Goodyear in Fürstenwalde
: Demo vor Reifenwerk – warum Minister Steinbach noch Hoffnung hat

Goodyear in Fürstenwalde steht vor dem Aus. Die Gewerkschaft hatte die Mitarbeiter zu einer Demonstration aufgerufen, zu der auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach kam. Wie er sich für das Werk einsetzen will.
Von
Christoph Mann
Fürstenwalde
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Protest vor dem Werk: Die Beschäftigten des Reifenwerks in Fürstenwalde wollen die von Goodyear geplante Einstellung der Reifenproduktion nicht hinnehmen.

Christoph Mann

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hält es für sinnvoll, dass der Bund über die Möglichkeit einer Unterstützung für die unter Druck geratene Reifenproduktion im eigenen Land nachdenkt. Steinbach sagte der dpa, es habe Gespräche zur Zukunft der Reifenindustrie auf der Ebene des Bundes gegeben. Es sei aber noch unklar, ob Überlegungen für einen Subventionsmechanismus für die Kautschukreifen-Herstellung konkreter werden.

Die Branche steht durch Importe aus Asien unter Druck. „Chinesische Billigimporte schütten den Markt voll“, sagte Steinbach. Dadurch gebe es eine Überproduktion in Europa.

In Fürstenwalde steht die Reifenproduktion von Goodyear vor dem Aus. Sie soll Ende 2027 eingestellt werden. Auch das Werk in Fulda soll dicht machen. Der Reifenhersteller Michelin kündigte ebenso Werksschließungen an, mehrere Standorte in Deutschland sind betroffen.

Protest vor Goodyear-Werk am Montag

Die Gewerkschaft IG BCE will möglichst viele Arbeitsplätze erhalten, auch die brandenburgische Landesregierung schaltete sich ein. Die Gewerkschaft rief die Goodyear-Beschäftigten und die Bevölkerung in der Region zu einer Demonstration am Montag (4. März) um 13 Uhr vor dem Reifenwerk auf, zu der etwa 100 Menschen gekommen waren. Dort trat unter anderem auch Minister Steinbach als Redner auf.

Die ersten Verhandlungstermine zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsführung hätten gezeigt, dass der Arbeitgeber nicht von seinem Vorhaben der Reifenproduktions-Schließung abrücken wolle, so die IG BCE. „700 gut bezahlte, tarifgebundene Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.“

Verkauf vor Schließung

Steinbach sagte, solange es noch Gespräche mit dem Unternehmen gebe, sei der Goodyear-Standort noch nicht endgültig verloren. Goodyear habe signalisiert, dass sich das Unternehmen einem Käufer bei einem entsprechenden Angebot nicht verschließen würde. „Wir haben es unterdessen von der Geschäftsleitung schriftlich, dass sie einen Verkauf einer Schließung bevorzugen würden“, sagte Steinbach auf der Veranstaltung in Fürstenwalde. Er fügte hinzu, dass die Suche nach einem Interessenten nicht einfach sei, „die stehen nicht Schlange“.

Jens Hack vom Presseteam der Goodyear Germany GmbH sagte zu einem möglichen Verkauf des Werkes an einen anderen Reifenproduzenten, dass Goodyear alle Möglichkeiten ausgelotet und abgewogen habe, bevor die Pläne zur Schließung der Reifenproduktion vorgelegt wurden. „Letztlich hat sich keine praktikable Alternative zu den Plänen herauskristallisiert“ so Hack. An den Gründen für die Entscheidung von Goodyear habe sich nichts geändert. „Es ist halt die Frage, wie schnell man solche Rahmenbedingungen tatsächlich verändern kann.“

Gespräche über Sozialplan und Interessenausgleich

Unterdessen laufen auch die Gespräche zwischen Unternehmen, Gewerkschaft und Betriebsrat, in denen es um die soziale Gestaltung des Personalabbaus in Fürstenwalde geht. Peter Weiser, vom Goodyear Betriebsrat in Fürstenwalde will zwar in erster Linie für den Erhalt des Werkes kämpfen, sagte aber: „Wir müssen parallel fahren und wir werden jetzt in die Verhandlungen für den Sozialplan und den Interessenausgleich gehen müssen, weil der Arbeitgeber so viel Druck aufbaut.“ Das sei die Aufgabe des Betriebsrates, so Weiser. Er versprach, für die Kollegen zu kämpfen. „Wir werden es dem Arbeitgeber richtig teuer machen, den Standort zu schließen.“

Jens Hack von der Unternehmenskommunikation sagte dazu, dass in den vergangenen Wochen ein Zwischenergebnis erzielt wurde. „Dieses Zwischenergebnis beinhaltet, dass es für die Schließung der Reifenproduktion ein Gesamtbudget für Abfindungen gibt und dass wir den Sozialplan und den Interessenausgleich bis spätestens Juni abschließen wollen“, so Jens Hack.

Bundesarbeitsminister sagte kurzfristig ab

Ursprünglich hatte auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) einen Besuch für Montag (4. März) in Fürstenwalde angekündigt. Geplant waren Gespräche mit der Belegschaft und der Geschäftsführung sowie eine Werksführung. Wie eine Sprecherin der IG BCE mitteilte, wurde dieser Besuch Ende vergangener Woche kurzfristig abgesagt, als Begründung wurden regierungsinterne Terminkollisionen genannt. Die IG BCE bedauere die Absage sehr, stehe aber in engem Kontakt mit dem Bundesarbeitsministerium, so die Sprecherin.