Badesaison: Engpass an Ehrenamtler legt Wasserrettung lahm
Helfen und Retten von in Not geratenen Personen im, auf und am Wasser – dieser Aufgabe haben sich die 23 Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Oderland seit Jahren am Scharmützelsee gestellt.
In dieser Saison ist ihr Stützpunkt bei der Seglergemeinschaft Scharmützelsee (SGS) auf der Halbinsel Saarow-Dorf, wo Räume gemietet sind und ein Liegeplatz für das Motorrettungsboot vorhanden ist, aber verwaist. Nur ein Schild am Eingang des Seglervereins weist noch darauf hin, dass dort Wasserretter stationiert waren. „Wir haben personelle Engpässe, deshalb mussten wir uns vom Scharmützelsee zurückziehen“, teilt Vizechef Daniel Rohmann auf Nachfrage mit. Die Wasserrettung sei nur mit ehrenamtlichen Kräften nicht mehr zu stemmen. „Das ist sehr schade, zumal die DLRG auch Regatten und andere Veranstaltungen auf dem See abgesichert hat“, sagt SGS-Vereinschef Christian Spiering.
Der 2016 mit dem Amt Scharmützelsee geschlossene Vertrag sieht vor, die Badesaison von Mai bis September an den Wochenenden abzusichern und während der Sommerferien sogar täglich vor Ort zu sein. Das sei keine Pflichtaufgabe von Seiten des Amtes, teilt Ordnungsamtsleiter Jürgen Knuth mit. Man hat sich trotzdem auf einen jährlichen Zuschuss von 7500 Euro geeinigt, den sich die anliegenden Gemeinden Bad Saarow und Wendisch Rietz mit jeweils 2500 Euro sowie Diensdorf-Radlow und Reichenwalde mit je 1250 Euro aufteilen. Von diesem relativ geringen Betrag wurden laut Rohmann alle Unkosten beglichen wie zum Beispiel Bootsliegeplatz, Fahrtkosten, Verpflegung und Aufwandsentschädigungen (20 Euro pro Tag) für die ehrenamtlichen Wasserretter. Auch der jährlich geforderte TÜV aller medizinisch notwendigen Geräte und die Durchsicht der beiden Einsatzboote wurden aus dem Fond finanziert.
Schon im Frühjahr informierte der DLRG-Vorstand die Verwaltung vom derzeit herrschenden personellen Notstand. „Mitgliederschwund und fehlender Nachwuchs erschweren die gemeinnützige Arbeit“, erläutert Rohmann, der sich zugleich über in der Vergangenheit erlebte Ignoranz von Bootsführern bis hin zu Aggressionen gegenüber Einsatzkräften ärgert. Auch bei der Alarm- und Ausrückeordnung – die im Ernstfall von der Leitstelle koordiniert wird – liege einiges im Argen.
Unstimmigkeit mit der Leitstelle
„Im letzten Jahr gab es zum Beispiel eine Kopfverletzung auf dem Vereinsgelände der SGS. Die dort ansässigen Wasserretter wurden von der Leitstelle nicht alarmiert“, erzählt Rohmann, der den Scharmützelsee aber nicht ganz abgeschrieben hat. Im Dezember sollen die Gespräche mit der Verwaltung wieder aufgenommen werden.
Die Gemeinde Grünheide hat seit Jahren mit der DLRG Oder-Spree einen Vertrag zum Überwachen des Badebetriebes am Peetzsee-Sandstrand. Laut Ordnungsamtsleiter Nico Bauermeister geht es um den Zeitraum 15. Mai bis 31. August, der, je nach Wetterlage, auch verlängert werden kann. Jeweils Sonnabend und Sonntag, und dann in der Zeit von 10 bis 20 Uhr, sind die Wasserretter vor Ort. Der Einsatz wird monatlich nach geleisteten Stunden mit 9,50 Euro je Stunde vergütet. Allerdings hat die DLRG auf Nachfrage mitgeteilt, dass es auch dort personell nicht möglich sei, alle in Frage kommenden Tage abzusichern.
Der Pächter des Storkower Strandbades, Ronny Forche, hat für die Überwachung des Badebetriebes einen Vertrag mit der DRK-Wasserwacht Fürstenwalde abgeschlossen. Ein bis drei Ehrenamtler – die Einsätze richten sich nach Witterung – sind während der Öffnungszeiten vor Ort.
Kommentar: Bademeister für den See
Das Märkische Meer ist beliebt und wurde zum zweiten Mal zum Lieblingssee Deutschlands gekürt. Es lockt jährlich viele Touristen an, die allein in Bad Saarow im vergangenen Jahr 554 900 Euro Kurtaxe zahlten. Sollten sie dafür nicht auch erwarten können, dass sie wenigstens einen bewachten Badestrand haben? Den gibt es nicht. Nicht einmal mehr vom Wasser aus haben Retter die Strände seit dieser Saison im Auge.
Das mag für Eltern mit Kindern genauso beunruhigend sein wie für Senioren, die bei den tropischen Temperaturen mit ihrem Boot unterwegs sind oder einfach nur eine Runde schwimmen wollen. Eine Region, für die der Wasser-Tourismus ein ganz entscheidender Wirtschaftszweig ist, und die sich über steigende Übernachtungszahlen freut, braucht diesen Service einfach. Das Wassersportangebot soll ausgebaut werden, um das Gewässer attraktiver zu machen – was wiederum das Unfallrisiko erhöht.
Ehrenamtliche Wasserretter sind aber rar. Eine Erhöhung des Zuschusses würde angesichts der personellen Misere wenig bringen. Warum ist es nicht möglich, Bademeister fest anzustellen? Dann könnte man sogar den Service anbieten, schwimmen zu lernen.⇥Bettina Winkler


