Jobs in Oder-Spree: Neue Hilfe für Jugendliche, was steckt dahinter?

Hilfe aus einer Hand: Damit der Start in die Ausbildung und in den Job erfolgreich gelingt, erhalten Jugendliche und junge Erwachsene, die Unterstützung brauchen, Hilfe von den Mitarbeitern der neu gegründeten Jugendberufsagentur.
Stefan Lötsch- In Eisenhüttenstadt startet eine Jugendberufsagentur für Unterstützung „aus einer Hand“.
- Jugendamt, Jobcenter und Arbeitsagentur kooperieren in der Karl-Marx-Straße 35c.
- Vereinbarung wurde am Freitag (30. Januar) unterzeichnet, erste im Landkreis Oder-Spree.
- Ziel: Jugendliche beim Übergang Schule–Ausbildung–Job ganzheitlich begleiten.
- 430 Jugendliche (15 bis unter 25) in der Region leben von Bürgergeld; Hilfe wird gebündelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Was die Bundesregierung mit einer großen Sozialstaatsreform auf oberer Ebene ankündigt, das wird im Landkreis Oder-Spree, speziell in der Region Eisenhüttenstadt, jetzt schon in einem Teilbereich umgesetzt. Beratungsleistungen werden zusammengelegt. Davon profitieren Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in die Ausbildung und in das Berufsleben.
In der offiziellen Sprache klingt es etwas sperrig, was am Freitag (30. Januar) in den Räumen der Regionalstelle Eisenhüttenstadt der Agentur für Arbeit in der Karl-Marx-Straße 35c vollzogen wurde. Drei Partner, das Jugendamt des Landkreises, das Jobcenter des Landkreises sowie die Agentur für Arbeit, haben eine Vereinbarung unterschrieben, um zusammenzuarbeiten, gemeinsam eine sogenannte Jugendberufsagentur zu gründen, die erste dieser Art im Landkreis Oder-Spree. Doch welche Vorteile hat ein Jugendlicher davon?
Jochem Freyer, Chef der Ostbrandenburger Arbeitsagenturen, macht es an einem fiktiven Beispiel deutlich: Eine 16-Jährige, die noch bei ihren Eltern wohnt, absolviert eine Ausbildung, wird schwanger. Die Eltern sind im Bürgergeldbezug, haben Probleme mit dem Alkohol, wollen ihre Tochter aus der Wohnung schmeißen. Für die 16-Jährige in dieser schwierigen Lebenssituation sind nun unterschiedliche Behörden zuständig.
Agentur: Unterstützung für Jugendliche beim Berufseinstieg
Sie müsste zum Jugendamt, zum Jobcenter, auch zur Arbeitsagentur. Den einen oder anderen überfordert das, nimmt Termine deshalb nicht wahr. Auch die Berater in den einzelnen Behörden sind nicht immer auf dem neuesten Stand. Da setzt nun die Jugendberufsagentur ein. „Wir sind keine neue Behörde“, wie Jochem Freyer betont. „Wir arbeiten enger zusammen, bezogen auf die Jugendlichen.“
„Wir wollen die Jugendlichen auf dem Weg von der Schule in die Ausbildung, das Studium und in den ersten Job enger begleiten, vor allem diejenigen, die Unterstützung brauchen“, so Jochem Freyer. Es sei ein ganzheitliches Konzept.“ Der Agenturchef betont ein wichtiges Anliegen: „Wir wollen keinen jungen Menschen verloren geben.“ Aber das heißt auch: „Wir wollen auch diejenigen, die Anschub brauchen, die nicht aus dem Quark kommen, fürsorglich belagern“, sagt der Agenturchef. Und fügt hinzu: „Jugendberufsberatung ist kein Ponyhof. Wir wollen die Erwartung der Gesellschaft auch zum Ausdruck bringen.“
Eisenhüttenstadt bietet sich auch deshalb als Pilotprojekt in Oder-Spree an, weil die drei beteiligten Behörden unter einem Dach zusammenarbeiten. Wenn ein Jugendlicher zur Beratung kommt, wird ihm gleichsam Hilfe aus einer Hand geboten, weil der Berater sich gleich mit anderen abstimmen kann, je nach Unterstützungsbedarf. „Für Jugendliche ist nicht mehr die Institution sichtbar“, sagt Tino Kriegel, Leiter des kommunalen Jobcenters.
Bürgergeld, Jobcenter und Jugendamt: Hilfe aus einer Hand
Jugendliche kommen nicht in eine Behörde, sondern in eine Agentur, die entsprechend der Lebenslage des einzelnen Jugendlichen, die ganz unterschiedlich sein kann, Hilfe und Unterstützung anbietet, erklärt Tino Kriegel. „Entscheidend ist: Es geht um den Jugendlichen.“ Allein 430 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis unter 25 Jahren leben derzeit in der Region Eisenhüttenstadt von Bürgergeld. Dahinter würden sich ganz unterschiedliche Schicksale verbergen. Die Agentur soll möglichst jedem Einzelfall gerecht werden.

Jugendamtsleiter Jörg Keppler, Leiter des Jugendamtes, Jochem Freyer Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder) und Tino Kriegel, Leiter des Jobcenters (von links) haben die Vereinbarung zur Jugendberufsagentur unterschrieben.
Stefan LötschAber nicht nur Bürgergeldempfänger sind im Blick. „Der Übergang von der Schule in den Beruf oder die Ausbildung bringt manchen Stolperstein mit sich. Manche bleiben zurück. Und auch eine Ausbildung ist kein Garant dafür, dass alles geradlinig verläuft“, erklärt der Leiter des Jobcenters. „Dazu können unterschiedliche Probleme im Bereich Wohnen und im sozialen Umfeld kommen.“ Jörg Keppler, Leiter des kreislichen Jugendamtes, verdeutlichte: „Die Jugendlichen haben nur einen Ansprechpartner. Wir klären intern, wer es sein wird, mit welcher Leistung und mit welchen Ansätzen.“
Was sofort einleuchtend und sehr plausibel klingt, hatte allerdings einen langen Vorlauf, bis endlich die Unterschrift unter die Vereinbarung gesetzt werden konnte. Das sah man am Freitag schon daran, dass am Anfang Mitarbeiter an dem Vorhaben gearbeitet haben, die inzwischen ganz andere Funktionen haben, wie etwa Robert Czaplinski, Bürgermeister von Beeskow. 2022, da war er noch Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur, hat er mit die Grundsteine gelegt, dass die Vereinbarung zustande gekommen ist. Die Devise lautete damals schon: „Alle unter einem Dach. Wir schicken niemanden weg. Wir nehmen die Jugendlichen an die Hand und schicken sie nicht mit dem Laufzettel zur nächsten Behörde“, erklärte Robert Czaplinski. Und für Jochem Freyer ist klar: „Jede Investition in junge Leute ist das beste Invest, was sich eine Gesellschaft leisten kann.“


