Fürstenwalde
: 36 Gesellen im Alten Rathaus freigesprochen

Die Zeiten für Handwerk sind laut Kreishandwerksmeister gut. Derzeit übersteige die Nachfrage das Angebot in Oder-Spree.
Von
Ruth Buder
Fürstenwalde
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  • Glückliche Runde: Ausbilder Ralf Weser (v.l.) mit seinen Schülern Cyprien Fathey und Freddy Michel Ovongo Meba sowie Uwe Hoppe von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder)

    Glückliche Runde: Ausbilder Ralf Weser (v.l.) mit seinen Schülern Cyprien Fathey und Freddy Michel Ovongo Meba sowie Uwe Hoppe von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder)

    Ruth Buder
  • Gesellenprüfungen

    Gesellenprüfungen

    MMH/Jörn Sandner
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Aus gutem Grund:  36 junge Männer haben es geschafft und mit der Winterprüfung ihre Handwerkerausbildung erfolgreich abgeschlossen. Am vergangenen Sonnabend bekamen sie in feierlichem Rahmen ihre Zeugnisse überreicht.

Der 19-jährige Jason Steuke, der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gelernt hat, sitzt mit seinen Großeltern in der letzten Reihe und ist sehr aufgeregt. Angefangen hatte er mit der Lehre in Berlin, aber sein Ausbildungsbetrieb ging Pleite. Hans-Jürgen Idziak, Chef der gleichnamigen Firma in Erkner übernahm ihn gern. Der 65-Jährige bildet nach einer längeren Pause in seinem Unternehmen wieder aus und hat zur Zeit zwei Azubis. Und Jason bekommt auch eine Anstellung in der Idziak GmbH. „Ich bin sehr froh über meine berufliche Entscheidung“, sagt Jason, dem ein Praktikum bei der Berufsfindung half. Als er sein Zeugnis bekommt, gratuliert der Chef mit einem bunten Blumenstrauß.

Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), und Thomas Charlet, amtierender Kreishandwerksmeister, lobten den „geschätzten Berufsnachwuchs“ und das Handwerk im Allgemeinen. „Wir sind in der Gesamtheit das größte Unternehmen in Brandenburg und die sympathische Wirtschaftsmacht von nebenan“, wertet Charlet. Die Zeiten seien sehr gut, momentan übersteige die Nachfrage nach Handwerkern das Angebot. Von den Junggesellen wünschte er sich, dass sie „hier bleiben“ und den Meister anstreben. „Ihr seid unsere Hoffnungsträger.“ Ein wenig Hoffnung, dass wieder mehr Schulabgänger einen Handwerksberuf ergreifen, vermittelte Uwe Hoppe mit leicht steigenden Zahlen. Dennoch könnten mit diesen Größenordnungen bei weitem nicht alle Stellen besetzt werden.

Besonders freute sich Hoppe, dass auch Cyprien Fathey und Freddy Michel Ovongo Meba ihren Gesellenbrief als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bekommen. Die beiden Brüder aus Kamerun betraten 2013 nach einer Flucht im Schlauchboot durch die Meerenge von Gibraltar europäischen Boden und leben seit 2015 in Deutschland, erst im Aufnahmelager Eisenhüttenstadt, dann in Frankfurt (Oder). Von hier sollten sie wieder abgeschoben werden. Nur weil sich Menschen wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt und der Menschenrechtsanwalt Dieter Bollmann, der die Freisprechung mit großer Genugtuung miterlebte, für sie einsetzten und die Kirche Asyl bot, konnten sie bleiben.

Jörg Bredow, Chef des gleichnamigen Elektroinstallationsbetriebes in Wilmersdorf bei Briesen, lobt seine beiden Afrikaner in den höchsten Tönen. „Wenn alle mitziehen, ist so eine Ausbildung zu schaffen“, findet er. Cyprien und Freddy, sie sind 31 und 34 Jahre alt,  hätten in ihrem Heimatland die Schule besucht und die nötige Grundintelligenz, um die hohen Ansprüche an einen Elektroinstallateur erfüllen zu können. Mit viel Ehrgeiz hätten sie neben normalem Deutsch auch Fachdeutsch gelernt und Nachhilfeunterricht genommen. „Die beiden sind ein leuchtendes Beispiel, wie man Flüchtlinge integrieren kann. Aber sie haben auch gewusst, dass in Deutschland die Messlatte hoch hängt und sich sehr angestrengt“, sagt Bredow, der auch andere Erfahrungen gemacht hat. Einige von seinen ausländischen Auszubildenden hätten aufgegeben. Er unterstützt in seinem 50-Mann-Betrieb, dass Flüchtlinge sich in Deutschland über die Arbeit integrieren.

Cyprien, der unter den freigesprochenen Junggesellen sogar die höchste Punktzahl erreicht hatte, und sein Bruder Freddy haben bereits einen Anstellungsvertrag bei Bredow und arbeiten derzeit in Storkow und Berlin. Beide sagen, sie wollen in Deutschland bleiben, hier leben und arbeiten.

Gesellen und Firmen

Metallbauer, Spez. Konstruktionstechnik (aus Fürstenwalde, in Fürstenwalder Firmen): Paul-Heinz Koss, RoWo Schlosserei & Stahlbau GmbH, Hendrick Kroetzsch, Schlosserei Klink GmbH; Maik Kühne, Robert Prüfert, Tobias Pöhle und Alina Fischer GbR, Max Ziolkowski, Tobias Pöhle & Alina Fischer GbR;

Elektroniker, Energie- und Gebäudetechnik: Cyprien Fathey, Frankfurt (Oder), Bredow Elektroinstallationen GmbH & Co.KG Briesen; Andy Kowoll, Fürstenwalde, Fa. Egon Pankow, Fürstenwalde; Freddy Michel Ovongo Meba, Briesen, Bredow Elektroinstallationen GmbH & Co. KG Briesen; Kevin Rüdiger, Fürstenwalde, Elektro Naumann Erkner; Marcel Schubert Garzau-Garzin, Lehmann Elektrotechnik Schöneiche; Philipp Stänke, Gosen-Neu Zittau, Elektro Naumann Erkner

Anlagenmechaniker Sanitär, - Heizungs- und Klimatechnik; Heizungstechnik: Carsten Adam, Petersdorf, Hartmann und Felsmann GbR; Andrij Babiy, Calox Haustechnik GmbH, die ersten drei Firmen: Fürstenwalde; Paul Herbrich, Waldsieversdorf, Fa. Thomas Wolf Grünheide Möllensee; Manuel Reuß, Fürstenwalde, Fa. Dennis Schwikal, Rietz-Neuendorf; Nikolaus Stoof, Berlin, Heinzug und Sanitär Woltersdorf; Andrew Witt, Rauen, Hartmann und Felsmann GbR, Fürstenwalde

Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, Sanitärtechnik: Jason Steuke, Erkner, Idzial GmbH Erkner ⇥rb