Antisemitismus in Fürstenwalde: Erneut Angriff auf Schaukasten mit Davidstern – Steine auf Pfarrhaus
Der Zusammenhang ist offensichtlich und schmerzt nicht nur Kevin Jessa, den evangelischen Pfarrer der Domgemeinde von St. Marien in Fürstenwalde. Unbekannte haben erneut den Solidaritätsaufruf der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewaltsam aus dem Schaukasten vor dem Pfarrhaus an der Karl-Marx-Straße entfernt, auf dem ein Davidstern mit der Aufschrift „Wir schützen jüdisches Leben/We protect Jewish life“ abgebildet war.
Dies ist der zweite antisemitische Vorfall, der Fürstenwalde und den gesamten Landkreis Oder-Spree erschüttert. Bereits am 11. November 2023 hatte der evangelische Pfarrer mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Schaukasten, der den gleichen Aufruf enthalten hatte, gewaltsam zerstört und dessen Inhalt entfernt worden war.
„Wir sind sprachlos, dass die Bekundung von Solidarität mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern diese Ablehnung erzeugt“, hatte Kevin Jessa nach dem ersten Vorfall auf Facebook geschrieben. Die evangelische Gemeinde bleibe an der Seite ihrer jüdischen Glaubensgeschwister, er lasse sich nicht zum Schweigen bringen.
Auf WhatsApp berichtet der Pfarrer aus Fürstenwalde jetzt, dass seinen Partner und ihn mehrere laute Schläge in der Nacht zum 14. November 2023 veranlasst hätten, draußen nachzuschauen, was passiert sei. Dort hätten sie entdeckt, dass erneut die Solidaritätserklärung an die Juden erneut aus dem Schaukasten entfernt worden war. Außerdem sei ihnen aufgefallen, dass das Pfarrhaus mit Steinen beworfen wurde. Auch ein Fenster sei zur Zielscheibe worden. „Das Fenster hielt stand, Gott sei Dank wurde niemand verletzt. Die Polizei nahm die Anzeige auf“, schreibt Kevin Jessa weiter.
Fürstenwalde – Schaukasten bleibt leer
Der Schaukasten bleibe jetzt fürs Erste leer. „Der Schutz der Mieter und unser Selbstschutz ist uns nun auch wichtig“, teilt der evangelische Pfarrer der Domgemeinde St. Marien zu Fürstenwalde mit. Es gehe ihm auch darum, Ruhe in einen Konflikt, um den Schaukasten zu bringen.

Jetzt leer - der Schaukasten am Pfarrhaus in Fürstenwalde. Er wird auch leer bleiben.
Joachim EggersEr hoffe jetzt auf Solidarität aus der Stadt und der Umgebung, erkläte Jessa später, um wieder in Richtung Dialog zu kommen. Er werde jetzt auch Beratung zum weiteren Umgang suchen.
Bei der Polizei hat jetzt endgültig der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, wie Sprecher Stefan Möhwald mitteilte. Die Vorwürfe lauten Sachbeschädigung und Diebstahl in besonders schwerem Fall. Die Polizei sucht jetzt Zeugen der Vorfälle oder andere Personen, die sachdienliche Hinweise zur Ergreifung der Täter geben können. Meldungen unter Tel.: 03361 568-0 oder über die Internetwache.
Eine mögliche Reaktion der Zivilgesellschaft von Fürstenwalde hat Steffen Madloch skizziert. Auf Facebook schrieb der frühere Pfarrer von Grünheide: „Es wäre doch ein Träumchen, wenn alle öffentlichen Gebäude, Geschäfte, Arztpraxen etc. den Aufruf zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland öffentlich aushängen würden.“
In einer früheren Version des Textes hatte es irrtümlich geheißen, der Schaukasten sei erneut zerstört worden. Wir bitten um Nachsicht.


