Frau sein, das habe sie erst nach der Wende gelernt, als sie beruflich Kontakt zu "Westfrauen" hatte. "Das war für mich ein Aufbruch: Klar, warst du stark, hast gearbeitet, aber durch das Frauenbild im Westen habe ich mir bewusst gemacht, auch Frau und Mutter zu sein", sagt eine Zuschauerin, die am Dienstagnachmittag mit gut 40 anderen den Film "Wenn Mutti früh zur Arbeit geht. Frauen in der DDR", sah. Die Caritas hatte dazu eingeladen.
Filmemacherin Freya Klier hat ihn zusammen mit ihrer Tochter Nadja vor zwei Jahren gedreht; dafür neben der eigenen Großmutter in Dresden Frauen in Städten und auf dem Land gefragt, wie sie die Doppelbelastung aus Berufstätigkeit und Kinderbetreuung erlebten. "Gab es Gleichberechtigung", fragt Nadja Klier, die die Interviews geführt hat, an einer Stelle. "Ja, Frauen wurden im Betrieb sogar bevorzugt", antwortet im Film ein Passant. Die Frauen im Veranstaltungssaal "Neue Welt" schmunzeln. Ebenso bei der Befragung eines anderen Herren noch zu DDR-Zeiten: "Haushalt? Macht meine Frau. Ich bin verheiratet", lautet seine Antwort.
1981/82 habe sie, damals als Regieassistentin am Theater Schwedt tätig, die erste geheime Frauenbefragung in der DDR durchgeführt, erzählt Freya Klier in der "Neuen Welt". Dabei habe sie Dinge erfahren, die laut auszusprechen ein Tabu war. In ihren Büchern, Essays und Filmen widmet sie sich immer wieder den Frauen. "Das Problem ist, dass in der DDR über nichts informiert wurde", sagt Klier. Nicht über Mängel in der Krippenerziehung, nicht über Gewalt in der Familie, nicht über die hohe Abtreibungsquote, die Statistiken belegen würden und die symptomatisch für eine Zeit gewesen seien, in der auf die Frau als Arbeitskraft fest gesetzt wurde.
"Heute machen Männer mehr im Haushalt und tragen so zur Gleichberechtigung bei", meldet sich eine Frau nach dem 40-minütigen Film zu Wort. Das beste Beispiel sei ihr Sohn.

Was noch los ist

Frauen, Frühstück, Politik

Wie steht es um den Einfluss von Frauen in der Politik, 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts? Die Gefas möchte darüber mit interessierten Bürgern beim Themenfrühstück am Donnerstag, ab 9 Uhr, diskutieren. Kosten: 2 Euro; Anmeldung unter Tel. 0163 8921719.

Tabu im Wandel der Zeit

Über Paragraf 219 a und Schwangerschaftsabbruch im Wandel der Zeit informieren Ines Scholz und Ulrike Porsch am Donnerstag, 18 Uhr, bei Pro Familia, Karl-Liebknecht-Straße 63. Eintritt frei.