Gesundheit in Bad Saarow: Stammzellen-Spende – wie Henriette Blaschek ein Leben rettete

Den Spenderausweis immer in der Tasche: Für unseren Adventskalender hat Henriette Blaschek ihren Geldbeutel geöffnet und ihre Geschichte erzählt, wie sie Spenderin wurde.
Kindlena/adobe.stock.com, fromage/Delphotostock/stock.adobe.com/Angela Boll/Montage: Sebastian Schubert- Henriette Blaschek, 19, rettete durch ihre Stammzellenspende ein Leben.
- Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin (OTA) am Helios Klinikum Bad Saarow.
- Familie und Freund hatten Bedenken, dennoch entschied sie sich zur Spende.
- Die Prozedur dauerte fünf Stunden, mit Nebenwirkungen wie Knochenschmerzen.
- Spender und Empfänger bleiben zwei Jahre anonym; Henriette will die Empfängerperson kennenlernen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Den Geldbeutel öffnen - das machen wir täglich. Kohle spielt dabei nur noch selten eine Rolle. Das ganze Leben hat Platz darin: Personalausweis, Führerschein, Gesundheitskarte, Deutschlandticket, Kreditkarte, Punktesammelsysteme aller Art. Wenn Henriette Blaschek ihr Portemonnaie öffnet, hält sie nicht nur ihr Leben in der Hand. Sie trägt auch immer ihren Spenderausweis bei sich, mit dem sie gerade erst einem fremden Menschen ein neues Leben geschenkt hat.
Henriette Blaschek ist 19 Jahre alt, am Helios Klinikum macht sie zurzeit die Ausbildung zur operationstechnischen Assistenz (OTA), eigentlich wohnt sie in Sperenberg, im Landkreis Teltow-Fläming, aber viel mehr Zeit verbringt sie hier in Bad Saarow. Gerade steht die 19-Jährige im Übungsoperationssaal. Hier lernt sie das Assistieren bei Operationen. Für heute hat sie Feierabend, aber OP-Kleidung trägt sie immer noch. Darin fühlt sie sich wohl, das erleichtert das Reden. Denn eigentlich ist Henriette Blaschek keine große Plaudertasche.

Im Übungsoperationsaal im Helios Klinikum Bad Saarow. Es ist noch nicht lange her, dass Henriette Blaschek Stammzellen gespendet und damit ein Leben gerettet hat.
Anja PaarDoch die Geschichte, die sie in diesem Jahr erlebt hat, ist ihr wichtig. Denn sie ahnt: „Das ist ein Thema, das an vielen Menschen vorbeigeht. Ungewollt. Weil sie es einfach nicht wissen.“ Sie selbst habe früh gewusst, dass sie bereit ist, einen Teil von sich zu geben, damit andere gesund werden. Mit 18 schrieb sie daher eine Mail an die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Kurz darauf landete ein Päckchen mit 3 Stäbchen zum Abspeicheln bei ihr, die schickte sie zurück. Wenige Tage später bekam sie einen Spenderausweis und eine Mail mit der Bestätigung ihrer Registrierung.
Bedenken kamen aus der Familie und von ihrem Freund
Klingt eigentlich ganz einfach. Als Heldin wurde Henriette allerdings nicht gefeiert. Ganz im Gegenteil: Ihre Mutter, ihr Vater und ihr Freund hatten größte Bedenken. Sie hätten versucht, es ihr auszureden, erzählt sie. Henriette machte es trotzdem. Dann passierte erstmal nichts, bis - etwa ein Jahr später - ihr Telefon klingelte und Henriette erfuhr, dass sie als Spenderin in Betracht kommt.
Kein Druck, dafür viele Papiere und Vorsorgeuntersuchungen
Die Chance als registrierter Stammzellenspender tatsächlich für eine Spende in Betracht zu kommen, liegt laut DKMS bei einem Prozent. Henriette zögerte keine Sekunde. Während ihr Umfeld erneut die Risiken zu Bedenken gab, sagte sie: „Egal, was kommt: Ich mach's.“ Sie erfuhr, was alles auf sie zukam, musste viele Papiere ausfüllen, ging zur Vorsorgeuntersuchung und sie war aufgeregt. Druck habe sie nicht erfahren, die Frau vom DKMS, die sie betreute, sei sehr behutsam vorgegangen. Sie habe sich gut auf alles einstellen können, sagt Henriette.
An der Entscheidung gezweifelt habe sie nicht, aber sie habe sehr viel Respekt gehabt, auch vor den körperlichen Strapazen, die sie würde aushalten müssen. In Dresden, wo die Zentrale der DKMS beheimatet ist, wurde sie medizinisch untersucht und vorbereitet. Sie erfuhr, dass sie nicht operiert, sondern per Blutabnahme spenden kann. Dafür musste sie sich vor der Blutentnahme fünf Tage lang jeweils morgens und abends spritzen, mit einem Mittel, das die Stammzellen vom Knochen löst.
Fünf Tage lang spritzen, morgens und abends
Spritzen, das sei gar nicht ihr Ding, sagt sie: „Aber ich wollte keinen Rückzieher machen.“ Von nichts ließ sich Henriette abbringen, auch als die Spritzen Nebenwirkungen zeigten und sie starke Knochenschmerzen hatte, sprang sie nicht ab. Schließlich gings wieder nach Dresden. An ihrer Seite war ihre Mutter, die sich mittlerweile mit dem Gedanken, dass ihre Tochter Stammzeilenspenderin ist, angefreundet hatte, sie sogar beim Spritzen unterstützt hatte.

Henriette Blaschek bei der Stammzellen-Spende in Dresden. Fast fünf Stunden dauerte die Prozedur, dann hatte sie das Schlimmste vorerst überstanden.
Henriette BlaschekMorgens um 8 Uhr gings dann los. An einem Arm wurde das Blut abgezapft, das lief durch die Maschine, Stammzellen wurden entnommen, dann wurde Henriette das Blut am anderen Arm wieder zugeführt. So könnte man laienhaft das Procedere beschreiben. Bis 12.30 Uhr hing die 19-Jährige an der Maschine, schaute Netflix und lenkte sich unter anderem mit einer Ozean-Dokumentation ab.
Mit Druckverbänden verließ sie schließlich das DKMS, ein zweiter Eingriff sei nicht notwendig gewesen, für die Empfängerperson sei alles optimal gelaufen. Leben gerettet. Das war's.
Naja, nicht ganz. Denn die Spende hatte Spuren hinterlassen. Henriette war noch einige Tage schlapp und eingeschränkt, erfuhr aber viel Verständnis, gerade bei ihren Mitschülerinnen und -Schülern. Und wie fühlt es sich an, ein Leben gerettet zu haben? Gerade jetzt an Weihnachten?„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon registriert habe“, sagt Henriette, immer noch in OP-Kleidung, und plötzlich wirkt sie sehr nachdenklich. „Wenn ich darüber nachdenke“, grübelt sie laut, „merke ich, dass es mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ja, es macht mich irgendwie glücklich. So wie es auch Freude macht, etwas zu verschenken.“ Auch wenn es körperlich schon anstrengend gewesen sei, fügt sie hinzu.
Zwei Jahre lang bleiben Spender und Empfänger anonym
Wer ihre Stammzellen bekommen hat, weiß Henriette übrigens nicht. Zwei Jahre lang müssen Spender und Empfänger anonym bleiben, dann können beide Personen der Freigabe ihrer Daten zustimmen - wenn sie wollen. Henriette will. Und sie würde sich freuen, die Spenderperson irgendwann kennenzulernen. Dann wäre es vielleicht noch mal wie Weihnachten.
DKMS - so werde ich Stammzellenspender
Alle 27 Sekunden erhält irgendwo auf der Welt ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Eine Stammzellen-Spende kann Blutkrebserkranken das Leben retten. So geht's:
● Auf der Homepage der DKMS kann man sich online als Spender registrieren. Dann bekommt man Set zugeschickt.
● Mit dem Abstrich kann das DKMS die Gewebemerkmale aufschlüsseln und prüfen, ob sie zu einem Patienten oder einer Patientin passen.
● Sobald die eingeschickte Probe analysiert und gespeichert ist, ist der potenzielle Spender als solcher registriert.
● Wenn man als Spender infrage kommt, wird man informiert, über die Vorgehensweise ausführlich aufgeklärt und über den gesamten Verlauf betreut und begleitet. In etwa 90 Prozent der Fälle kann die Stammzellen-Entnahme ohne Operation, ähnlich wie bei einer Bluttransfusion, vorgenommen werden.
● In etwa 10 Prozent der Fälle ist ein operativer Eingriff unter Vollnarkose notwendig.


