Die Zerstörung zieht sich über 100 Kilometer, sagt Lars Buchholz, der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) in Fürstenwalde. Am Montag (30. August) wird er zum dritten Mal Kollegen ins Flutgebiet nach Rheinland-Pfalz verabschieden. Ihr Einsatzort ist die Gemeinde Altenahr im Landkreis Ahrweiler. Auch Wochen nach dem verheerenden Starkregen gibt es für die Helfer vor Ort jede Menge zu tun.

Immer zehn Tage an Stück im Einsatz

„Am Montag fährt die Fachgruppe Notinstandsetzung und Notversorgung“, erklärt Buchholz. Für die zehnköpfige Gruppe ist es der zweite Einsatz in Altenahr. Der erste hatte die Fachgruppe Logistik und Materialwirtschaft in den riesigen Bereitschaftsraum am Nürburgring geführt. Später ging es direkt in die zerstörten Ortschaften.
Die THW-Helfer sind immer für zehn Tage vor Ort. Einige waren bereits beim Oder-Hochwasser 1997 sowie 2002 und 2013 im sächsischen Grimma im Dienst. Doch was sie derzeit in Rheinland-Pfalz erlebten, habe selbst für die erfahrenen Einsatzkräfte eine noch nie gesehene Dimension. Die Zerstörung sei mit der des Oder-Hochwassers kaum zu vergleichen, sagt Buchholz.
Komplett zerstört: Wo einst Häuser und Straßen waren, ist in Teilen von Altenahr nur noch Schutt zu sehen.
Komplett zerstört: Wo einst Häuser und Straßen waren, ist in Teilen von Altenahr nur noch Schutt zu sehen.
© Foto: Henry Wieczorek/THW
In Altenahr wird auf einem Schulhof ein Logistikstützpunkt betrieben, berichtet er. Das THW übernimmt die Lagerverwaltung für die Einsatzkräfte, stellt Verbrauchsgüter und gespendetes Material bereit. „Damit haben die Bürger einen Anlaufpunkt, an dem sie sich Material und Werkzeug besorgen können“, erklärt der Ortsbeauftragte. „Wer einen Bautrockner braucht, bekommt ihn dort.“ Zudem wurde eine mobile Tankstelle errichtet und die Helfer fahren durch das Gebiet und versorgen Einsatzfahrzeuge und Stromaggregate mit Treibstoff.

Frankfurt (Oder)

Gefährliche Aufräumarbeiten

„Unsere Aufgabe ist die Gefahrenbeseitigung“, sagt Buchholz. Brücken müssen von Treibgut befreit und Gebäude gesichert werden. „Die Arbeit ist nicht ungefährlich“, berichtet er. Beim Einsammeln von Treibgut können die Helfer auch auf Gefahrstoffe und Leichen unter den Trümmern stoßen. Ihr Einsatzfahrzeug, der Gerätekraftwagen, ist mit allem ausgerüstet, was sie für die Aufräumarbeiten brauchen. „Schippe, Besen, Motorkettensäge – alles dabei“, sagt Buchholz. Doch bei der Trümmerbeseitigung helfe meist nur Handarbeit.
Treibstofflieferung für die Helfer: Das THW aus Fürstenwalde versorgt die Einsatzkräfte im Schadensgebiet.
Treibstofflieferung für die Helfer: Das THW aus Fürstenwalde versorgt die Einsatzkräfte im Schadensgebiet.
© Foto: Henry Wieczorek/THW
Die Helfer bringen ihre eigenen Zelte mit ins Katastrophengebiet, schlafen auf Feldbetten. Eigentlich seien die Behörden vor Ort für die Unterbringung zuständig, doch um sie zu entlasten, kümmern sich die THW-Kräfte aus Fürstenwalde selbst um ein Dach über dem Kopf. „Wenn wir runterfahren, sind wir so aufgestellt, dass wir drei Tage lang selbständig agieren können“, sagt Lars Buchholz. Danach werde neuer Treibstoff und Verpflegung benötigt. „Für die Unterbringung bringen wir alles mit“, betont er.

Dank an Familien und Arbeitgeber

Der Ortsbeauftrage ist den Familien und Firmen dankbar, die während der Einsätze zehn Tage lang auf ihre Angehörigen oder Arbeitskräfte verzichten müssen. Doch nicht überall gebe es Verständnis. „Es gab Arbeitgeber, die ihre Leute nicht freigestellt haben“, berichtet Buchholz. Im Großen und Ganzen habe das aber gut funktioniert. Wie oft seine Kollegen noch aus Fürstenwalde nach Altenahr fahren werden, kann er noch nicht sagen, doch Arbeit gebe es vor Ort genug. „Wir rechnen damit, dass die Einsätze noch mehrere Wochen weitergehen“, sagt er.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.

Die Flutkatastrophe im Landkreis Ahrweiler

17.000 Menschen haben durch das Hochwasser ihr Eigentum verloren.
467 Gebäude sind entlang der Ahr komplett zerstört.
Von 179,7 Kilometern an Straßen Brücken und Wegen wurden 73,9 Kilometer weggespült.
Von 112 Brücken sind 35 nutzbar, 17 eingeschränkt nutzbar, 53 zerstört und vier teilweise zerstört.
16 Schulen wurden zerstört.
133 Tote, vier Vermisste und 766 Verletzte sind zu beklagen.
(Quelle: THW Fürstenwalde)