Aynaz Alizadeh möchte Krankenschwester werden. Ein Praktikum hat die 21-Jährige absolviert, sieben Bewerbungen geschrieben. Nun wartet sie auf Antworten – und arbeitet in der Abendschule an ihrem Zehnte-Klasse-Abschluss. Aynaz Alizadeh stammt aus dem Iran, lebte später im Irak, verbrachte eine Zeit in der Türkei und wohnt nun in Fürstenwalde. Sieben Sprachen könne sie sprechen, sagt die junge Frau. Auch mit Deutsch kommt sie gut zurecht.
Jetzt ist Aynaz Alizadeh eine von 20 Jugendlichen, die beim Caritas-Fachtag an sieben großen Tischen in der Fürstenwalder Kulturfabrik sitzen. Während sie auf ihren Stühlen bleiben, wechseln ihre Gesprächspartner immer wieder. Es sind Politiker, wie der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt (CDU), die Kreistagsabgeordnete und Stadtverordnete Elke Wagner (SPD) und Kai Hamacher vom Bündnis Fürstenwalder Zukunft (BFZ), aber auch Vertreter des Landkreises, der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Agentur für Arbeit.
"Ziel der Fachtagung ist es, Politiker und Entscheidungsträger auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, die zugewanderte Jugendliche beim Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland haben", sagt Thomas Gleißner, der Sprecher des Caritasverbandes des Erzbistums Berlin. Und davon gibt es einige. "Ich habe Probleme damit, die ganzen Formulare auszufüllen", sagt Aynaz Alizadeh. Auch das ständige Dolmetschen für ihre Eltern, die so gut wie kein Deutsch sprechen würden, und Rassismus machen ihr zu schaffen.
Wenn sie aus dem Haus trete und Menschen grüße, schalle ihr manchmal ein: "Ey scheiße, Alter, Ausländer", entgegen. "Viele Leute, die hier leben, haben selbst einen Rucksack voller Probleme, da muss Politik, da muss Jugendsozialarbeit noch viel leisten", versucht Nico Neidthardt vom Jugendamt des Kreises zu erklären. Violette Seubert (IHK) weist Aynaz Alizadeh darauf hin, dass Krankenschwester eine schulische Ausbildung sei, bei der man wenig Geld verdiene und Unterstützung bekommen könne.
"Es ist eine spannende Runde", sagt Martin Patzelt nach gut zwei Stunden. Er nehme mit, dass das Wohnen für Schüler in Gemeinschaftsunterkünften teilweise so belastend sei, dass sie nicht mehr ausreichend Kraft zum Lernen haben. Krach und Partys bis in die Nacht würden an den Nerven zehren. "Das werde ich an entsprechender Stelle diskutieren", sagt der Briesener.
Außerdem landen alle Probleme auf Postkarten. Am Ende füllen sie ein großes Glas. Das bekommt Fürstenwaldes Bürgermeister Matthias Rudolph (BFZ) überreicht. "Er soll schauen, ob er etwas mitnehmen kann, für die Stadt", sagt Marion Klawon von der Caritas. Eine Abschrift der 30 Wünsche gehe an die Europawahlabgeordneten. Aynaz Alizadeh empfindet den Tag schon jetzt als Gewinn. "Schön, wenn man mal alle Probleme besprechen kann", sagt sie.