördert werden.

Würden Sie noch einmal woanders hinziehen? Ja, wenn ich jünger wäre. Ich liebe Italien. Die mediterrane Lebensweise und die Menschen, die mit der Sonne leben, faszinieren mich.  Ich hätte dort gern als Arzt gearbei-tet.  Aber jetzt gehe ich in den Ruhestand, den ich in meiner Heimatstadt Fürstenwalde genieße. bw