Der Briesener Sportplatz hat schon so einiges gesehen – ein algerischer Nationalspieler war bis zum Samstagabend wohl nicht darunter. Doch dann zeigte Karim Benjamina seine Klasse und versenkte für die Traditionsmannschaft des 1. FC Union Berlin einen Ball nach dem anderen. Nicht umsonst ist der 38-Jährige mit 87 Treffern in 213 Pflichtspielen Unions ewiger Rekordtorschütze seit der Vereinsgründung 1966. Dass es im Freundschaftsspiel gegen die Briesen Allstars anlässlich der Feier zu 100 Jahren Fußball in Briesen und 30 Jahren FV Blau-Weiß 90 nur vier Tore waren, verdanken die Gastgeber insbesondere ihren beiden Schlussmännern.

Lob von Christian Stuff

„Beide Briesener Torhüter haben mir sehr gut gefallen, genau wie die idyllische Sportanlage hier im Wald“, sagte Unions 1,99 Meter große Innenverteidiger Christian Stuff, der von 2006 bis 2014 in mehr als 200 Spielen für die „Eisernen“ auf dem Platz stand und sich nach der Partie viel Zeit für die zahlreichen Union-Fans unter den 400 Zuschauern nahm. „Die Briesener haben das nicht schlecht gemacht, man hat gesehen, dass einige früher höher gespielt haben. Und für uns war es einfach schön, nach über einem halben Jahr endlich mal wieder auf dem Platz zu stehen“, erklärte Stuff.
Auch sein Mitspieler Ronny Nikol, von 1997 bis 2003 für Union als Profi aktiv, war sichtlich erfreut, dass es langsam wieder losgeht. „Wir hatten einfach Lust zu spielen nach der langen Zwangspause – ich denke, das hat man gesehen. Und das Drumherum hat hier heute auch gestimmt“, sagte der 46-Jährige.

Karim Benjamina trifft viermal

Die Köpenicker ließen von Beginn an keine Zweifel daran aufkommen, wer als Sieger vom Platz gehen wird. Nachdem die Briesener immerhin zehn Minuten die Null hielten, markierte Shergo Biran die verdiente Führung. Anschließend fielen die Tore beinahe im Minutentakt, Björn Brunnemann und dreimal Benjamina schraubten das Ergebnis auf 5:0 zur Halbzeit hoch. „Es hat trotz allem großen Spaß gemacht. Die Unioner spielen ein ganz anderes Tempo, das hat man natürlich gemerkt“, sagte Torhüter Denis Bramburger. Der 43-Jährige bekam mehrmals Sonderapplaus für seine teils spektakulären Paraden – genau wie der für ihn nach der Pause gekommene Reno Ballhorn (49). „Es war ein schönes Highlight für den Verein. Für mich war es das erste Spiel seit zweieinhalb Jahren – und nach einer Knie-OP gleichzeitig auch mein letztes“, sagte Ballhorn, der in seiner Regionalliga-Zeit beim Eisenhüttenstädter FC Stahl schon zweimal gegen Union gespielt hatte.

Ehrentreffer durch Marcel Reetz

Für den größten Jubel des Abends sorgte aber Marcel Reetz. Der 42-Jährige hatte sich kurz vor dem Abpfiff schön über die rechte Seite durchgetankt, seinen Schuss konnten die Gäste nur noch zum 1:7-Endstand ins eigene Tor abfälschen – es war wie ein spätes Geschenk zum Geburtstag. „Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen und haben nicht vorher gemeinsam trainiert. Aber es ist einfach schön, mal wieder mit all den Jungs auf dem Platz zu stehen“, erklärte Reetz, der seit 1995 dem FV Blau-Weiß angehört und mittlerweile in der Ü40 kickt.
Zufrieden zeigte sich auch Heiko Hempel, der auf und neben dem Platz alle Hände voll zu tun hatte. „Heute hat alles gepasst: Die Spieler und Zuschauer hatten ihren Spaß, das Wetter hat mitgespielt und alle Generationen feiern zusammen“, sprach der 2. Vereinsvorsitzende wohl allen Beteiligten aus der Seele.

Die Mannschaftsaufstellungen


Briesen Allstars: Denis Bramburger, Reno Ballhorn – Reiko Ballhorn, Heiko Schübler, Matthias Klein, Thoralf Alter, Marcel Gernetzke, Mike Stettnisch, Volker Moritz, Mario Utecht, Marcel Reetz, Frank Morgen, Alexander Mikulin, Carsten Orlowski, Björn Zickerow, Tino Gottschalk, Ronny Anke, Tino Torwirt, Thomas Kussatz, Marko Tews, Daniel Tews, Patrick Sauer, Steve Weiß-Motz, Torsten Hees, Heiko Hempel, Michael Pohl – Trainer: Detlef Horn, Daniel Wichary
1. FC Union Berlin:
Tom Hauthal – Phillip Möhle, Ronny Nikol, Christian Stuff, Thomas Boden, Jan-Phillip Schindler, Chibuike Okeke, Jörg Hermann, Shergo Biran, Markus Appel, Karim Benjamina, Björn Brunnemann – Trainer: Detlef Schwarz