Es ist still geworden im Raum, als Feuerwehrmann Stephan Werner aus Grünheide im Feuerwehr- und Katastrophenschutz Technischen Zentrum in Fürstenwalde von seinem Einsatz im Kreis Ahrweiler berichtet. Vor ihm sitzen Wehrführer aus dem gesamten Landkreis Oder-Spree versammelt. Betroffen hören sie, was Werner und die anderen 15 Einsatzkräfte aus ihren Wehren dort erlebt haben.

700 Kilometer ins Katastrophengebiet

„Man fuhr zum Teil durch Müllberge auf dem Weg ins Schadensgebiet“, berichtet Werner. Dabei lag das Ereignis bereits vier Wochen zurück, als er und seine Kollegen vor Ort eintrafen. „Es war ein weiter, weiter Weg“, sagt er. 700 Kilometer, die sie in 12 bis 14 Stunden zurückgelegt hatten. „Danach waren die ersten schon knülle.“ Zunächst waren sie am Bereitschaftsraum auf dem Nürburgring stationiert.
Die Gemeinde Rech: Viele der Häuser des kleinen Ortes sind zerstört worden.
Die Gemeinde Rech: Viele der Häuser des kleinen Ortes sind zerstört worden.
© Foto: Daniel Brose
Ein Teil blieb dort, ein anderer wurde direkt in die kleine Gemeinde Rech im Landkreis Ahrweiler verlegt. „Die Entfernung zum Einsatzgebiet war problematisch“, berichtet Werner. Immerhin 65 Kilometer liegen zwischen dem Nürburgring und Rech, und viele Straßen seien nicht passierbar gewesen. Eine Stunde brauchte die Fahrt, vorbei an unzähligen zerstörten Häusern. „Sehr viel Dreck, sehr viel Schlamm“, sagt der Feuerwehrmann.

„Oft fehlte eine helfende Hand“

Der Grünheider Gemeindewehrführer Norman Elsner kam zusammen mit Werner am 11. August im Schadensgebiet an. Eine erste Logistik-Gruppe, an der auch Einsatzkräfte aus Oder-Spree beteiligt waren, war bereits seit dem 5. August vor Ort. „Wir haben viele Sachen gemacht, die man normalerweise nicht macht“, sagt er. Doch in Gefahr gebracht hätten sie sich nicht. Eine der Aufgaben war, Tanks und Heizungen aus den Kellern abzupumpen und „herauszuoperieren“. Die mussten innerhalb der Häuser zersägt und zerlegt werden, um die Teile für den Abtransport nach draußen zu schaffen. Im beengten Raum kein leichtes Unterfangen.
Bevor der Tank im Keller eines beschädigten Gebäudes zerlegt und ausgebaut werden kann, muss er zunächst leergepumpt werden.
Bevor der Tank im Keller eines beschädigten Gebäudes zerlegt und ausgebaut werden kann, muss er zunächst leergepumpt werden.
© Foto: Daniel Brose
Meist, sagt Werner, seien es aber auch ganz banale Aufräumarbeiten gewesen, die sie verrichtet hätten. In einem Nachbarhaus haben Leute mit Äxten und Hämmern den verseuchten Putz von den Wänden geschlagen. „Auch so etwas haben wir getan“, sagt er. Ein Versuch, die Wände irgendwie vor dem Winter wieder trocken zu bekommen. „Oft fehlte einfach eine helfende Hand“, glaubt Werner.

Spendenaktion der MOZ

Die Spendenaktion „Wir helfen“, zu der die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland aufrufen, nimmt Spenden auf folgendem Konto des Landkreises Märkisch-Oderland entgegen:
IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Dankbarkeit und gute Versorgung

Die Dankbarkeit der Leute habe ihn tief ergriffen. „Die sagen einfach danke, und wenn es nur für ein kleines Gespräch ist“, berichtet er. Davon hätten auch viele Einsatzkräfte zehren können. Norman Elsner erinnert sich an die Versorgung der Einsatzkräfte durch die Bevölkerung. „Sie haben uns bekocht von vorne bis hinten“, sagt er. So habe ein Pizza-Bäcker jeden Tag fast fünf Wochen lang für die Helfer Pizza gebacken. „Die Leute haben nichts“, sagt er, „und das bisschen, das sie noch haben, geben sie den Helfern“.
Unermüdlich: Insgesamt 400 Feuerwehrleute aus Brandenburg waren im Ahrtal im Einsatz.
Unermüdlich: Insgesamt 400 Feuerwehrleute aus Brandenburg waren im Ahrtal im Einsatz.
© Foto: Daniel Brose
Doch auch an den Einsatzkräften sei die Arbeit vor Ort nicht spurlos vorbeigegangen. Das Ausmaß der Zerstörung, das Wissen um die Todesopfer belastet auch die Helfer. Auch wenn die Feuerwehren aus Oder-Spree bereits am 16. August wieder zurückgekehrt sind, hätten einige der Einsatzkräfte noch damit zu kämpfen, sagt Elsner. „Es waren Bilder, die haben wir noch nie gesehen und ich hoffe auch, die müssen wir nie wieder sehen“, betonte er.
Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.