Kurz vor Weihnachten wurde Denislav ins Helios Klinikum Bad Saarow eingeliefert. Der Siebenjährige klagte über starken Husten und Schmerzen im linken Lungenflügel. Die behandelnden Ärzte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin vermuteten zunächst eine Lungenentzündung. Denn die Befunde ließen Wasser in der Lunge erkennen. Doch Antibiotika, Sauerstoff und eine Thoraxdrainage brachten keine Besserung. Weitere Untersuchungen ergaben, dass der Verursacher vier bis sieben Millimeter groß ist. Auslöser für Denislavs Leiden war ein Hundebandwurm.
Diagnose: zystische Echinokokkose. Dahinter verbirgt sich eine vom Hundebandwurm verursachte Infektion, die fatale Folgen für den Jungen aus Frankfurt (Oder) hatte. Denn dadurch entstand in der linken Lunge eine Zyste von der Größe eines Apfels sowie eine weitere, zwei Zentimeter große Zyste in der Leber. Larven des Hundebandwurms gelten als Grund dafür, dass sich die langsam wachsenden Zysten ausbilden.
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Arzt in Bad Saarow
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Bad Saarow

Mediziner besprechen seltene Lungen-Operation

„Unsere Expertinnen und Experten der Radiologie, Anästhesie, Thoraxchirurgie, Kinderchirurgie und Pädiatrie setzten sich nach der Diagnosestellung zusammen. Wir überlegten gemeinsam, wie wir diese seltene Operation des Jungen am besten durchführen können und planten alle Schritte in enger Abstimmung“, erinnert sich die erfahrene Kinderchirurgin, Dr. med. Beate Schwarz, leitende Ärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum in Bad Saarow.
Denislav mit seinen Eltern Mirella und Dzhoni.
Denislav mit seinen Eltern Mirella und Dzhoni.
© Foto: Thomas Oberländer / Helios-Kliniken
Zwei Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen haben die Lungenzyste ausgeschält. „Diese OP-Technik braucht eine gewisse Erfahrung aufgrund der Gefahr, dass die Zyste platzt“, sagt Alaa Kamar Aldeen, Oberarzt und Sektionsleiter Thoraxchirurgie der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. Zweieinhalb Stunden dauerte dieser Eingriff. „Eine solch große Operation erfordert exakte Vorabsprachen zwischen dem Anästhesisten und dem Operateur“, ergänzt Ali Allam, Leiter des OP-Zentrums und leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie.
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Bad Saarow

Lungen-Operation nach Bandwurm-Befall verlief erfolgreich

Die Operation verlief komplikationslos. Der kleine Denislav konnte sich zügig erholen und sieben Tage nach der Operation beschwerdefrei nach Hause entlassen werden. Seine Eltern, Mirella und Dzhoni, sind erleichtert. „Wir sind dem Ärzte- und Schwesternteam des Klinikums sehr dankbar“, sagt der Vater. „Denislav geht längst wieder in die Schule und hat schon viele bunte Bilder gemalt, denn Zeichnen ist sein großes Hobby. Bis auf seine Narbe am linken Brustkorb ist von der Operation nicht mehr viel zu merken. Er ist ein fröhlicher und lieber Junge“, berichtet er.

Stichwort: Hundebandwurm

Schon der Kontakt mit dem Fell infizierter Hunde kann eine Ansteckung mit dem kleinen Hundebandwurm Echinococcosus granulosus auslösen. Diese vier bis sieben Millimeter lange Bandwurmgattung ist weltweit verbreitet, kommt aber aufgrund der Schafhaltung hauptsächlich in Mittelmeerländern und auf dem Balkan vor.
Endwirte sind zumeist Hunde, weniger Katzen. Wiederkäuer, vor allem Schafe und Rinder, dienen als Zwischenwirt. Sie nehmen die Eier beim Grasen auf kontaminierten Weiden auf. Bei der Hundebandwurmerkrankung wird der Mensch als Fehlwirt durch die orale Aufnahme von Larven infiziert. So gelangen die Eier in den Magen. Sie durchdringen die Schleimhaut des oberen Darmtrakts und erreichen das Pfortadersystem.
Später bilden sie in dem Endorgan Zysten und wandeln sich dort in eine Larvenform um. Dabei kann die Inkubationszeit bis zum Auftreten klinischer Anzeichen mehrere Jahre betragen. Hydatidenzysten können in allen Organen auftreten, z. B. in der Leber, der Lunge, der Milz, der Niere, dem Gehirn und den Weichteilen.
Während die Leber häufiger bei Erwachsenen betroffen ist, ist es bei Kindern vermehrt die Lunge. Die Zysten können riesige Ausmaße erreichen, jedoch ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nicht möglich. Gefährlich kann es werden, wenn eine Zyste platzt. Dann können schwere und lebensbedrohliche allergische Reaktionen drohen.